Börsenhandel: US-Aufsicht löst das Crash-Rätsel

Börsenhandel: US-Aufsicht löst das Crash-Rätsel

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Ein Händler an der New Yorker Börse am 6. Mai 2010: Der US-Börsenindex Dow Jones Industrial hatte zweitweise 1000 Punkte verloren und beendet den Handelstag mit einem Minus von 350 Punkten

von Niklas Hoyer

Die US-Börsenaufsicht SEC hat das Rätsel um den Crash vom 6. Mai gelöst. Hinter dem Kursrutsch steckt ein einziger Händler - und eine Bastion von Computern.

Der Bericht der US-Börsenaufsicht SEC zum sogenannten Flash-Crash, einem plötzlichen Kursrutsch auf breiter Front am 6. Mai, war mit Spannung erwartet worden. Was hatte den Börsenindex Dow Jones innerhalb von wenigen Minuten um neun Prozent gedrückt? Wie konnten Aktien wie die des Beratungsunternehmens Accenture zu nur einem Cent gehandelt werden? Eine erste Analyse des US-Datendienstleisters Nanex hatte bereits Einblicke in das komplexe Geschehen am 6. Mai gegeben und den Dominoeffekt beschrieben (siehe dazu "Börse im Bann der Maschinen"). Was genau der erste Auslöser war, blieb jedoch unklar.

Nun hat die SEC ihren Bericht veröffentlicht. Demnach steckt hinter dem mysteriösen Börsencrash ein eigentlich alltägliches Börsengeschäft, bei dem sich ein Investor gegen Marktrisiken absichern wollte. Dem Vernehmen nach soll es sich dabei um die Vermögensverwaltung Waddell & Reed aus dem US-Bundesstaat Kansas handeln. Die SEC selbst veröffentlichte den Namen nicht. Der Investor verkaufte für insgesamt 4,1 Milliarden Dollar ein Derivat auf den Börsenindex S&P 500 (E-Mini Future). Dieser Deal war ungewöhnlich groß, außerdem verkaufte der Investor die Derivate über ein automatisches Handelsprogramm. Während solch ein Verkauf normalerweise einige Stunden braucht, um die Kurse nicht zu stark zu beeinflussen, verkaufte das Programm insgesamt 75.000 der Derivate in etwa 20 Minuten.

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Keine echte Liquidität

Anfangs kauften andere Anleger, aber vor allem auch Computerhändler die E-Mini-Zertifikate. Diese wollten die Risiken dann aber selbst weiterreichen und verkauften die Zertifikate wieder. Das Handelsvolumen stieg stark an, so dass das Handelsprogramm des anfänglichen Verkäufers, wohl Waddell & Reed, davon ausging, besonders viele Derivate auf einmal verkaufen zu können. Tatsächlich war die Liquidität der Handelsprogramme aber kaum hilfreich, da diese die Derivate nicht längerfristig halten wollten.

So stand dem enormen Verkaufsdruck kaum echte Kaufbereitschaft gegenüber. Im Bericht der SEC heißt es dazu: "In Zeiten besonders hoher Kursschwankungen ist ein hohes Handelsvolumen nicht unbedingt ein zuverlässiger Liquiditätsindikator." Das Zusammenspiel zwischen automatischen Handelsprogrammen und Computer-Handelsstrategien könne Liquidität schnell verschwinden lassen und zu instabilen Börsen führen.

Kaum Lösungsansätze

Die SEC will sich künftig auch verstärkt mit möglichen Problemen in der Datenerfassung und -übermittlung an der Börse befassen. Die Nanex-Studie hatte ausführlich auf Datenstau-Probleme am 6. Mai hingewiesen, bei denen Kursdaten verzögert übermittelt worden waren und so die Abwärtsspirale noch weiter anheizten. Manipulateure könnten solche Börsenschwachstellen gezielt ausnutzen. Die SEC sieht in Datenstaus aber nicht die Ursache des Flash-Crashs, ohne die fehlende Liquidität hätten diese allein nicht zum Flash-Crash geführt.

Konkrete Lösungsansätze benannte die SEC-Studie nicht. Bereits eingeführte Handelsstopps bei ungewöhnlichen starken Kursschwankungen auch für einzelne Aktien werden dort positiv hervorgehoben. Inwiefern automatische Handelsprogramme, die heute schon einen Großteil des Börsenhandels ausmachen, künftig stärker reguliert werden sollen, ist noch offen.

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