Zalando-Holding: Rocket Internet kündigt Börsengang an

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Zalando-Holding: Rocket Internet kündigt Börsengang an

, aktualisiert 10. September 2014, 13:01 Uhr
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Mitarbeiter der Firma Rocket Internet GmbH arbeiten im Firmensitz des Unternehmens in Berlin

Rocket Internet gibt den Startschuss für den Börsengang. Er soll noch in diesem Jahr starten und ein Volumen von 750 Millionen Euro haben.

Die Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet drängt an die Börse. Das Unternehmen der Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer will dabei in Frankfurt etwa 750 Millionen Euro einnehmen. Der Börsengang solle noch in diesem Jahr über die Bühne gehen, kündigte Rocket am Mittwoch an. Die Einnahmen sollen in die Entwicklung neuer und bestehender Startups fließen.

„Der Börsengang ist der nächste logische Schritt auf dem Weg zu unserem erklärten Ziel, die weltweit führende Internet-Plattform außerhalb der USA und Chinas zu werden“, erklärte Mitgründer und Chef Oliver Samwer. Vor allem in Entwicklungsländern, in denen es wenige traditionelle Läden geben, sehe Rocket die Chance, mit dem Online-Handel groß abzuräumen.

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Die drei Samwer-Brüder

  • Die Paten des Internets - Das Buch

    Auf rund 400 Seiten schildert Gründerszene-Chefredakteur Joel Kaczmarek in „Die Paten des Internets“ das Leben der drei Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer – von ihrer Kindheit über ihr erstes eigenes Unternehmen bis zum gigantischen Start-up-Schmiede „Rocket Internet“. Das Buch gewährt nicht nur vertiefende Einblicke in das gigantische Firmenimperium der Samwers, es vermittelt auch einen Eindruck in die Denkweise der ehrgeizigen Geschwister und zeigt ihre unterschiedlichen Charaktere auf.


    „Die Paten des Internets. Zalando, Jamba, Groupon – wie die Samwer-Brüder das größte Internet-Imperium der Welt aufbauen" von Joel Kaczmarek, Finanzbuch Verlag, 19,99 Euro.

  • Marc Samwer

    Zu Beginn des Samwer-Aufstiegs sucht auch Marc (* 3. Dezember 1970) häufig die Öffentlichkeit, überließ jedoch später häufig Oliver Samwer das Rampenlicht und konzentrierte sich auf seine Rolle als rechtlicher Berater und Steuerer des Samwer-Imperiums. Der erste Sohn des Kölner Rechtsanwalts Sigmar-Jürgen gilt als charismatischer und vernünftiger Gesprächspartner. Allerdings haftet dem ältesten Bruder auch der Ruf als Manipulator an.


    Kaczmarek: "Marc Samwer, ein Menschenfänger mit Juristenverstand"


    Studium: Rechtswissenschaften

  • Oliver Samwer

    Der mittlere Bruder (* 9. August 1973) hat schnell die Anführerrolle des Trios übernommen. Oliver organisiert und treibt die Entwicklung des Samwer-Imperiums voran.


    Kaczmarek: „ Ein Mann, der sich körperlich bis an die Grenzen der Belastbarkeit tastet und einen gewissen Masochismus zeigt, wenn es darum geht, (über andere) zu triumphieren. Dem es gleichzeitig aber auch an einem moralischen Kompass oder einer für Unternehmer üblichen Wirtschaftsethik fehlt. […] Schnelligkeit und seine Auffassungsgabe heben Oliver Samwer deutlich hervor, doch es gibt eine Eigenschaft, die ihn wirklich von allen anderen absetzt – das ist diese ganz eigene Art, wie er mit Menschen umgeht und sie steuert. […] Ist es in seinem Interesse, verströmt er eine inspirierende, anregende Aura, der selbst Größen der internationalen Finanzwelt mit Leichtigkeit verfallen.“

    Abitur-Note: 0,8
    Studium: Betriebswirtschaftslehre

  • Alexander Samwer

    Anders als seine Brüder gilt Alexander nicht als nur vom Ehrgeiz Getriebener, sondern als analytischer Denker. Er wird als menschlich, höflich und zurückhaltend beschrieben.

    Kaczmarek: „Während die Gründungen, bei denen Oliver oder Marc Samwer federführend tätig waren, oftmals auf kurzfristigen Erfolg angelegt waren, konzentrierte sich Alexander Samwer auf die anspruchsvollen Aufgaben und betreute diese mit strategischer Weitsicht.[…] Hätte es ihn nicht in die Selbstständigkeit als Internetunternehmer verschlagen, könnte er heute genauso als Vorstandsvorsitzender eines DAX-Unternehmens tätig sein.“

    Abitur-Note: 0,66
    Studium: Volkswirtschaftslehre

„Wir bauen eine Plattform“, betonte Samwer in einer Telefonkonferenz. Die einzelnen Firmen sollen von einer gemeinsamen technischen Basis und standardisierten Abläufen profitieren. Rocket Internet legte zunächst keine ausführlichen Zahlen vor, es wurde aber deutlich, dass die Startup-Fabrik rote Zahlen schreibt. „Wir streben derzeit keine Gewinne an“, sagte Samwer. Das brauche Zeit. Rocket habe aber eine klare Marschroute zur Profitabilität.

Zalando geht auch an die Börse

Rocket Internet war 2007 gegründet worden und bringt hauptsächlich Internet-Startups auf den Weg. Zu den Firmen, die unter dem Dach von Rocket groß geworden sind, zählt auch der Modehändler Zalando. Zalando will selbst ebenfalls noch in diesem Jahr an die Börse. Rocket Internet hat die Startup-Produktion wie am Fließband organisiert. Eine Geschäftsidee wird schnell umgesetzt und in verschiedenen Ländern an den Start gebracht. Aktuell sind unter dem Rocket-Dach über 50 Firmen in verschiedenen Weltregionen aktiv.

Die bekanntesten Gründungen und Beteiligungen von Rocket Internet

  • Die Gründungen und Beteiligungen der Samwers

    mGut 100 Unternehmen haben die Samwer-Brüder mit ihrer Start-up-Schmiede "Rocket Internet" in den vergangenen Jahren gegründet oder sich an ihnen beteiligt. Die folgenden Liste ist nur eine kleine Auswahl, die zeigt, wie vielschichtig und umfassend das Portfolio der Brüder ist. Deutlich wird auch, dass die Ideen für die Unternehmen selten die eigenen sind.

    Quelle: Joel Kaczmarek: Die Paten des Internets, 2014

  • Ads.com.mm

    Unternehmen: Ads.com.mm

    Vorbild: Craigslist
    Einstieg: Juli 2012
    Unternehmensart: Kleinanzeigen (Anzeigen)
    Herkunftsland: Myanmar

  • Airizu

    Unternehmen: Airizu

    Vorbild: Airbnb
    Einstieg: Mai 2011
    Unternehmensart: Privatzimmervermittlung
    Herkunftsland: China

  • Airu

    Unternehmen: Airu

    Vorbild: Etsy
    Einstieg: Juli 2011
    Unternehmensart: Marktplatz für Selbstgemachtes
    Herkunftsland: Mittel- und Südamerika

  • Dealstreet

    Unternehmen: Dealstreet

    Vorbild: Swoopo
    Einstieg: April 2009
    Unternehmensart: Live-Shopping Anbieter
    Herkunftsland: Deutschland

  • Edarling

    Unternehmen: Edarling

    Vorbild: Eharmony
    Einstieg: November 2008
    Unternehmensart: Online-Partnervermittlung
    Herkunftsland: Deutschland

  • Fashion4Home

    Unternehmen: Fashion4Home

    Vorbild: MyFab
    Einstieg: Juli 2009
    Unternehmensart: Onlineshop für Designer-Möbel
    Herkunftsland: Deutschland

  • HelloFresh

    Unternehmen: HelloFresh

    Vorbild: Middagsfrid
    Einstieg: November 2011
    Unternehmensart: Abo-Commerce zu Rezepten samt Zutaten
    Herkunftsland: Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika, Mittlerer Osten

  • LadenZeile

    Unternehmen: LadenZeile

    Vorbild: Like.com
    Einstieg: Januar 2009
    Unternehmensart: Metasuche für Shoppingangebote
    Herkunftsland: Deutschland

  • Lazada

    Unternehmen: Lazada

    Vorbild: Amazon
    Einstieg: Februar 2012
    Unternehmensart: Online-Versandhaus
    Herkunftsland: Südostasien

  • MyBrands

    Unternehmen: MyBrands

    Vorbild: Dress-for-Less
    Einstieg: Mai 2009
    Unternehmensart: Online-Designer-Outlet
    Herkunftsland: Deutschland

  • Payleven

    Unternehmen: Payleven

    Vorbild: Square
    Einstieg: Januar 2012
    Unternehmensart: Anbieter für Mobile Payment
    Herkunftsland: Deutschland

  • Sexpartnerclub

    Unternehmen: Sexpartnerclub

    Vorbild: -
    Einstieg: Juni 2007
    Unternehmensart: Casual-Dating-Portal
    Herkunftsland: Deutschland

  • Toptarif

    Unternehmen: Toptarif

    Vorbild: Check24
    Einstieg: Juli 2007
    Unternehmensart: Online-Preisvergleich
    Herkunftsland: Deutschland

  • Westwing

    Unternehmen: Westwing

    Vorbild: One Kings Lane
    Einstieg: September 2011
    Unternehmensart: Shoppingclub für Wohn-Accessoires
    Herkunftsland: Deutschland

  • Wimdu

    Unternehmen: Wimdu

    Vorbild: Airbnb
    Einstieg: Februar 2011
    Unternehmensart: Privatzimmervermittlung
    Herkunftsland: Deutschland

  • Zalando

    Unternehmen: Zalando

    Vorbild: Zappos
    Einstieg: Juni 2008
    Unternehmensart: Onlineshop für Fashion
    Herkunftsland: Deutschland

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Online-Handel. So ist etwa die Firma Zalora eine Art Zalando für Asien und Dafiti setzte dieses Konzept in Südamerika um. Das Online-Kaufhaus Lazada macht der weltweiten Nummer eins Amazon auf den Philippinen Konkurrenz, das Rocket-Unternehmen Jumia tut dies in Afrika. Insgesamt arbeiten in den Firmen nach Rocket-Angaben über 20.000 Menschen in 100 Ländern.

Zum Rocket-Stall gehören außerdem Dienstleistungs-Anbieter aus unterschiedlichsten Bereichen: Taxi-App, Putzfrauen-Vermittlung, Busreise-Plattform, Online-Bezahldienst, Lebensmittel-Versand sowie Kredit-Vermittler für Privatleute und Unternehmen. Aus dem Silicon Valley wird Rocket häufig vorgeworfen, Ideen von US-Startups bis auf Design und Logo hin zu kopieren. Die Berliner Firma kontert, entscheidend sei nicht eine Idee, sondern die Umsetzung.

Samwer-Brüder werden zu Multi-Milliardären

Nach bisherigen Medienberichten strebt Rocket beim Börsengang eine Gesamtbewertung von fünf Milliarden Euro an. Damit würden die Samwer-Brüder offiziell zu Multi-Milliardären. Sie halten nach Angaben von Mittwoch die Mehrheit an Rocket Internet über ihren Global Founders Fund mit 52,3 Prozent.

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Weitere Anteilseigner sind die schwedische Investmentfirma Kinnevik mit 18,1 Prozent, United Internet mit 10,4 Prozent und Access Industries des US-Milliardärs Len Blavatnik mit 8,3 Prozent. Der philippinische Telekom-Konzern Philippine Long Distance Telephone Company (PLTD) hält 8,4 Prozent und der Risikofinanzierer Holtzbrinck Ventures mit 2,5 Prozent.

Die bestehenden Anteilseigner wollen bei dem Börsengang keine Anteile verkaufen, es sollen nur neue Aktien platziert werden. Es werde nur eine Aktienklasse mit einheitlichen Stimmrechten geben, sagte Samwer. Bei einigen amerikanische Internet-Firmen wie Google und Facebook bekamen Gründer Aktien mit mehr Stimmrechten, damit sie auch bei Anteilen unter 50 Prozent die Kontrolle über das Unternehmen behalten können.

Rocket soll im Segment Entry Standard starten, in dem die Transparenz-Anforderungen etwas niedriger sind. So wird Rocket aktuelle Zahlen nur alle sechs Monate statt jedes Quartal vorlegen müssen. Das unterstreiche die langfristige Zielsetzung der Firma, sagte Samwer.

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