Wikifolio: Vermögensverwaltern über die Schultern geschaut

Wikifolio: Vermögensverwaltern über die Schultern geschaut

, aktualisiert 10. August 2017, 11:39 Uhr
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Auf Onlineplattformen wie Wikifolio können Anleger die Strategien von Vermögensverwaltern nachahmen.

von Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

Investmentprofis entdecken Social Trading und sind immer stärker auf Wikifolio aktiv. Für sie ist die Plattform Marketinginstrument und Versuchslabor zugleich. Anleger investieren bisher aber nur zögerlich.

DüsseldorfIhre Kunden haben Hunderttausende auf der hohen Kante, mitunter sogar Millionen. Wer auf die Dienste eines Vermögensverwalters setzen möchte, braucht schon ein gewisse Anlagesumme. So war es zumindest früher. Heute können Anleger schon mit kleinen Beträgen auf die Strategien von Profis setzen, die ihre Dienste sonst nur vermögenden Kunden anbieten. Möglich macht das die Social-Trading-Plattform Wikifolio. Hier können User Musterdepots anlegen und für andere investierbar machen, ähnlich wie bei den Wettbewerber eToro und Ayondo.

Mittlerweile sind auf der Plattform auch 51 Vermögensverwalter aktiv. „Anleger haben so direkten Zugang zu den Handelsstrategien der Vermögensverwalter, können ihnen über die Schulter blicken und die Umsetzung der Handelsstrategie eins zu eins mitverfolgen und nachvollziehen“, sagt Andreas Kern, Gründer des Wiener Fintechs. „Früher mussten Anleger mehrere hunderttausend Euro investieren, um in den Genuss einer von Vermögensverwalter betreuten Strategie zu gelangen. Über Wikifolio-Zertifikate können sie bereits ab einem geringen Betrag die Wertentwicklung der Strategien der Finanzprofis in ihr Depot holen.“

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Und für die Vermögensverwalter ist es natürlich auch ein Marketinginstrument. „Mithilfe von Wikifolio haben wir die Möglichkeit, unsere eigenen individuellen Strategien als absolut transparente Produkte zu präsentieren, die ein Schaufenster unserer Arbeit als Vermögensverwalter und Fondsmanager darstellen“, sagt Stephan Albrech von der Albrech & Cie Vermögensverwaltung. „Dieses Schaufenster hat sich im Laufe der letzten Jahre als Marketinginstrument unseres Unternehmens etabliert.“

Auch die Hinkel & Cie Vermögensverwaltung war von Anfang an begeistert, ihre Dienstleistungen einem jüngeren und damit größeren Publikum anbieten zu können. Die Düsseldorfer sind mit mehreren Wikifolios auf der Plattform vertreten, die sie teilweise zu Dach-Wikifolios zusammengefügt haben und in diese investieren sie auch das Geld ihrer Kunden.

Vermögensverwalter bieten derzeit mehr als 120 Wikifolios an, davon sind rund 90 Prozent auch investierbar, also Basis für ein Zertifikat. Das kann von Anlegern über die Börse Stuttgart oder im Direkthandel bei Lang & Schwarz gehandelt werden. Kritiker führen an, dass Zertifikate anders als Investmentfonds kein geschütztes Sondervermögen sind und Anleger damit ein Emittentenrisiko tragen. Insgesamt führen Trader, private und nicht private wie eben Anlageprofis oder Finanzverlage, derzeit mehr als 18.000 Musterdepots auf der Plattform. Mehr als 6700 Wikifolio-Zertifikate sind an der Börse Stuttgart gelistet. Anleger haben in diese Papiere aktuell rund 300 Millionen Euro investiert.

Mit Hauck & Aufhäuser ist auch eine Privatbank auf der Plattform aktiv. Der Schweizer Ableger der Bank präsentiert hier seinen Nachhaltigkeitsansatz und hofft, eine breitere Kundenbasis zu schaffen. „Diese Kundenbasis ist digital geprägt und gleichzeitig aktiv und mehr trading-orientiert“, sagt Reinhard Pfingsten, Chief Investment Officer von Hauck & Aufhäuser. „Wikifolio-Anleger beziehungsweise Anleger der jungen Generation sehen wir als zukünftige Kunden für Assetmanager.“ Deswegen sei es wichtig auf Social-Trading-Plattformen präsent zu sein. Hauck & Aufhäuser Schweiz ist auch an Easyfolio beteiligt, einem Robo-Advisor.

Fondsmanager Hendrik Leber schätzt Wikifolio für die unkomplizierte Art, Strategien in der Wirklichkeit zu testen. „Dadurch zwinge ich mich, verbindliche Aussagen zu treffen und mit echtem Geld zu unterfüttern“, sagt der Gründer der Investmentgesellschaft Acatis. Der Vermögensverwalter ist auf der Plattform mit drei Strategien vertreten, bei denen er auf künstliche Intelligenz setzt – oder, wie er selber auf Wikifolio schreibt, „unserem jungen Nachwuchscomputer“. Außerdem ist einer seiner Kollegen mit einem Qualitätsaktien-Portfolio aktiv.


Kritik und Verbesserungsvorschläge

Seine Strategie offen darzustellen, ist auch das Ziel von Gottfried Urban. „Wikifolio ist eine gute Möglichkeit, sehr transparent zu zeigen, wie man bei der Aktienauswahl und der Zusammenstellung von Depots vorgeht“, sagt der Chef von Bayerische Vermögen. Seit 2014 ist er auf der Social-Trading-Plattform aktiv und war damit ebenso wie Albrech einer der ersten Vermögensverwalter mit einem investierbaren Wikifolio. Das Team von Urban betreut auch das „Social Trading“-Musterdepot im Handelsblatt.

Das Engagement der Vermögensverwalter auf Wikifolio dient aber nicht nur Marketingzwecken oder als Versuchslabor. Sie können mit ihren Depots auch über mögliche Kursgewinne hinaus Geld verdienen – und zwar in Form einer Erfolgsprämie, die auch von der Größe des Portfolios abhängt. Hinzu kommt im Fall der Anlageprofis ein Teil der Zertifikategebühr. Das erfolgreichste Vermögensverwalter-Wikifolio ist das „Stockpicker & Cash“ von MS Finance Support. Seit Auflage im Juli 2014 hat es gut 67 Prozent zugelegt, bei einem Maximalverlust von 12,5 Prozent.

Die meisten Vermögensverwalter sind nur auf Wikifolio und nicht noch auf anderen Plattformen aktiv. „Da aktuell eine regelrechte Schwemme an Social-Trading-Plattformen versucht, den Markt zu erobern, bleibt nicht mehr genug Zeit für das tägliche Geschäft“, sagt Abrech. Man könne nicht auf allen Hochzeiten tanzen. „Daher konzentrieren wir uns in dem Bereich lediglich auf Wikifolio, weil es unserem Anforderungsprofil an eine Social-Trading-Plattform absolut gerecht wird.“

Auch die anderen Vermögensverwalter sind voll des Lobes. Doch es gibt auch Kritik, oder zumindest Verbesserungsvorschläge. Albrech schlägt vor, die Vermögensverwalter-Wikifolios stärker von denen der Privatpersonen abzuheben, damit Anleger leichter entscheiden können, wann sie es mit einem Profi und wann mit einem Privatanleger als Trade zu tun haben. Urban bemängelt, dass die Anleger auf Wikifolio vor allem auf die Performance achten. Auch vom Volumen seiner Wikifolios – investiert sind gut 33.000 beziehungsweise gut 10.000 Euro – ist er enttäuscht.

Damit ist Urban nicht alleine. In das größte Vermögensverwalter-Wikifolio haben Anleger gerade mal rund zwei Millionen Euro investiert. Es ist das „Privalor AG Aktienstrategie XII“. Im laufenden Jahr hat es immerhin 33 Prozent zugelegt, seit Auflage im August 2016 sind es 23 Prozent. Überhaupt gibt es nur 46 Wikifolio-Zertifikate mit einem Anlagevolumen von mehr als einer Million Euro. Das allergrößte Portfolio ist allerdings gut 34 Millionen Euro schwer.

Hendrik Leber bemängelt, dass die An- und Verkaufsspannen so hoch sind und Dividenden dem Portfolio nicht gutgeschrieben werden. Grundsätzlich ist auch er sehr zufrieden und will weitere Wikifolios aussetzen. So wie auch viele der anderen Befragten.

Die Verlagsgruppe Handelsblatt ist über ihre Beteiligungsgesellschaft VHB ventures an Wikifolio beteiligt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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