Börsenhandel: Börse im Bann der Maschinen - Seite 6

Börsenhandel: Börse im Bann der Maschinen

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SEC-Chefin Schapiro. die Lobby Quelle: REUTERS
SEC-Chefin Schapiro. die Lobby der Computerhändler bremst die Arbeit der US-Börsenaufsicht SEC aus Quelle: REUTERS

Längst ist in den USA ein Lobbykampf um die Regulierung des Computerhandels entbrannt. Der Hochfrequenzhändler Getco hat Ex-SEC-Chef Arthur Levitt angeheuert. Levitt hatte zu seinen Amtszeiten das Monopol der etablierten Börsen durchbrochen und Market Makern mehr Spielraum bei der Kursfeststellung eingeräumt. Beides half Computerhändlern. Im Juni warb Getco noch Elizabeth King von der SEC ab. Sie war als stellvertretende Direktorin an den Ermittlungen zum Flash Crash beteiligt. „Die Hochfrequenzhändler waren bislang sehr erfolgreich damit, wirkliche Ermittlung zu den Vorgängen auszubremsen“, sagt Ted Kaufmann, US-Senator für Delaware.

"Flash-Handel sorgt nur für Verwirrung"

Trotz heftigen Widerstands der Branche will SEC-Chefin Mary Schapiro die im Juni eingeführten Notbremsen noch ausweiten. Außerdem dürften Order mit extrem kurzer Gültigkeit (Flash Order) eingeschränkt werden. Bislang stornieren US-Hochfrequenzhändler 90 Prozent ihrer Order direkt wieder. Eine Mindest-Gültigkeitsdauer könnte dieser Praxis einen Riegel vorschieben. Hautsch von der Humboldt-Universität sieht darin einen wichtigen Schritt: „Der Flash-Handel sorgt nur für größere Verwirrung, da für ganz kurze Zeit gesetzte Limitorder keine echten Handelsangebote reflektieren.“

Die Computerhändler entwickeln ihre Strategien derweil weiter. Erste Systeme können automatisch Nachrichten verarbeiten, die Aktienkurse beeinflussen. Wer es schafft, die neuesten US-Arbeitslosenzahlen direkt in die passende Order umzusetzen, gewinnt. Das ist keine Utopie: Die Deutsche Börse bietet einen Nachrichtendienst zu den wichtigsten Konjunkturdaten an, die direkt in die Handelsprogramme fließen.

Hedgefonds und Banken, die „AlphaFlash, den ultraschnellen Algo-News-Feed der Deutschen Börse“ abonnieren, verspricht die Börse sogar die „unmittelbare Lieferung von Nachrichten, die mit einer Sperrfrist belegt sind“, die also erst nach Fristablauf veröffentlicht werden.

Einmal mehr gilt: An der Börse sind alle gleich. Wer seine Rechner in die Börse stellt und bestimmte Dienste abonniert, ist nur ein bisschen gleicher.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.10.2010, 12:00 UhrAnonymer Benutzer: JD

    Huch, da hab ich einen Satz versehentlich gelöscht...

    Wenn Unmengen Aktien nahezu zeitgleich abgestossen werden, sinkt der Preis.

  • 22.10.2010, 11:51 UhrAnonymer Benutzer: JD

    Vielleicht ist für Unerträglich Sozialismus das bessere Modell. Da sind schliesslich alle gleich, niemand kann sich bereichern, ausser denen, die gleicher sind.
    Was an den börsen passiert,ist Marktwirtschaft. Man versucht,eine Ware möglichst günstig zu kaufen/herzustellen und mit möglichst viel Gewinn zu verkaufen.
    Schon seit es Handel gibt, ist das so. Ein Händler liess sich dort nieder, wo er Gewinn erwartet. Der eine will Vermögen anhäufen, ein anderer will "nur" sein Auskommen.Die börsen sind im Prinzip nichts anderes.

    Offensichtlich geht hier manchem das Verständnis für die Funktionsweise einer Marktwirtschaft ab.
    Aktien wurden von einem Unternehmen emittiert und es erhielt Geld für jedes Stück.insofern fliesst sehr wohl Geld in die Wirtschaft.
    Das Flash-Trading an sich bringt dem emittierenden Unternehmen freilich nichts, aber -wie gesagt- sorgt es für Liquidität am Markt. Was nicht vorhanden ist, kann nicht gehandelt werden.

    Hier wird auch etwas wichtiges vergessen:
    Jeder Gewinn fliesst wieder zurück. Durch Neuinvestitionen, durch Kauf von Konsumgütern oder dass Unternehmen gewonnenes Geld in ins Unternehmen und die Mitarbeiter investieren.

    Warum sollte man solchen Handel verbieten? Die Computer tun nur, was ein Mensch ihm befiehlt.
    Wenn Unmengen Aktien nahezu zeitgleich abgestossen werden. Auf dem basar um die Ecke verhält es sich nicht anders. Ein Überangebot verursacht sinkende Preise.

    Ob Kommentator Wolfgang über ebay einkauft, weil dort viele Dinge günstiger sind? Sollte man dann auch verbieten. Schliesslich schadet er damit anderen, die die gleichen Waren teurer verkaufen. So ist das in der Marktwirtschaft und Computersysteme vereinfachen viele Sachen, sind aber nur die Handlanger.
    Notbremsen sind zweifelsfrei nötig, aber jedes von Menschen geschaffene System kann ausgetrickst werden. Daran wird sich nie etwas ändern, da ist der Mensch und die mangelnde Kontrolle das Problem, besser gesagt der Verursacher.

  • 24.09.2010, 18:54 UhrAnonymer Benutzer: @ unertraeglich

    Also erst mal moechte ich mich dafuer bedanken, hier von ihnen als "Kreatur" abgestempelt zu werden...zeugt natuerlich von ihrer Professionalitaet.... Weiterhin habe ich nie behauptet das mehr Liquiditaet in die Unternehmen getragen wird, sondern in den Markt. So wie es aussieht haben sie nicht wirklich verstanden wie ein Finanzmarkt funktioniert...Mehr liquiditaet am Markt bedeutet eine gesteigerte Effizienz von Finanztransaktionen, da sich fuer einen Order effizienter eine Gegenpartei findet. Ein Call ohne einen entsprechenden Put bedeutet das kein Deal stattfindet, (wie es anch der Lehman pleite an der boerse der Fall war - keine Liquiditaet)....die Algo trader erhoehen die Effizienz des Marktes und machen es in diesem Sinne Unternehmen auch einfacher ihre investitionen durch entsprechende Derivate abzusichern. Daraus ergibt sich ein geringeres Risiko und wie in meinem ersten beitrag geschrieben einen Vorteil am Ende auch fuer den Verbraucher.
    Man sollte sich vielleicht erst einmal ueber die Dinge informieren bevor man mit Halbwissen alles verurteilt was man nicht richtig versteht...

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