Börsenkommentar: Dasselbe Spiel, die nächste Runde

Börsenkommentar: Dasselbe Spiel, die nächste Runde

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Spritzen des Glasherstellers Gerresheimer

Dreister geht’s nimmer: Heuschrecken wollen Banken Kredite abkaufen, die sie zuvor für Übernahmen bei ihnen aufgenommen haben. Und alle Welt findet das ganz normal.

So sieht es aus, das Perpetuum mobile der Finanzwelt: Kaufe ein Unternehmen auf Pump, lade ihm Schulden auf, bis es kracht und bis alle Welt erwartet, dass es die Kredite nicht zurückzahlen kann. Wenn die Bank Angst um ihren Kredit bekommt, kaufe ihn ihr ab, natürlich nicht zu 100, sondern zu 70 Prozent. Geht nicht? Keine Bank wäre so dämlich, dieses Spiel zu spielen? Von wegen.

Die Finanzkrise macht’s möglich: Private-Equity-Investoren wie Blackstone und KKR wollen Banken Kredite abkaufen, heißt es an der Börse. Mit Abschlag natürlich. 15 oder 20 Prozent weniger als den Nennwert bieten sie. Bei der Deutschen Bank ist von Krediten über zwölf Milliarden Euro die Rede, bei der Citigroup von umgerechnet acht Milliarden Euro. Einen ersten kleinen Verkauf, 100 Millionen Euro aus der Übernahme von Bavaria Yachtbau, gab es bereits.

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Private Equity kennt diese Kredite nur zu gut. Heuschrecken haben sie schließlich selbst aufgenommen. Es sind sogenannte Leveraged Loans, gehebelte Kredite zur Finanzierung von Unternehmenskäufen. Gehebelt, weil die Finanzinvestoren Übernahmen mit wenig Eigenkapital, aber viel Krediten stemmen. Es sind Firmen wie der Verpacker Gerresheimer, aus dessen Aktie sich Black- stone in dieser Woche mit mindestens 300 Prozent Gewinn verabschiedete. Dank Private Equity hat Gerresheimer bei einem Börsenwert von 980 Millionen Euro heute 460 Millionen Euro Nettoschulden an der Backe.

Die Banken wollten die gehebelten Kredite eigentlich stückeln, verbriefen und dann weiterreichen. Versicherungen oder Fonds wollen aber keine zerhackten Kredite mehr, selbst dann nicht, wenn Ratingagenturen 100-mal „AAA“ draufkleben. Draußen ist immer noch Finanzkrise. Investoren halten ihre Flocken lieber beisammen, kaufen Staatsanleihen, Gold, allenfalls noch Aktien.

Jetzt haben die Banken den Salat: Weltweit sitzen sie auf nicht weiterverkauften Übernahmekrediten von 200 Milliarden Dollar. Die belasten ihre Bilanzen und binden Kapital, das sie für lohnendere Geschäfte einzusetzen hoffen.

Zugegeben, die neuen Wetten von Private Equity sind nicht ohne Risiko. Es kann sein, dass Kredite tatsächlich ausfallen. Wahrscheinlicher aber ist, dass sie sich wieder erholen. Den meisten Unternehmen, denen diese Kredite aufgebürdet wurden, geht es nicht schlecht. Und Heuschrecken können warten. Anders als Banken haben sie Zeit, weil sie genügend Eigenkapital haben. Warum? Weil sie, und da schließt sich der Kreis, nur sehr wenig eigenes Geld ausgegeben hatten, als sie die Unternehmen kauften. Die Banken gaben ihnen ja Kredit.

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