Zertifikate: Anleger suchen das Extrem

Zertifikate: Anleger suchen das Extrem

, aktualisiert 22. November 2011, 08:08 Uhr
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Extreme Kursausschlägen: Hebelprodukte sind bei Zertifikate-Anlegern gefragt.

von Matthias von ArnimQuelle:Handelsblatt Online

Entweder auf Nummer sicher oder volles Risiko: In turbulenten Börsenzeiten ist das Extrem gefragt. Warum Anleger derzeit nur auf besonders spekulative oder sehr konservative Produkte setzen.

FrankfurtDas Jahr 2011 ist erst in sechs Wochen vorbei, und die letzte offizielle Statistik des Deutschen Derivate Verbands (DDV) stammt aus dem August. Doch so viel lässt sich jetzt schon sagen: 2011 wird nicht als ein gutes Jahr für die Derivate-Industrie in die Geschichte eingehen. Ende August waren in Deutschland 104,6 Milliarden Euro in Zertifikate und Hebelprodukte investiert. Das waren schon 4,1 Prozent weniger als im Juli und der niedrigste Stand seit Februar 2010. Bis zum Jahresende könnte das Volumen noch einmal geschrumpft sein.

Seit zwei Jahren gibt es bei Zertifikaten de facto kein Marktwachstum mehr. Mit den Folgen der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hat die Branche bis heute zu kämpfen. Vor dem Ausbruch der Finanzkrise Ende 2007 hatten deutsche Anleger mehr als 139 Milliarden Euro in Zertifikate investiert – die Tendenz war bis dahin stets stark steigend, zweistellige Wachstumsraten keine Seltenheit, sondern eher die Regel.

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Davon ist die Branche heute weit entfernt. Wenn ein bestimmter Produkttyp innerhalb des Zertifikate-Universums wächst, dann nur noch zulasten eines anderen. Und da zeichnet sich in den zurückliegenden Monaten ein deutlicher Trend ab: Die deutschen Anleger zaudern oder zocken. Sprich: Sie investieren zunehmend in Produkte mit Zins-Kupons und zumindest einer Teilabsicherung des Kapitals, oder sie handeln mit spekulativen Hebelprodukten. „Unseren Zahlen zufolge hat die Nachfrage der Anleger nach klassischen Anlagezertifikaten wie beispielsweise Index-, Bonus- oder Discountzertifikaten nachgelassen, während die Banken beispielsweise deutlich mehr strukturierte Anleihen mit Kuponversprechen und Kapitalschutzfunktion absetzen“, sagt Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbands.

Der Trend zum Kupon ist auch innerhalb ähnlicher Produktgruppen zu beobachten: So ist im Vergleich zum Vorjahr das Marktvolumen von klassischen Kapitalschutzprodukten ohne Kuponversprechen um rund 6,5 Prozent oder 1,5 Milliarden Euro zurückgegangen. Dafür stieg das Marktvolumen strukturierter Anleihen mit Kapitalschutz und Kupon um rund sieben Prozent oder 2,7 Milliarden Euro an.

Frappant unterschiedlich verlief zuletzt auch die Entwicklung der beiden Produkttypen Discountzertifikat und Aktienanleihe. Unter dem Strich bieten die beiden Typen Anlegern dasselbe Auszahlungsprofil. Doch während Discountzertifikate einen Rabatt auf den Basiswert bieten, wird bei Aktienanleihen stattdessen ein Kupon gezahlt. Dieser feine Unterschied hat die Anleger bei der Investitionsentscheidung zuletzt offenbar beeinflusst. Befanden sich im August 2010 noch Discountzertifikate im Wert von acht Milliarden in den Depots privater Anleger, sind es im August dieses Jahres gerade noch 7,3 Milliarden Euro.

Dieser Rückgang ist nur zum Teil mit der Finanzkrise und den jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten zu erklären. Denn im gleichen Zeitraum stieg das Anlagevolumen von Aktienanleihen um 13 Prozent oder 500 Millionen Euro auf 4,2 Milliarden Euro.

Vermutlich lassen sich Anleger von den vergleichsweise hohen Zinsversprechen vieler strukturierter Produkte und Aktienanleihen im Vergleich zu Bundesanleihen beeindrucken. „Wer wegen der höheren Rendite auf solche Produkte ausweichen will, sollte die Risiken kennen und tragen können“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Anlageberater versagen beim Vertrieb dieser Produkte regelmäßig, weil sie das Gebot der Diversifikation missachten. Je weniger ein Anleger bei einem einzelnen Emittenten anlegt, desto geringer die Ausfallrisiken“, so Nauhauser.

Im Schatten der Zuwächse bei Zins-Kupon-Zertifikaten sind die Hebelprodukte der zweite, eher heimliche Gewinner der jüngsten Börsenturbulenzen. Ihr Anteil am Derivatemarkt ist mit insgesamt 1,2 Prozent vergleichsweise gering. Doch das Marktvolumen ist in diesem Bereich von August 2010 bis August 2011 um rund 16 Prozent gestiegen. Noch beeindruckender ist die Entwicklung des Handelsvolumens: Während im August 2010 rund zwei Milliarden Euro mit Knock-out-Zertifikaten und Optionsscheinen an den Börsen umgesetzt wurden, waren es im Krisenmonat August 2011 rund 3,5 Milliarden Euro. Ginge es nur um dieses Marktsegment, könnte 2011 sogar als ein gutes Jahr für die Branche in die Geschichte eingehen.


Quelle:  Handelsblatt Online
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