Börsenkommentar: Bundrenditen unter Druck

KommentarBörsenkommentar: Bundrenditen unter Druck

von Christof Schürmann

Euro-Rettungsbonds sind der Renner. Das birgt Zinsgefahren für Bundespapiere.

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Der WirtschaftsWoche-Redakteur Christof Schürmann kommentiert die aktuelle Börsenentwicklung

Dass die Schwemme an Staatsanleihen möglicherweise die Kreditfinanzierung von Unternehmen am Kapitalmarkt erschweren könnte, machte zuletzt häufig schlagzeilenträchtig die Runde. Dabei ist dieser Verdacht eine Mär. Europäische Industrieschuldner sitzen auf 900 Milliarden Euro Cash und sind bis ins Jahr 2013 hinein meist durchfinanziert. Deshalb kamen im Januar frische Unternehmensanleihen für nur knapp sechs Milliarden Euro an den Bondmarkt.

Konkurrenz machen sich höchstens die Staatsschuldner selbst. So rissen sich Großinvestoren um die erste Anleihe der Europäischen Finanzstabilitätsfazilität (EFSF). Das fünf Milliarden Euro schwere Papier dient der Rettung von Irland. Hinter ihm stehen als Garanten die 16 Euro-Länder, aber de facto nur die wenigen Staaten, die noch als mehr oder weniger solide gelten - an erster Stelle Deutschland. Der hübsche neue Bond hat deshalb dasselbe Spitzenrating wie der Bund. Er bringt aber über 5,5 Jahre 0,3 Prozentpunkte jährliche Rendite mehr als eine vergleichbare Bundesanleihe.

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Risikoprämie steigt

Was kauft also der geneigte Investor? Na klar, das besser verzinste Spitzenpapier. Bis ins kommende Jahr hinein sollen EFSF-Bonds über insgesamt 26,5 Milliarden Euro an den Markt kommen. Zum Vergleich: Dieses Jahr wird das Emissionsvolumen aller Euro-Länder auf 1607 Milliarden Euro taxiert, Deutschland dürfte rund 292 Milliarden davon an den Markt bringen. Da machen die paar EFSF-Milliarden den Braten nicht fett.

Aber nur, wenn es dabei bleiben sollte. Daran glauben aber nur ganz Naive. Und die sind derzeit an den Märkten in der Unterzahl. Jeder weiß, dass mit dem EFSF-Bond der Einstieg in die Transferunion, in der stärkere Euro-Staaten die Schwächeren subventionieren, perfekt ist. Die Last trägt vor allem Deutschland: Weil Investoren glauben, dass auch Deutschland irgendwann überfordert sein könnte, fordern sie vom Bund höhere Renditen. Zehnjährige Bundespapiere rentieren nun mit 3,2 Prozent, 1,1 Prozentpunkte über dem Tief 2010. Weiteres Indiz: Die Versicherungsprämien gegen einen Ausfall des Bundes als Schuldner sind auf Allzeithoch. Es ist nun 20 Prozent teurer, sich gegen einen Kollaps Deutschlands zu wappnen als gegen einen Zusammenbruch der USA. Zur Erinnerung: ein Land, das auf allen Ebenen schlechtere Schulden- und Wirtschaftsdaten als die Bundesrepublik hat; ein Land, in dem gerade Bundesstaaten und Kommunen im Dutzend am Abgrund stehen.

Der Beginn des Euro-Länderfinanzausgleichs dürfte die Bundrenditen unter Druck setzen. Ein Prozentpunkt höhere Zinsen bedeuten 17 Milliarden Euro mehr an jährlichen Zinszahlungen für die Schulden des Staates. Jede Milliarde mehr an Zinslast engt steuer- und sozialpolitische Spielräume ein und bremst die Erholung der Binnenkonjunktur. Auch dafür wiederum fordern Investoren einen Risikoausgleich – über (noch) höhere Zinszuschläge.

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