Zucker, Zink, Sojabohnen: Die neue Rohstoffhausse

Zucker, Zink, Sojabohnen: Die neue Rohstoffhausse

, aktualisiert 07. Juni 2016, 14:28 Uhr
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Der Agrarrohstoff hat in diesem Jahr seinen Wert um ein Drittel gesteigert.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Nach Jahren der Depression erholen sich die Rohstoffmärkte. Das liegt nicht nur am Öl, sondern auch an Agrarrohstoffen. Ist das Comeback der Auftakt eines Bullenmarktes oder nur ein kurzes Zwischenhoch?

Frankfurt am MainNoch bis Ende Januar schienen Rohstoffe die hoffnungsloseste aller Anlageklassen: Hochspekulativ und mit hohen Verlusten verbunden. Und es stimmte ja auch: Nicht nur die Ölpreise waren so niedrig wie seit zwölf Jahren nicht. Die schwächelnde chinesische Wirtschaft ließ auch die Industriemetalle einbrechen. Und auch bei den Agrarrohstoffen wie Sojabohnen, Kaffee oder Zucker schien ein jahrelanger Negativtrend nicht enden zu wollen.

Doch kommt jetzt die Kehrtwende? Seit einigen Wochen boomt der Rohstoffmarkt. Die Preise steigen. Und das lässt Rohstoffindizes in die Höhe schießen. Seit Jahresbeginn ist der Goldman Sachs Commodity Index um 21,5 Prozent gestiegen, der Dow Jones Rohstoffindex um 19 Prozent und der Bloomberg Rohstoffindex immer noch um 11,7 Prozent. Rohstoffe scheinen „endlich wieder in eine Erholungsphase“ einzutreten, schätzt der Citigroup-Analyst Edward Morse.

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Ein Grund für die Kehrtwende: Nach den Preisverfällen der vergangenen fünf Jahre wurden etliche Minen geschlossen, etwa von Kupfer und Zink. Die Investitionen der Rohstoffunternehmen sanken laut der Ratingagentur Standard & Poors allein im Jahr 2015 um zehn Prozent. Und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) rechnet mit weiter fallenden Investitionen bei einer stabilen Nachfrage. Der Trend zeige daher nach oben. „Mit den zahlreichen Drosselungen auf der Angebotsseite wird aktuell bereits wieder die Basis für die nächste Rohstoff-Hausse gelegt“, sagte Chefvolkswirt Uwe Burkert bei der Veröffentlichung des „Commodity Yearbook 2016“ des LBBW-Research.

Wie schnell das gehen kann, ist derzeit beim Öl zu erkennen, das seit seinem Jahrestiefpunkt von 27 auf über 50 Dollar einen regelrechten Preissprung hingelegt hat. Der Ölpreis ist in vielen großen Rohstoff-Indizes schwer gewichtet. So stehen die Sorten Brent und WTI im Bloomberg-Index für fast 18 Prozent. Doch die Hausse der Rohstoffe ist längst nicht nur eine Geschichte vom Öl.

Eine (Preis-)Erfolgsgeschichte feiern im Moment auch einige Agrarrohstoffe. Allen voran Sojabohnen, die sich seit Jahresbeginn um ein Drittel verteuert haben. Grund dafür sind Engpässe auf dem Weltmarkt. Das treibt mittlerweile sogar amerikanische Schweinezüchter in die Enge. Die konnten sich zwar bislang über gestiegene Exporte freuen – elf Prozent mehr als im Vorjahr. Doch die Schweine werden zu einem großen Teil mit Sojamehl gefüttert. Die Exportprofite werden von den hohen Sojapreisen quasi aufgefressen.


„Brutale“ Preisentwicklungen „technischer Natur“

Starken Auftrieb erfuhren zuletzt auch die Zuckerpreise. Der Grund liegt ähnlich wie bei den Sojabohnen im Verhältnis von Angebot zu Nachfrage. Zunächst hatte das Wetterphänomen El Niño zum Jahreswechsel 2015/16 in Asien für Dürren gesorgt. Nun kommen weitere Ernteausfälle durch Unwetter hinzu. So legen starke Regenfälle in Brasilien die Verarbeitung des Zuckerrohrs und die Beladung der Schiffe in den Exporthäfen lahm und könnten darüber hinaus den Zuckergehalt des Rohrs beeinträchtigen, erklären Commerzbank-Analysten.

Die Folge: Der Zuckerpreis stieg am Montag zeitweise auf 19,4 US-Cent je Pfund und erreichte damit seinen höchsten Stand seit Herbst 2013. Da die Nachfrage das Angebot in der Saison 2016/17 um fünf Millionen Tonnen übersteigt, zeigt auch hier der Preistrend nach oben.

Zudem rechnet die LBBW bei den Basismetallen wie Nickel und Zink mit Aufwärtspotenzial. Grund: Die Nachfrage ist größer als das Angebot. Ohnehin gilt Zink als einer der Rohstoffe mit den größten Kurssteigerungen 2016. Goldman Sachs betitelte das Metall als „bullische Ausnahme“ im Markt. Seit Jahresbeginn legte Zink, das verwendet wird, um Stahl rostfrei zu machen, um ein Viertel beim Preis zu.

Gleichwohl warnen die Marktexperten vor einer verfrühten Euphorie. Damit es wirklich zu einem nachhaltigen Anstieg kommen kann, müsse sich erst Chinas Wirtschaft müsse stabilisieren und die US-Industrie erholen, sagt Dominic Schnider, leitender Rohstoffstratege der UBS in Asien/Pazifik. „Ich glaube, dass Preise kurzfristig noch fallen können. Sie sollten im Sommer einen Boden erreichen“, erklärt Schnider.

Doch die Preise werden nicht nur von den reinen Fundamentaldaten gestützt. Das sei nicht zuletzt bei Zucker der Fall. Die neuen Hochs würden letztlich auch durch massive Fondskäufe erreicht. Die Preisentwicklungen seien „brutal“ und „technischer Natur“ gewesen, erklärt Nick Penney von Sucden Financial laut einem Bericht des Branchenmagazins Agrimoney. Er schätzt, dass der starke Anstieg übertrieben sein könnte und die Gefahr einer Blase wächst.

Auch Hedgefonds mischen kräftig am Rohstoffmarkt mit. Laut Evestment hätten Investoren ihnen allein im April eine Milliarde Dollar bereitgestellt. In den zurückliegenden elf Monaten seien es 6,4 Milliarden Dollar gewesen. Das, so schlussfolgert der Finanzdienstleister, sei allerdings ein Anzeichen positiver Stimmung bei den Rohstoffen als Anlageklasse.

Quelle:  Handelsblatt Online
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