Börsencrash und Überlebende: Neuer Markt: 10 Jahre nach dem Aktienrausch

Börsencrash und Überlebende: Neuer Markt: 10 Jahre nach dem Aktienrausch

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Verona Feldbusch (heute Pooth) beim Börsengang von Telegate im April 1999

von Dieter Schnaas

Vor zehn Jahren, am 10. März 2000, erreichte der Neue Markt sein Allzeithoch. Dann kam der Absturz. über das Ende einer Ära und geplatzte Anlegerträume, über Gründer, die weitermachen – und über respektable Unternehmen, die dem Börsencrash getrotzt haben.

Wenn man es genau nimmt, hätte sich Ulrich Dietz diesen Termin am vergangenen Montag sparen können. Diesen und all die anderen in den vergangenen zehn Jahren. Sein Leben könnte ein einziger langer Sonntag sein, auf den Seychellen, in der Schweiz, in Sydney oder in Singapur; er könnte sich der „Entdeckung der Langsamkeit“ widmen, wie sein liebster Romanheld, das „Leben eines Taugenichts“ führen, das „Tagebuch einer Schnecke“ verfassen, er könnte am Strand, im Sand, in der Sonne liegen, die Seele baumeln lassen und all die anderen Bücher lesen, die er schon immer einmal lesen wollte.

Stattdessen sitzt Ulrich Dietz an diesem Montagmorgen im Konferenzraum eines Stuttgarter Hotels, die versammelte Wirtschaftspresse vor sich, spricht vom „dynamischen Endspurt“, den sein Unternehmen 2009 hingelegt habe und natürlich von „zukunftsweisenden Lösungen“, die eine „exzellente Basis für nachhaltiges Wachstum“ versprechen. Nach Langsamkeit klingt das nicht. Eher nach Unrast, gestern, heute, morgen. Eine Stunde zieht Dietz Bilanz, dann muss er los und weiter, schnell, schnell zum Hauptbahnhof, zum ICE, zur CeBIT nach Hannover.

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Der Traum vom Reichtum

Zwei Milliarden haben sie ihm geboten, damals, vor zehn Jahren. Zwei Milliarden für seine kleine Software-Schmiede, für GFT Technologies aus St. Georgen im Schwarzwald. Ulrich Dietz und seine Frau halten 53,5 Prozent der Aktien, ein Leben im Überfluss winkt, ein pralles Leben von Zins und Zinseszins. Die Börseneuphorie zieht das Land in ihren Bann, die ganze Republik träumt den Traum vom leistungslosen Reichtum, jede Aktienstory am „Neuen Markt“ wird so begierig gelesen wie in den Sechzigerjahren ein Heftroman von Perry Rhodan.

Es gibt in diesen Monaten der Geldekstase und Hochstimmungsgier Arbeiter, die sich vom Fußball-Toto aufs Zeichnen indischer Internet-Aktien verlegen, Hausfrauen, die durch die Teletext-Seiten von n-tv blättern, und Beamte, die beim Blick aufs Börsenband ins Schwitzen geraten.

Totaler Ausnahmezustand

Die berauschten Medien beschreien den „Urknall in der deutschen Börsenlandschaft“. Ein Staatsunternehmen wie die Deutsche Telekom lässt 300 Millionen Euro für die Bewerbung seiner „Volksaktie“ springen. Startups, die Partikel wie „tech“ oder „com“ in ihrem Namen tragen, sammeln ohne Ansehen der Geschäftsidee Millionen ein. Jeder mäßig begabte Gymnasiast weiß, was Konsortialführer, Bookbuilding-Spannen und Schulter-Kopf-Schulter-Formationen sind.

Es sei ein „abnormaler Börsenboom damals“ gewesen, sagt GFT-Chef Dietz, ein „totaler Ausnahmezustand“ und daher alles in allem eine Charakterfrage – auch für sein Unternehmen.

Wie Dietz es durch den Boom und den Crash brachte… Warum andere Unternehmen am Neuen Markt den schnellen Börsentod starben… Welche Substanzwerte damals entstanden sind… Warum Pfeiffer Vacuum ein vorbildliches Unternehmen ist… Welche neuen Projekte junggebliebene Gründer wie Ex-Pixelpark-Chef Paulus Neef und Alexander Olek (Epigenomics, Phorms) heute anschieben… Wie es sich anfühlt, ein fünffacher Buchwert-Millionär und ein Jahr später bankrott zu sein… - das alles lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 10/2010 der Wirtschaftswoche - ab Montag am Kiosk.

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