_

Börsenhandel: Börse im Bann der Maschinen

von Niklas Hoyer Günter Heismann

Computer haben an den Börsen die Macht übernommen. Wie Handels-programme die Märkte manipulieren, welche Gefahren Anlegern drohen – und warum Profis ihre Rechner so nah wie möglich an der Börse aufbauen.

Ein Händler an der Börse in Quelle: dapd
Ein Händler an der Börse in New York sieht auf seinen Bildschirm. Computer haben die Macht an der Börse übernommen Quelle: dapd

New York, 6. Mai 2010. Um 14.43 Uhr Ortszeit stürzen an der Börse die Kurse von mehreren Hundert Aktien ab. Der Leitindex Dow Jones verliert binnen Minuten knapp 1000 Punkte. 862 Milliarden Dollar Börsenwert lösen sich in Luft auf. Um 15 Uhr ist der Spuk vorbei, der Dow Jones beendet den Tag nur drei Prozent im Minus.

Anzeige

New York, 29. Juni 2010, 13 Uhr. Der Kurs der Citigroup-Aktie verliert nach Panikverkäufen 17 Prozent. Ein einzelner Verkäufer soll mit einer besonders großen Börsenorder, die er später storniert hat, eine Kettenreaktion ausgelöst haben. Der Handel mit Citigroup wird fünf Minuten lang ausgesetzt.

London, 24. August 2010. Gegen 14 Uhr rasen die Kurse einiger Aktien überraschend in die Tiefe. Allein British Telecom sacken um neun Prozent ab. Die Aufsicht wittert Unregelmäßigkeiten, der Handel mit fünf Aktien wird zeitweise ausgesetzt. Nach Wiederaufnahme pendeln sich die Kurse wieder ein.

Ultraschnelles Monopoly

Weltweit spielten die Kurse in den vergangenen Monaten immer wieder verrückt. Zuletzt traf es die Warenterminbörse CME in Chicago, am vergangenen Montag. Die Börsenbetreiber wollten Computersysteme testen und leiteten Order versehentlich in die Handelssysteme. Innerhalb von sechs Minuten wurden Öl-Kontrakte fast 30 Prozent teurer.

Derzeit werten die Ermittler der US-Börsenaufsicht SEC die Börsendaten vom 6. Mai aus, der bisher größten Computer-katastrophe – 10 000 Gigabyte Material, mehr als 2000 DVDs. Die Ergebnisse wollen sie noch im September veröffentlichen. Doch schon jetzt macht eine aktuelle Studie des US-Datendienstleisters Nanex die Vorgänge vom 6. Mai transparent. Auch die SEC-Ermittler arbeiten mit Nanex zusammen, ihre Ergebnisse dürften deshalb weitgehend denen der Nanex-Studie entsprechen.

Klar ist schon jetzt, dass von der Öffentlichkeit kaum beachtete Marktteilnehmer den Absturz mit verursacht und verstärkt haben: Computer.

Vollautomatische Computerprogramme machen heute den Handel an den weltweiten Börsen weitgehend unter sich aus. Computer handeln an elektronischen Computerbörsen mit anderen Computern: In den USA werden bereits 73 Prozent aller Aktienumsätze von Maschinen initiiert, an der Deutschen Börse bringt der automatisierte Handel 40 bis 50 Prozent der Börsenumsätze.

In Millisekunden kaufen und verkaufen die Computer Tausende Aktien. Ein- Wimpernschlag? Zeit genug für 100 Order. „High Frequency Trading“ (HFT) heißt das ultraschnelle Monopoly. Computer versuchen etwa, kleinste Kursunterschiede zwischen verschiedenen Börsenplätzen auszunutzen. Milliardensummen werden durch Systeme hin und her gejagt, in der Hoffnung, risikolos Gewinne einzufahren, die sich in der Masse zu respektablen Profiten addieren. Die Handelsstrategien, die ihre Programmierer entwickeln, werden immer raffinierter. Mit ihren Hochleistungsrechnern und mathematischen Modellen versuchen die Computerhändler aber auch, Kurstrends vorherzusehen und diese dank Zeitvorsprung in Gewinne umzumünzen.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.10.2010, 12:00 UhrAnonymer Benutzer: JD

    Huch, da hab ich einen Satz versehentlich gelöscht...

    Wenn Unmengen Aktien nahezu zeitgleich abgestossen werden, sinkt der Preis.

  • 22.10.2010, 11:51 UhrAnonymer Benutzer: JD

    Vielleicht ist für Unerträglich Sozialismus das bessere Modell. Da sind schliesslich alle gleich, niemand kann sich bereichern, ausser denen, die gleicher sind.
    Was an den börsen passiert,ist Marktwirtschaft. Man versucht,eine Ware möglichst günstig zu kaufen/herzustellen und mit möglichst viel Gewinn zu verkaufen.
    Schon seit es Handel gibt, ist das so. Ein Händler liess sich dort nieder, wo er Gewinn erwartet. Der eine will Vermögen anhäufen, ein anderer will "nur" sein Auskommen.Die börsen sind im Prinzip nichts anderes.

    Offensichtlich geht hier manchem das Verständnis für die Funktionsweise einer Marktwirtschaft ab.
    Aktien wurden von einem Unternehmen emittiert und es erhielt Geld für jedes Stück.insofern fliesst sehr wohl Geld in die Wirtschaft.
    Das Flash-Trading an sich bringt dem emittierenden Unternehmen freilich nichts, aber -wie gesagt- sorgt es für Liquidität am Markt. Was nicht vorhanden ist, kann nicht gehandelt werden.

    Hier wird auch etwas wichtiges vergessen:
    Jeder Gewinn fliesst wieder zurück. Durch Neuinvestitionen, durch Kauf von Konsumgütern oder dass Unternehmen gewonnenes Geld in ins Unternehmen und die Mitarbeiter investieren.

    Warum sollte man solchen Handel verbieten? Die Computer tun nur, was ein Mensch ihm befiehlt.
    Wenn Unmengen Aktien nahezu zeitgleich abgestossen werden. Auf dem basar um die Ecke verhält es sich nicht anders. Ein Überangebot verursacht sinkende Preise.

    Ob Kommentator Wolfgang über ebay einkauft, weil dort viele Dinge günstiger sind? Sollte man dann auch verbieten. Schliesslich schadet er damit anderen, die die gleichen Waren teurer verkaufen. So ist das in der Marktwirtschaft und Computersysteme vereinfachen viele Sachen, sind aber nur die Handlanger.
    Notbremsen sind zweifelsfrei nötig, aber jedes von Menschen geschaffene System kann ausgetrickst werden. Daran wird sich nie etwas ändern, da ist der Mensch und die mangelnde Kontrolle das Problem, besser gesagt der Verursacher.

  • 24.09.2010, 18:54 UhrAnonymer Benutzer: @ unertraeglich

    Also erst mal moechte ich mich dafuer bedanken, hier von ihnen als "Kreatur" abgestempelt zu werden...zeugt natuerlich von ihrer Professionalitaet.... Weiterhin habe ich nie behauptet das mehr Liquiditaet in die Unternehmen getragen wird, sondern in den Markt. So wie es aussieht haben sie nicht wirklich verstanden wie ein Finanzmarkt funktioniert...Mehr liquiditaet am Markt bedeutet eine gesteigerte Effizienz von Finanztransaktionen, da sich fuer einen Order effizienter eine Gegenpartei findet. Ein Call ohne einen entsprechenden Put bedeutet das kein Deal stattfindet, (wie es anch der Lehman pleite an der boerse der Fall war - keine Liquiditaet)....die Algo trader erhoehen die Effizienz des Marktes und machen es in diesem Sinne Unternehmen auch einfacher ihre investitionen durch entsprechende Derivate abzusichern. Daraus ergibt sich ein geringeres Risiko und wie in meinem ersten beitrag geschrieben einen Vorteil am Ende auch fuer den Verbraucher.
    Man sollte sich vielleicht erst einmal ueber die Dinge informieren bevor man mit Halbwissen alles verurteilt was man nicht richtig versteht...

Alle Kommentare lesen

Blogs

Kurze Erholung läuft
Kurze Erholung läuft

Bei 6200 gelingt dem Dax eine Stabilisierung. Sie kann die Notierungen bis in den Juni hinein steigen lassen. ...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.