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Börsengänge: Neue Aktien nur für die Gier

Die Börsengänge von Brenntag und Kabel Deutschland sollen Milliarden einspielen. Die Firmen sind hoch verschuldet, doch das Gros des Geldes geht an die Eigner. Falls der Gier-Plan aufgeht.

Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen
Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen

Noch vor Ostern soll der Chemie-Transporteur Brenntag an die Frankfurter Börse — um dort eine halbe Milliarde Euro für die Firmenkasse einzusammeln und wohl mindestens noch einmal so viel für Besitzer BC Partners. Dabei lasten auf Brenntag 1,8 Milliarden Euro Nettoschulden, das 3,8-Fache des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) 2009. Die Private-Equity-Gesellschaft hatte das Unternehmen 2006 für mehr als drei Milliarden Euro gekauft und die Schulden stark erhöht.

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In den kommenden Wochen will auch Kabel Deutschland an die Börse. Der Anbieter von Fernseh-, Telefon- und Internet-Anschlüssen gehört seit 2006 dem US-Investor Providence, der dafür ebenfalls gut drei Milliarden Euro zahlte und dem Unternehmen Schulden von aktuell drei Milliarden Euro aufbürdete. Die Nettoschulden entsprechen dem 4,6-Fachen des Ebitda, falls das im März endende vierte Quartal ähnlich läuft wie die neun Monate zuvor.

Die Schuldenlast ist erdrückend. Trotzdem hat Eigner Providence angekündigt, das gesamte Geld aus dem geplanten Börsengang selbst einzustecken. Nichts bleibt für den Schuldenabbau. Die branchentypische Gier ist vermutlich nicht der einzige Grund.

Pik-Scheine fressen auf Dauer Eigenkapital

Der zweite Grund ist zugleich der erfreulichste Aspekt der Schuldenorgie, jedenfalls für den Private-Equity-Besitzer: Für ein Fünftel der Kabel-Deutschland-Schulden hat die Beteiligungsgesellschaft noch nie Zinsen gezahlt.

Der Trick heißt Pik oder „payment in kind“, auf Deutsch: „zahlbar in gleicher Art“. Das funktioniert so: Nehmen wir an, Sie kaufen eine Eigentumswohnung für 100 000 Euro. Statt bei der Bank einen Kredit mit zehn Jahren Laufzeit aufzunehmen und jährlich Zinsen in Euro zu zahlen, verkaufen sie Pik-Scheine an mehrere Hedgefonds und versprechen, das Geld in zehn Jahren zurückzuzahlen. Statt Zinsen bekommen ihre Geldgeber jährlich weitere Pik-Scheine. In zehn Jahren wachsen ihre Schulden so auf 235 800 Euro.

Aus 400 Millionen Euro, die Kabel Deutschland per Pik-Schein geliehen hat, sind bis Ende 2009 schon 696 Millionen Euro geworden.

Das Problem: Falls Kabel Deutschland mit einer Kapitalerhöhung beim Börsengang frisches Geld ins Unternehmen holt, müsste es die Pik-Schulden rasch zurückzahlen. Das ist nicht nötig, wenn das ganze Geld an die Alteigentümer fließt. „Allerdings fressen Pik-Schulden mit der Zeit das Eigenkapital“, warnt Analyst Stephan Haber von UniCredit.

Es entsteht der Eindruck: Providence spielt Pik, um Aktienkäufer aufs Kreuz zu legen. Denn hohe Schulden sind gefährlich, gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 06.03.2010, 10:11 UhrAnonymer Benutzer: Hans Regnis

    bevor man die KDG-Aktie zeichnet, sollte man sich nochmals an die Premiere-Aktie erinnern. Zu welchem Kurs wurde diese Aktie an die börse gebracht? Wie steht dieses Unternehmen heute da?
    An der Emission verdienen nur die Emissionsbanken und die Alteigentümer.
    Meinen Kabelanschluß zu KDG werde ich kündigen.

  • 03.03.2010, 14:30 UhrAnonymer Benutzer: IPO Verweigerer

    Man sollte NiEMALS bei einem iPO kaufen ! Und schon gar nicht, wenn der Sinn des iPO das Abzahlen von Schulden ist. Statt aus operativem Geschäft Cash Flow zu generieren und Gewinn zu erzielen, ermöglicht der angehende Aktionär bei den gannten Unternehmen mit seinem Geld lediglich das kurzfristige Überleben der Firma, die aus eigenen Mitteln nicht einmal (soviel) Gewinn erwirtschaftet, da die Schulden überschaubar sind und ein operativer Cash Flow existiert. Also Augen auf und Finger weg !

  • 03.03.2010, 11:25 UhrAnonymer Benutzer: H.Nielebock

    Für potentielle iPO-Anleger ein unbezahlbarer Rat. Danke

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