Zockergeld und Zahlungsmittel: Bitcoins stürzen auf 2200 Dollar – und erholen sich

Zockergeld und Zahlungsmittel: Bitcoins stürzen auf 2200 Dollar – und erholen sich

, aktualisiert 16. Juni 2017, 13:21 Uhr
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Immer mehr Online-Shops und reale Geschäfte akzeptieren Bitcoin statt Euro.

von Felix Holtermann, Stephan Scheuer und Martin KöllingQuelle:Handelsblatt Online

Eben kratzte der Kurs noch an der 3000-Dollar-Marke, jetzt ist der Bitcoin abgestürzt. Doch die Digitalwährung erholt sich bereits. Das liegt an deutschen Händlern, Spekulanten aus China und einer Kaufhauskette.

Düsseldorf/Peking/TokioGeld anlegen in Bitcoins – wer sich dafür entscheidet, muss ein stabiles Nervenkostüm haben. Kratzte der Wert eines Bitcoins vor kurzem noch an der 3.000-Dollar-Marke, stürzte er in den vergangenen Tagen ab. Am Dienstag gab der Kurs um 300 Dollar nach auf rund 2.700 Dollar, am Donnerstag ging es dann sogar bis auf 2.200 Dollar herunter. Aktuell erholt sich der Kurs der Internetwährung wieder etwas: Am späten Freitagvormittag notierte ein Bitcoin bei rund 2.500 Dollar.

Den Kursrutsch ausgelöst haben drei Entwicklungen. Nach dem bis vor kurzem ungeahnten Höhenflug der Währung – Anfang des Jahres wurde die 1.000-Dollar-Marke überschritten, Ende Mai dann die 2.000-Dollar-Grenze – haben zahlreiche Anleger verkauft und Gewinne mitgenommen. Außerdem kam es am Dienstag und Mittwoch zu Hackerangriffen auf wichtige Handelsplätze, darunter auf die größte US-Dollar-basierte Börse Bitfinex. Auch die kleinere BTC-e-Plattform meldete Angriffe, Kunden-Konten und -Gelder sollen nicht gestohlen worden sein. Zuguterletzt tritt ab dem heutigen Freitag eine „Segwit2x“-genannte Modifikation des Bitcoin-Codes in Kraft, der diesen zukunftsfester machen soll, Anleger allerdings auch verunsichert hat.

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Im Zuge des Bitcoin-Absturzes ging es auch für andere Digitalwährungen abwärts, unter anderem Ethereum, Ripple und NEM gaben nach. Inzwischen befindet sich die Mehrheit aber wieder auf Erholungskurs. Der Grund ist einfach: Der harte Kern der Bitcoin-Gemeinschaft lässt sich von Abstürzen schon traditionell nicht beeindrucken und träumt von einer Zukunft, in der auch auf dem Wochenmarkt mit Internetgeld bezahlt wird. Zudem strömen immer mehr Privatanleger an den Markt, die die Schlagzeilen neugierig gemacht hat. Und dann gibt es noch Leute wie Alexander Schön: Ihn hat ein Computer-Virus zum Bitcoin gebracht.

„Mein erster Kontakt zum Bitcoin war ziemlich negativ. Unsere Firmen-PCs wurden letztes Jahr im März von einem Virus befallen. Die Hacker forderten Bitcoins als Lösegeld, um die Daten wieder freizugeben“, erinnert sich Alexander Schön. „Ich brauchte zwei Wochen, um die Bitcoins zu beschaffen, und habe mich eingelesen. Am Ende habe ich das Lösegeld nicht bezahlt, aber war Bitcoin-Fan.“

Hackergeld für dunkle Geschäfte, schwankende Zockerwährung – das schlechte Image klebt hartnäckig am Bitcoin. Damit sich das ändert, muss die Internetwährung im realen Leben ankommen, findet Schön. Er und sein Bruder Andreas haben den Anfang gemacht. In dritter Generation führen sie das Hotel Alpenhof in Augsburg, und ausgerechnet hier, im tiefsten Bayern, können die Gäste ihre Rechnung jetzt auch per Bitcoin bezahlen. Die Hoteliers sind damit zu Pionieren geworden, zu Wegbereitern einer wachsenden Gemeinschaft.

Allen aktuellen und früheren Kursstürzen zum Trotz werden die Bitcoins immer beliebter. Deckten sich zu Beginn vor allem Nerds und überzeugte Banken-Kritiker mit Bitcoins und anderen Digitalwährungen ein, sind es heute viele Privatanleger. Die meisten spekulieren auf neue Kursgewinne, aber eine wachsende Minderheit will mehr – mit Bitcoins an der Ladenkasse zahlen. Schließlich ist das die Grundidee der Kryptowährung: ein Geldsystem zu schaffen, das unabhängig ist von Finanzinstituten und Notenbanken.

Damit das klappt, braucht es mehr Geschäftsleute wie Alexander Schön. Offizielle Zahlen gibt es nicht, Schätzungen zufolge nahmen vor zwei Jahren rund 60.000 Firmen weltweit Bitcoins als Zahlunsgsmittel an. Heute dürfte die Zahl deutlich höher liegen. Im Netz finden sich zahlreiche Seiten, die weltweit Bitcoin-Annahmestellen sammeln. Nicht alle Listen sind durchgehend aktuell, nicht immer ist klar, ob die Händler vertrauenswürdig sind. Ein erster Anlaufpunkt sind die Übersichten aber allemal.

Wer nun direkt in die Stadt will, um mit seinen Bitcoins auf Einkaufstour zu gehen, dem droht Enttäuschung. Viele klassische Geschäfte mit Bitcoin-Kasse gibt es in Deutschland noch nicht. In Berlin existiert zwar ein sogenannten Bitcoin-Kiez, ein loser Zusammenschluss lokaler Firmen, von der Kaffeebude über die Buchhandlung bis hin zur Kneipe. Im restlichen Deutschland aber sieht es mau aus.

Dabei wäre ein Einstieg ganz leicht, ist man beim Augsburger Alpenhof überzeugt. „Es war eigentlich einfach, die Technik einzurichten. Ich habe ein altes Tablet genommen, darauf eine digitale Wallet installiert, die Mitarbeiter geschult, fertig“, erzählt Hotelchef Schön. Wallet ist ein digitaler Geldbeutel. In diesen geben die Mitarbeiter den Rechnungsbetrag ein, das Programm rechnet Euro in Bitcoin um und generiert einen QR-Code. Den scannt der Kunde mit dem Smartphone ein und überweist dem Hotel die Bitcoins. Alexander Schön verkauft diese umgehend wieder beim größten deutschen Marktplatz auf Bitcoin.de. „Steuerlich behandeln wir die Bitcoins wie Devisen, als hätte jemand in Dollar gezahlt“, erklärt der gelernte Koch.

Der Vorteil: Während bei der Zahlung per Kreditkarte hohe Gebühren von bis zu drei Prozent anfallen, kostet die Bitcoin-Zahlung meist deutlich weniger. Auch, weil die Gebühren nicht analog zum überwiesenen Betrag ansteigen. Sie liegen relativ konstant bei 20 Cent bis fünf Euro pro Überweisung, je nach gewünschter Geschwindigkeit. Außerdem müsse sich der Alpenhof so nicht den Geschäftsbedingungen der Kreditkartenfirmen unterwerfen, die etwa besonders kurze Stornofristen für Hotelzimmer vorsehen, sagt Schön.

Der erste Gast, der mit Bitcoins gezahlt hat, kam mit der ganzen Familie zum Brunch und machte bei der Zahlung ein Erinnerungsfoto. „Die Bitcoin-Gemeinde ist wie eine kleine Familie“, freut sich Schön. Da es 15 Minuten bis zu einer Stunde dauern kann, bis die Überweisung bei ihm ankommt, muss der Hotelchef seinen Bitcoin-Kunden allerdings Vertrauen entgegenbringen. Und noch halte sich der Andrang in Grenzen – trotz zehn Prozent Rabatt bei Bitcoin-Zahlung. Es sei noch ein weiter Weg, aber den Banken sei doch nicht mehr zu trauen. „Dem Bitcoin gehört die Zukunft“, glaubt der Hotelchef. Eine Meinung, die nicht alle Beobachter teilen.


Der Onlinehandel ist erneut Vorreiter

„Die Bitcoin-Enthusiasten sind unter den deutschen Händlern eine Ausnahme, und das dürfte vorerst so bleiben“, prognostiziert Ingo Fiedler. Der Ökonom forscht an der Universität Hamburg zu Glücksspiel und Digitalwährungen. Er sieht die Grenzen der Technik.

„Es gibt schon seit 2011 in Deutschland Geschäfte, die Bitcoin annehmen. Aber die Käufe vor Ort gehen tendenziell zurück“, sagt Fiedler. Der Bitcoin könnte an seinem eigenen Erfolg zugrunde gehen. „Das System war auf die weltweite Nutzung nicht vorbereitet. Die Transaktionen sind schlicht zu teuer geworden.“ Der Grund: Die Kryptowährung ist auf eine Obergrenze von 21 Millionen Stück programmiert, daher wird es immer schwieriger, neue Bitcoins zu produzieren. Das senkt die Geschwindigkeit der Überweisungen, und da Aufträge mit höheren Gebühren schneller bearbeitet werden, werden Überweisungen immer teurer.

„Wenn ich heute bis zu fünf Euro bezahlen muss, damit meine Überweisung zügig verarbeitet wird, lohnt sich das bei einer Kaffeebestellung gar nicht mehr“, erklärt Fiedler. Der Ökonom sieht dafür andere Einsatzmöglichkeiten: Will ein Gastarbeiter zum Beispiel seinen Lohn in die Heimat überweisen, kommen ihn Bitcoins deutlicher billiger als das teure Swift-Verfahren. Und auch bei größeren Anschaffungen fallen die Gebühren kaum ins Gewicht, etwa im Onlinehandel.

Schon heute bieten mehrere große US-Konzerne in ihrem Onlineshop eine Bitcoin-Zahlung an. Bei Dell bekommt man für die Digitalwährung Computer, bei Microsoft Programme und Spiele. Deutschland hinkt mal wieder hinterher. Die großen Internethändler – von Amazon über Otto bis hin zu Zalando – akzeptieren bislang keine Kryptowährungen. Dafür steigt die Zahl der kleineren Shops, die Bitcoins akzeptieren. Meist sind es Spezialhändler, darunter Shops wie Avocadostore für Ökowaren, Keycoon für 3D-Drucker-Zubehör oder 4electrics, ein E-Auto-Zulieferer. Aber warum drehen gerade die kleineren Fische am großen Bitcoin-Rad?

„Der Vorteil ist für uns ganz einfach“, erklärt Darius Karampoor vom Onlinehändler VGO-Shop.com. „Eine Zahlung per Bitcoin ist irreversibel.“ VGO steht für „Virtual Goods Online“, wurde 2013 gegründet und handelt mit digitalen Waren, vor allem Softwarelizenzen und In-Game-Währungen für Computerspiele. „Wir machen bei herkömmlichen Bezahloptionen immer wieder die Erfahrung, dass Käufer ihre Zahlung stornieren, die erhaltene Lizenz aber behalten“, erklärt Karampoor. Im Schnitt liege die Betrugsquote bei drei bis vier Prozent, wobei der Schaden bei Softwarelizenzen schnell in den dreistelligen Eurobereich gehe.

Online-Zahlungsdienstleister wie Paypal hätten die Situation eher verschlimmert: Storniere ein betrügerischer Käufer die Zahlung nach Erhalt der Softwarelizenz, fordere Paypal das Geld routinemäßig zurück. Der Onlinehändler bleibe häufig auf dem Schaden sitzen, gerade bei virtuellen Waren sei die Beweislage schwierig. „Paypal ist bei kleinen Shops fast immer auf der Seite der Kunden“, kritisiert Karampoor. Anders sieht es bei Bitcoin-Zahlungen aus. Da diese nicht rückgängig gemacht werden können, dreht sich das Risiko um. Ist das virtuelle Geld einmal überwiesen, ist es weg. Hier ist es also an den Kunden, nur vertrauenswürdige Shops auszuwählen – und kleinere, ausländische Shops nach Möglichkeit zu meiden.

Die meisten Onlinehändler wickeln die Zahlung nicht (wie Alexander Schön vom Alpenhof) per Hand am Rechner durch, sondern setzen auf einen Dienstleister. Platzhirsch ist die Firma Bitpay aus Atlanta in den USA. Diese wickelt die Zahlung ab und überweist dem Händler seinen Betrag direkt in Euro, Dollar oder einer anderen Währung. Das Hantieren mit Bitcoins entfällt. Den Service lässt sich Bitpay natürlich bezahlen: Die fixe Gebühr ist allerdings gering, liegt im Bereich von wenigen Cent bis zu 1,50 Euro. Bei Kreditkarten- und Paypal-Zahlung fallen dagegen Kosten von ein bis drei Prozent der Kaufsumme an. „Ein solcher Unterschied sind im Onlinehandel Welten“, bilanziert Karampoor.

Wie sieht also die Zukunft des Bezahlens in Deutschland aus? Ingo Fiedler von der Universität Hamburg hat seine eigene Theorie: „Bezahlen per Bitcoin lohnt sich vor allem bei größeren Summen“, also beim Online-Handel mit hochpreisigen Gütern, zum Beispiel Elektronikartikel, Lizenzen, Antiquitäten. Wenn aber auch in Zukunft niemand mit Bitcoins Bier bestellt, Brötchen holt, die Kinokarte bezahlt, – was bleibt dann übrig vom Traum eines alternativen Geldsystems?

Zwei Chancen sieht der Forscher, um die Kryptowährungen alltagstauglich zu machen. Möglichkeit eins: Es bleibt beim Bitcoin. „Nötig wäre eine Änderung des Programmcodes. Die Obergrenze muss aufgehoben werden. Leider hat sich genau darüber die Gemeinschaft zerstritten.“ Möglichkeit zwei klingt noch radikaler: Andere digitale Währungen setzen sich durch, deren Technologie ausgereifter ist. „Am Ende des Prozesses könnte der Bitcoin die heutige Stellung des Goldes einnehmen als eine seltene, teure Anlage zur Wertaufbewahrung.“ Alltägliche Bezahlvorgänge aber würden mit anderen Digitalwährungen abgewickelt, etwa mit den Alternativen Ethereum oder Iota, das ganz ohne Transaktionskosten auskommt. Diese seien schlicht massentauglich, glaubt Fiedler.

Sollten große Banken bei einer Kryptowährung einsteigen, könnte der Durchbruch als alltägliches Zahlungsmittel ganz schnell gelingen. Dass Deutschland hier eine Vorreiterrolle einnimmt, ist allerdings unwahrscheinlich. Zu sehr hängen die Bundesbürger an ihrem Bargeld. Die Massentauglichkeit dürfte eher in Asien bewiesen werden, wo die früheren Hackerwährungen schon heute bei den Normalbürgern angekommen sind. Als heißeste Kandidaten gelten zwei Länder: China und vor allem Japan.


Der Kampf um den Geldbeutel entscheidet sich in Asien

Es besteht kein Zweifel: Der globale Treiber des Bitcoin-Booms ist China. So ging die jüngste Hochphase der Krypto-Währung zu einem großen Teil auf die Nachfrage in der Volksrepublik zurück. Die Nachfrage ist dort in den vergangenen Jahren rasant gewachsen, obwohl Käufer vor wenigen Monaten einen Schock verkraften mussten.

Im Februar hatte die Zentralbank Razzien bei großen Bitcoin-Plattformen durchgeführt und damit den globalen Kurs auf Talfahrt geschickt. Wenig später wurde klar: Die chinesischen Notenbanker wollten das Geschäft mit der digitalen Währung zwar stärker prüfen, aber nicht stoppen. „Der Staat möchte die Kontrolle über Finanztransaktionen behalten“, sagte James Chang, der bei der Prüfungsgesellschaft PwC zu Finanzfragen arbeitet, kürzlich bei einer Konferenz in Hong Kong. Das heißt praktisch: Der Staat möchte wissen, wer wann wie viel Bitcoin kauft. Daher müssen sich Käufer heute mit ihrem Namen und ihrer Personalausweisnummer registrieren.

Anschließend kann gehandelt werden. Allerdings gibt es nur wenige Produkte, die chinesische Kunden mit Bitcoin kaufen können. Unter anderem die Anbieter von Internet-Tunneldiensten, sogenannten VPN, mit denen sich die chinesische Firewall umgehen lässt, akzeptieren die Kryptowährung als Zahlungsmittel.

Ähnlich zur Situation in Deutschland geht es vielen Bitcoin-Käufern in China gar nicht darum, die Digitalwährung als Zahlungsmittel zu nutzen. Viele sehen darin eher eine Möglichkeit zur Geldanlage. Der Grund: Privatanleger in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt stehen nicht viele Investitionsmöglichkeiten zur Verfügung. Meist bleiben ihnen nur das Sparbuch, eine Immobilie oder der für seine starken Schwankungen bekannte chinesische Aktienmarkt als Anlageziel. Selbst das Kaufen internationalen Aktien ist für die meisten Bürger nicht möglich.

Der Staat möchte so sicherstellen, dass der chinesische Finanzmarkt von externen Schocks geschützt ist und gleichzeitig möglichst viel Kapital innerhalb des Landes bleibt. Das macht es für chinesische Verbraucher zwar zunehmend interessant, Bitcoin als zusätzliche Anlagemöglichkeit zu nutzen. Als Zahlungsmittel-Alternative zur heimischen Währung, dem Renminbi, wird die Kryptowährung aber auch in Zukunft kaum genutzt werden. Dafür beobachten die Behörden der Volksrepublik den globalen Markt für Internetwährungen zu genau. Eine Dominanz von Bitcoin und Co. werden sie zu verhindern wissen.


Bitcoin-Boomland Japan

Anders sieht die Situation in Japan aus. Hier sind die Bitcoins schon länger im Alltag angekommen – und in den Schlagzeilen. In Japan entstand und kollabierte die einst größte Bitcoin-Börse der Welt, Mt. Gox. Die heimische Finanzaufsicht wurde dadurch früh gezwungen, sich Regeln für die neuen Währungen zu überlegen. Seit diesem Jahr kennt Japan den Bitcoin sogar als offizielles Zahlungsmittel an, auf einer Stufe mit anderen alternativen japanischen Währungen wie elektronischem Geld oder Einkaufs- und Geschenkgutscheinen.

Japan ist damit heute der heißeste Kandidat dafür, die Massentauglichkeit der Kryptowährungen unter Beweis zu stellen. Japans Regierung will mit der Regulierung der Währungen die Entwicklung neuer Geschäfte fördern. Bitcoin-Börsen müssen sich nun lizensieren lassen, was wiederum Banken, Unternehmen und Konsumenten ein größeres Gefühl der Sicherheit gibt. Das scheint zu wirken: Bis Ende des Jahres könnten Japaner und Touristen in bis zu 300.000 Geschäften mit Bitcoin zahlen, schätzt Midori Kanemitsu, Finanzchef der größten japanischen Bitcoin-Börse Bitflyer.

Um den Plänen der Bitcoin-Gemeinde mehr Schwung gegeben, haben die Händler sogar eine Fernsehwerbung geschaltet. Damit sind sie im Mainstream der Massenkultur angekommen. Hinter Bitflyer stehen keine Nerds, sondern die Rikikokapitalzweige großer japanischer Banken, Versicherer und anderer Konzerne wie etwa der Werberiese Dentsu.

Der frühe Einstieg in den Markt für Kryptowährungen zahlt sich für die alternde japanische Volkswirtschaft offenbar aus. Unter den Geschäften mit Bitcoin-Kasse sind beileibe nicht nur kleine Firmen. Als erste japanische Fluglinie will etwa der Billigflieger Peach Aviation zusammen mit der Börse Bitpoint seinen Kunden den Ticketkauf mithilfe der virtuellen Währung ermöglichen. Man wolle damit einen bequemeres Einkaufserlebnis verschaffen, teilt die Fluglinie dem Handelsblatt mit. Zwar sei es im Moment sehr schwierig, die tatsächliche Nutzung abzuschätzen, sagt Yilderim Fatih von Peach. „Aber falls Bitcoin sich in Japan ausdehnt, ist das Potenzial riesig.“ Das Unternehmen prüfe gerade, wie sie mit der Abrechnung der extrem volatilen Kryptowährung umgehe.

Einer der heimischen Erstanwender hat da schon eine Lösung: Bei Japans größtem Technikkaufhaus Bic Camera kann man bereits seit April in zwei Filialen mit Bitcoins an der Kasse bezahlen. Bic Camera arbeitet nicht mit US-Firma Bitpay, sondern mit Bitflyer aus Tokio zusammen. Das Prinzip ist das gleiche: Der Zahlungsabwickler zieht den Kunden das Geld vom Bitcoin-Konto ein, Kooperationspartner Bic Camera erhält den Betrag ganz klassisch in Yen ausgezahlt. Damit gebe es kein Wechselkursrisiko, erklärt Masato Takada, ein Pressesprecher der Kaufhauskette.

Das Angebot des Technikkaufhauses kommt bei den Kunden offenbar an: Die Zahl der Transaktionen will er zwar nicht verraten, aber die meisten Bitcoin-Nutzer seien Japaner, sagt der Sprecher. Durch die Werbung wüssten sie von dem Angebot, und der Nutzen sei für sie am größten: Da Bitcoins von Staat und Handel wie Bargeld behandelt werden, erhalten die Besitzer einer der beliebten Kundenkarten volle zehn Prozent Rabatt in Form von Bonuspunkten gutgeschrieben. Wer mit Kreditkarte zahlt, erhält zwei Prozentpunkte weniger.

Touristen hingegen wüssten oft noch nichts von der neuen Bezahlmöglichkeit. Ausgerechnet bei den Bitcoin-affinen Chinesen – immerhin die größte Gruppe der Reisenden – dürften es die Bitcoins schwer haben. Denn in Japans touristischen Zentren können Chinesen in vielen Geschäften bereits bargeldlos über das Internet bezahlen. Allerdings nicht per Kryptowährung, sondern über Alipay, den elektronischen Zahlungsdienstleister der größten chinesischen Onlineplattform Alibaba. Mit rund 400 Millionen Konten ist Alipay der neue Riese der Finanzwelt.

Japans Banken und Versicherer haben ein vitales Interesse daran, dass Alipay nicht auch auf der heimischen Insel zum Siegeszug ansetzt. Die Kryptowährungen kommen da wie gerufen, zum einen als Waffe im Kampf gegen die chinesische Konkurrenz, zum anderen aber auch als Brücke in die Zukunft der globalen Finanzwelt. Klar ist: Der Kampf um die digitale Zahlungshoheit ist entbrannt. Das Schlachtfeld ist nicht Deutschland, sondern Asien. Und wer sich am Ende durchsetzt – ob die Schwergewichte Visa und Mastercard, die Netzgiganten Alipay, Applepay und Paypal, oder doch die Kryptowährungen – ist völlig offen.

Die Serie

Banken zittern, Spekulanten jubeln: Aber was steckt wirklich hinter Bitcoin, Ethereum und Co.? In einer Serie behandeln wir die Welt der Digitalwährungen. Bisher erschienen:

Teil 1: Der Selbstversuch: Warum Bitcoins so verlockend sind.

Teil 2: Welche Währung, welche Börse? So klappt der Einstieg.

(Fortsetzung folgt.)

Quelle:  Handelsblatt Online
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