Zweifelhafte Kurspflege: Lieber Dividenden als Aktienrückkäufe

KommentarZweifelhafte Kurspflege: Lieber Dividenden als Aktienrückkäufe

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Deutsche Unternehmen schrecken vor Aktienrückkäufen eher zurück.

von Hauke Reimer

Aktionäre wollen an den Gewinnen der Unternehmen angemessen beteiligt werden. Konzerne, die dafür eigene Aktien aufkaufen, manipulieren aber vor allem ihren Kurs nach oben. Anlegern hilft das selten.

Grundsätzlich mag ich es nicht, wenn Unternehmen ihre eigenen Aktien zurückkaufen. Rückkäufe sind ein Auswuchs der ungesunden Geldschwemme. Konzerne wissen nicht, wohin mit dem Geld, Investitionen fallen ihnen keine ein – kann passieren. Statt Geld mit Zukäufen zu verballern oder, wie die Banken, als Boni an Führungskräfte zu verteilen, soll es den Aktionären zugute kommen. Auch das ist in Ordnung. Aber warum überweisen die Konzerne den Aktionären das Geld nicht einfach zurück, ganz klassisch, als Dividende?

Stattdessen kaufen sie eigene Aktien und stampfen sie ein. Der auf jede Aktie entfallende anteilige Gewinn steigt (verdient das Unternehmen eine Million Euro und hat es zehn Millionen Aktien, beträgt der Gewinn je Aktie 10 Cent; bei acht Millionen Aktien sind es 12,5 Cent). Das macht sich gut. Vor allem aber treibt die Nachfrage den Kurs, bösartig formuliert: Der Vorstand manipuliert seinen Kurs nach oben. Besonders US-Manager lieben das – erst recht, wenn ihr Verdienst an den Kurs gekoppelt ist. Aus ihrer Sicht haben Aktienrückkäufe zudem den Vorteil, dass sie ohne Gesichtsverlust beendet werden können.

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Auswüchse beim Horten von Cash

Solange das Programm läuft, ist das für Aktionäre erfreulich. Oft geben Unternehmen an, zu welchem Kurs sie kaufen. Dass die Aktie unter diesen fällt, ist unwahrscheinlich. Kritisch wird es, wenn das Geld aufgebraucht ist und der manipulierte Kurs wieder absackt. Billiges Geld und der Drang zum Steuernsparen führen zu weiteren Auswüchsen. US-Konzerne leihen sich für ein Prozent Geld, obwohl sie selbst in Geld schwimmen. An ihr im Ausland gebunkertes Geld wollen sie nicht ran, denn wenn sie es in den USA einsetzen, müsste es versteuert werden. Also kaufen sie eigene Aktien mit geliehenem Geld zurück und treiben so den Kurs. Apple, die netto 153 Milliarden Dollar Cash auf der Bank haben, machen das so, seit Investor Carl Icahn dies verlangt.

Apple Großinvestor Icahn befeuert die Aktie

Apple-Aktionäre sind voller Hoffnung: Großinvestor Icahn hat öffentlich in einem Brief an Tim Cook erneute Aktienrückkäufe gefordert. Das könnte den Kurs treiben.

US-Investor Carl Icahn. Quelle: REUTERS

Deutsche Unternehmen schrecken vor diesem Spiel eher zurück. Nach einer aktuellen Studie des Vermögensverwalters Flossbach von Storch (FvS Research) haben sich zwar 66 der 80 Dax- und MDax-Konzerne Rückkäufe genehmigen lassen. Von der Möglichkeit machen sie aber kaum Gebrauch. Seit 2005 wurden 85 Prozent des von deutschen Unternehmen ausgeschütteten Kapitals (333 Milliarden Euro) als Dividende verteilt, nur 15 Prozent kamen indirekt, in Form von Aktienrückkäufen, bei Aktionären an. Das ist auch besser so, denn beim Timing ihrer Rückkäufe bewiesen Unternehmen wenig Geschick: Nur bei 24 Prozent der zurückgekauften Aktien stiegen nach Rückkäufen die Kurse, bei 76 Prozent fiel der Kurs. Warum das so ist? Wenn Konzerne viel Geld übrig haben, so wie jetzt, sind auch die Kurse oben, die Unternehmen kaufen also ihre Aktien zu teuer ein.

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Schaut man nicht auf das zurückgekaufte Volumen, sondern auf die Unternehmen, sind die Zahlen besser: Bei 15 von 35 Unternehmen stiegen die Kurse nach dem Rückkauf. Erfolgreich waren die Familienunternehmen Gerry Weber und Krones, die zum Börsentief 2009 Rückkaufprogramme starteten. Falls die wieder loslegen, können Anleger mitziehen. Vorsicht ist angesagt, wenn Unternehmen auf dem Kurs-Top zurückkaufen – und bei Großkonzernen: Daimler kaufte 2007/08 massiv Aktien zurück. In der Finanzkrise fehlte das Kapital dann. Daimler musste neue Aktien ausgeben, und das zu viel niedrigeren Kursen.

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