Zeitenwende: Großaktionär Fredriksen macht mit Tui-Ausstieg Kasse

Zeitenwende: Großaktionär Fredriksen macht mit Tui-Ausstieg Kasse

Europas größter Reisekonzern Tui verliert einen seiner größten Aktionäre: Der norwegische Reeder John Fredriksen machte am Donnerstag Kasse und verkaufte den Großteil seiner Aktien.

Der Ausstieg eines der beiden Großaktionäre bei Europas größtem Reisekonzern eröffnet Tui nach Ansicht von Unternehmens-Chef Friedrich Joussen neue Perspektiven. „Unser Ziel ist eine Firma, die sich am Markt finanzieren kann“, sagte Joussen nach dem überraschenden Rückzug von Großaktionär John Fredriksen. Am Mittwochabend hatte der norwegische Reeder angekündigt, seinen Tui-Anteil von rund 20 auf 4,4 Prozent zu reduzieren. Joussen, der nun selbst für 500.000 Euro Tui-Aktien erwerben will, betonte: „Natürlich ist der Weg dahin nicht ganz risikolos, wenn sich einer der Anker-Aktionäre verabschiedet“.

Er sehe den Rückzug daher mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Größter Tui-Aktionär bleibt nach aktuellen Angaben mit 26 Prozent der russische Milliardär Alexej Mordaschow. Joussen, der sich am Donnerstag auf einer Telefonkonferenz aus Moskau äußerte, betonte, der Streubesitz werde nun auf 66 Prozent steigen. Die spanische Riu-Hotelgruppe werde zudem die Gelegenheit nutzen, ihren Anteil von 5 auf knapp 8 Prozent aufzustocken. Neben Joussen wollten auch Finanzvorstand Horst Beier sowie Aufsichtsratschef Klaus Mangold Tui-Aktien kaufen.

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Die 39,7 Millionen Papiere wurden nach Angaben der US-Investmentbank Goldman Sachs, die den Verkauf organisierte, zu je 13,13 Euro platziert. Das entspricht einem Abschlag von 4,5 Prozent zum Schlusskurs vom Mittwoch entsprach. Fredriksen machte sich mit dem Verkauf von 15,7 Prozent an TUI den zuletzt kräftig gestiegenen Aktienkurs zunutze und strich insgesamt 521 Millionen Euro ein. Er bleibt mit 4,4 Prozent an Tui beteiligt.

Der ehemalige Großaktionär hatte in der Vergangenheit den Kurs der Tui-Spitze immer wieder scharf kritisiert. Der frühere Unternehmens-Chef Michael Frenzel hatte zunächst die Schifffahrt ausgebaut, um die Ertragslage mit einer Zwei-Säulen-Strategie zu stabilisieren. Der erneute Schwenk Richtung Verkauf der Schifffahrtssparte kam auch auf Druck Fredriksens zustande. Hapag-Lloyd bekam aber mit der Finanzkrise schwere Probleme, die Tui musste mehr Anteile behalten als geplant. Tui hält aktuell noch rund 22 Prozent an der Reederei, will sich davon aber trennen.

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Für Tui markiert der Ausstieg eine Zeitenwende: Fredriksen - der eine der größten Tankerflotten der Welt betreibt - war vor gut fünf Jahren im großen Stil bei der Traditionsfirma eingestiegen. Sein erklärtes Ziel war, Tui zu zerschlagen und sich die Schifffahrtssparte Hapag-Lloyd unter den Nagel zu reißen. Der Versuch brachte ihm viel Streit mit dem damaligen Tui-Vorstandschef Michael Frenzel ein. Frenzel entkam der Zwickmühle mit einem Strategieschwenk, in dem er Tui einzig auf Tourismus ausrichtete - die Beteiligung an Deutschlands größter Reederei Hapag-Lloyd wurde zurückgefahren. Der streitbare Norweger steckte daraufhin in der Sackgasse und konnte sein Paket an Tui auch nicht auf den Markt werfen, da der Kurs eingebrochen war.

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