Zinsentscheidung der Fed: US-Notenbank verspricht vorerst weiter Billiggeld

Zinsentscheidung der Fed: US-Notenbank verspricht vorerst weiter Billiggeld

Die US-Notenbank Fed spielt bei der Straffung ihrer Geldpolitik auf Zeit. Dabei befindet sich Wirtschaft im Aufschwung und die Arbeitslosenquote liegt auf dem tiefsten Stand seit sechs Jahren.

An den Börsen in New York, London, Tokio und Frankfurt ging es in jüngster Zeit hoch her: Sorgen um Griechenlands Zahlungsfähigkeit, der ins Bodenlose fallende Ölpreis, der damit verbundene dramatische Verfall des Rubel sowie Wirtschaftssanktionen gegen Russland im Ukraine-Konflikt, IS-Terror und die schwächelnde Weltkonjunktur hielten die Börse in Atem. Innerhalb von nur drei Monaten fiel der deutsche Aktienindex Dax von 9800 Punkten zunächst auf 8572, stieg anschließend auf ein neues Allzeithoch bei 10.087 Punkten, fiel wieder auf 9334 Punkt, um nun wieder auf einen Erholungskurs zu schwenken. Für Anleger eine Berg- und Talfahrt, wie sie nur selten vorkommt und nahezu unkalkulierbar.

Wäre die Börse eine Person, würde wohl die meisten Beobachter eine Neurose oder manisch-depressiven Gemütszustand bescheinigen. Die Nervosität der Anleger hat aber jenseits der geopolitischen Lage und Krisen sowie ihrer unabsehbaren weiteren Entwicklung handfeste Gründe. Denn Aktien - die angesichts der weiter historisch niedrigen Zinsen als einzige renditeträchtige Anlageklasse weiter als alternativlos gelten - profitieren seit Jahren von der Politik des billigen Geldes. Die kaum vorstellbaren Summen, die große Notenbanken weltweit seit Jahren in den Kapitalmarkt pumpen, um die Folgen der Finanz- und Staatsschuldenkrise abzufedern, sorgten bei den Aktienkursen für einen stetigen Auftrieb. Und die größte Sorge der Börsianer ist, dass es mit der Geldflut in nächster Zeit vorbei sein könnte. Denn noch ist sie einer der wenigen Faktoren, die so etwas wie Verlässlichkeit in den Markt einbrachten.

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Zinsentscheid Was bei der Fed-Sitzung wichtig wird

Die US-Notenbank Fed entscheidet über den Leitzins, Präsidentin Janet Yellen könnte mit ihrer Wortwahl eine Änderung der Zinspolitik einleiten. Worauf bei ihrer Rede zu achten ist.

Fed-Chefin Janet Yellen. Quelle: AP

Mit großer Spannung haben Investoren daher die Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erwartet. Alle Marktteilnehmer wissen, dass ein Leitzinserhöhung durch die Fed nur eine Frage der Zeit ist - und alle fragten sich in der Vergangenheit, wann es denn endlich soweit ist. Schon Andeutungen der Fed-Chefin Janet Yellen zu diesem Thema bewegten in den vergangenen Monaten immer wieder die Börse - wie schon bei ihrem Vorgänger Ben Bernanke. Wie bei allen Notenbank-Chefs wurde bei Bekanntgabe der Zinsentscheidung jedes Wort von Yellen auf die Goldwaage gelegt. Den entscheidenden und konkreten Hinweis blieb Yellen auch diesmal schuldig: Die Währungshüter in Washington bekräftigten auch am Mittwoch ihr Niedrigzins-Versprechen. Man werde bei der geplanten Normalisierung der Geldpolitik „geduldig“ sein, und der Leitzins solle noch für „beträchtliche Zeit“ nahe null bleiben, hieß es in einem Statement. Seit der letzten großen Finanzkrise Ende 2008 liegt der Zins in einer historisch niedrigen Spanne zwischen null und 0,25 Prozent. Im Oktober hatte die Fed aber bereits ein milliardenschweres Anleihe-Kaufprogramm zur Stützung der Konjunktur beendet.

Für Fed-Chefin Janet Yellen gab es im Grunde nur zwei Möglichkeiten: Entweder eine Zinserhöhung konkret anzukündigen - etwa ab sofort oder ab der kommenden Sitzung des Zinsrates - oder erneut vage Formulierungen und Andeutungen zu wählen, wie lange noch die Zinsen auf dem Niveau nahe null verharren werden. Bei der vorangegangenen Zinsentscheidung der Fed hatte sie noch davon gesprochen, dass die Zinsen für einen "längeren Zeitraum" niedrig bleiben.

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An den Börsen in Frankfurt und London war die abwartende Haltung der Anleger über den Tag spürbar. Vor mit Spannung erwarteten Aussagen von US-Notenbank-Präsidentin Janet Yellen hat der Dax zunächst leicht nachgegeben. Aber dank der Hoffnung auf Staatsanleihen-Käufe der Europäischen Zentralbank (EZB) machte der deutsche Leitindex seine Tagesverluste aber fast komplett wett und schloss nur 0,20 Prozent tiefer bei 9544,43 Punkten. An der New Yorker Börse kam die Reaktion auf die Rede von Janet Yellen prompt: Der Leitindex Dow Jones stieg unmittelbar nach Bekanntgabe der Entscheidung 300 Punkte, der S&P 500 stieg um 1,28 Prozent. Gute Vorgaben für den Handelsbeginn in Europa am Donnerstag.

Angesichts einer sich erholenden US-Wirtschaft und einem satten Rückgang der Arbeitslosenquote auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren scheint der Zeitpunkt für die Zinswende allmählich gekommen. Das Bruttoinlandsprodukt legte in den USA von Juli bis September mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,9 Prozent zu, allein im November entstanden in der weltgrößten Volkswirtschaft 321.000 neue Jobs. Ihr milliardenschweres Anleiheprogramm zur Ankurbelung der Wirtschaft hatte die Fed wegen guter Konjunkturdaten bereits im Oktober beendet.

Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass die Fed-Entscheidung in irgendeiner Form zur Stabilisierung der Märkte beiträgt. Im Gegenteil: angesichts der vor allem geopolitischen Faktoren, die derzeit die Börsenstimmung belasten, sollten Anleger weiter mit starken Kursschwankungen an den Börsen rechnen.

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