Zinssätze: Der Markt liegt falsch

Zinssätze: Der Markt liegt falsch

Bild vergrößern

Die Trickkiste der Zentralbanken: Zuerst die Senkung der Zinsen, Ergreifen „unorthodoxer Maßnahmen“, die die Zinssätze am langen Ende der Kurve niedrig halten sollen, und der großflächige Aufkauf von Staatsanleihen.

Der Markt wiegt sich offenbar in der trügerischen Sicherheit, dass die Zentralbank ewig Liquidität bereitstellen wird. Aber der Markt liegt falsch! Ein Gastkommentar.

„Die Regierungskunst besteht darin, so viel Geld wie möglich einer Klasse von Bürgern zu nehmen und es einer anderen zu geben.“ - Voltaire

Zu behaupten, die vergangenen vier Jahre seit Ausbruch der Finanzkrise in 2008 seien etwas untypisch verlaufen, wäre wohl die Untertreibung des Jahrhunderts. Rund um den Globus haben die Zentralbanken tief in die geldpolitische Trickkiste gegriffen: zuerst durch Senkung der Zinsen auf fast null, dann durch Ergreifen „unorthodoxer Maßnahmen“, die die Zinssätze am langen Ende der Kurve niedrig halten sollen, und schließlich durch großflächigen Aufkauf der von ihren eigenen Regierungen ausgegebenen Staatsanleihen. Früher hätte man Letzteres als Schneeball- oder Pyramidensystem bezeichnet, heutzutage gelten derartige Maßnahmen als „alternativlos“. Voltaire wusste offensichtlich, wovon er sprach.

Anzeige

Traditionell haben Zentralbanken nur den Teil der Renditekurve gesteuert, der Übernachtkredite und vielleicht noch Laufzeiten von bis zu einem Jahr betraf. Doch der massive Einbruch der Aktienkurse in den Jahren 2008/09 und die immensen haushaltspolitischen Ungleichgewichte infolge der umfangreichsten Konjunkturprogramme aller Zeiten haben zu einem Paradigmenwechsel geführt: Durch Bereitstellung von reichlich Liquidität zu niedrigen Zinsen soll das ordnungsmäßige Funktionieren von Wirtschaft und Markt sichergestellt werden. Flankiert wurden diese Maßnahmen durch eine PR-Kampagne der Zentralbanken und politischen Entscheidungsträger nach dem Motto: Kein Grund zur Sorge, alles unter Kontrolle. Aber natürlich! Seitdem hangeln wir uns von einer Blase zur nächsten und hinein in eine Schuldenfalle, in der Regierungen und Banken nur noch über eine dünne Kapitaldecke verfügen und auf die jeweilige Zentralbank als einzigen verbleibenden Kreditgeber angewiesen sind.

Steen Jakobsen ist Chefökonom der Saxo Bank Quelle: Pressebild

Steen Jakobsen ist Chefökonom der Saxo Bank

Bild: Pressebild

Mittlerweile nehmen Regierungen und Geschäftsbanken global so viel vom „Kreditkuchen“ in Anspruch, dass dem Privatsektor nur mehr Krumen bleiben. Damit ist der Privatsektor – traditionell das risikobereite, profitable Segment der Volkswirtschaft – von seinem Lebenselixier Kredit abgeschnitten: Die Makroökonomie hat die Mikroökonomie überrollt. Keine gute Idee. Alle unternehmerisch gesinnten Menschen und Unternehmen wollen maximale Flexibilität und Zugang zu Kapital und Risiko. Statt dessen sind sie von der Kreditversorgung abgeschnitten, überfordert und überreguliert.

Euro-Krise Wann knickt der Euro ein?

Noch trotzt der Außenwert des Euro der Krise. Doch ist unsere Währung wirklich so stark, wie es den Anschein hat? Viele Faktoren sprechen dagegen.

Quelle: dpa

Bisher haben sich die Zinssätze für US-Staatsanleihen in 2012 – nach den extremen Tiefstständen – allmählich normalisiert. Der Zinsschritt in diesem Monat war im Vergleich zur jüngsten Vergangenheit geradezu dramatisch. Daher spricht man bereits von einer Trendwende bei den Wachstumsaussichten und konjunktureller Entspannung (vor allem in den USA). Noch im vierten Quartal 2011 waren wir im Hinblick auf die USA recht optimistisch gestimmt, als die Konsenserwartungen nach unserem Dafürhalten zu vorsichtig ausfielen (Stichwort: „Double Dip“). Demgegenüber prognostiziert der Markt jetzt – im ersten Quartal 2012 – überaus voreilig, die jüngste „Stabilisierung“ werde ein langfristiges Wachstum anstoßen. Eine solche Prognose ist verfrüht; die Vorlaufindikatoren deuten sogar auf eine mögliche Verlangsamung des Wachstumstempos hin. Wir rechnen zwar damit, dass die USA in diesem Jahr andere Wirtschaftsregionen übertreffen werden, aber auch nur deshalb, weil die Situation anderswo weitaus prekärer ist.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%