Zersplitterter Fondsmarkt: Wenn die große Auswahl die Rendite frisst

Zersplitterter Fondsmarkt: Wenn die große Auswahl die Rendite frisst

, aktualisiert 18. November 2011, 10:03 Uhr
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Fondsanleger müssen auf der Hut sein: Mit ineffizienten Fonds können die Gebühren einen großen Teil der Rendite auffressen.

von Annika WilliamsonQuelle:Handelsblatt Online

Ein riesiger Wust an Fonds ist in Europa auf dem Markt. Doch hinter dem Chaos steckt Methode: Wo sich Geld bewegt können die Fondsgesellschaften verdienen.

DüsseldorfDie Fondsbranche in Europa ist wie ein Ameisenhaufen: Es tummelt sich eine riesige Menge an kleinen Teilnehmern – mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Fonds oft nicht so effizient sind wie ein Ameisenstaat.

Laut dem Research-Haus Lipper gibt es in Europa 35.110 zugelassene Fonds. In den USA sind es mit 7.514 Fonds nur gut ein Fünftel so viele. Doch in US-Fonds wird anderthalbmal so viel Vermögen verwaltet wie in den europäischen.

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Der Markt in Europa ist fragmentiert. Durch gesetzliche und steuerliche Unterschiede werden sehr ähnliche Fonds immer wieder neu aufgelegt, um einen anderen Markt zu bedienen. Die Kosten trägt der Anleger: „Eine so große Menge an kleinen Fonds ist für die Anleger eindeutig ein Nachteil“, sagt Natalia Wolfstetter, Fondsexpertin im Analysehaus Morningstar. „Ein Fonds wird erst ab einem gewissen Volumen für die Fondsgesellschaft rentabel – wie soll er sich da für die Anleger lohnen?“

Diese Zersplitterung soll jetzt ein Ende haben. Seit dem 1. Juli des Jahres gilt die neue OGAW IV-Richtlinie der EU, die eine bessere Integration des europäischen Fondsmarktes zum Ziel hat. Vor allem heißt das: Fonds aus verschiedenen Ländern sollen verschmelzen, die Kosten dadurch sinken.

Doch es sieht ganz danach aus, dass diese Konsolidierung Wunschdenken bleibt. „Ob sich wirklich etwas tut, ist im Moment noch schwer zu sagen“, sagt selbst Rolf Drees vom Bundesverband für Investment und Asset Management (BVI), der Lobby der deutschen Fondsbranche. Auch mit einer wirksamen EU-Richtlinie bleiben immer noch einige Hürden: Wahrscheinlich müssten Länder bilateral klären, wie sie sich in Fragen wie der Versteuerung einigen.


Wo Geld sich bewegt, verdienen die Fondsgesellschaften

Morningstar-Analystin Wolfstetter bezweifelt, dass sich durch die Richtlinie viel ändert. „Man müsste meinen, dass auf einem so zersplitterten Markt wenigsten mehr Wettbewerb herrscht, doch das ist nicht so. Die Anleger haben einfach kein ausgeprägtes Kostenbewusstsein“, sagt sie. Daher würden sie kaum darauf drängen, dass die Fonds zügig effizienter und dadurch kostengünstiger gemacht werden.

Die Kosten treibt hierzulande vor allem der Vertrieb in die Höhe, schätzt Natalia Wolfstetter. Durch unterschiedliche Sprachen, Regeln und Landesgrenzen ist der nicht so effizient wie in den USA. Laut einer Studie der European Fund and Asset Management Association (Efama) sind die Managementgebühren von europäischen und amerikanischen Fonds annähernd gleich, doch am Ende sind die Kosten für europäische Anleger trotzdem um einiges höher.

Doch die europäische Geographie ist nicht der einzige Grund dafür, dass die Deutschen ihr Geld teurer investieren als die Amerikaner, sagt Wolfstetter: „Es gehört sicher zur Strategie vieler Fondsgesellschaften, ihre Anleger durch neue Fonds in Bewegung zu setzen. Dadurch verdienen sie, zum Beispiel über den Ausgabeaufschlag.“ Der kann ohne weiteres fünf Prozent betragen.

Gelegentlich bereinigen die Fondsgesellschaften ihre Produktpalette und streichen Fondsleichen, die niemand mehr kauft. Doch in den vergangenen zehn Jahren wurden nur im Krisenjahr 2009 mehr Fonds geschlossen als neu aufgelegt. Letztendlich gilt immer das Prinzip: Wo sich Geld bewegt, kann man verdienen.

Entscheidend ist daher, dass Anleger genau auf die Gesamtkosten einer Fondsanlage schauen. Sollte sich der Fondsmarkt doch etwas konsolidieren, wäre das ein Tüpfelchen auf dem i: „Aus Anlegersicht würde ich es begrüßen, wenn sich die Fondspalette europaweit etwas konsolidiert“, sagt Rolf Drees vom BVI. Doch freuen sollten sich die Anleger erst, wenn die Kosten wirklich gesunken sind.

Quelle:  Handelsblatt Online
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