Börsenkommentar: Eigentor der Fondsbranche

KommentarBörsenkommentar: Eigentor der Fondsbranche

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WirtschaftsWoche-Redakteurin Heike Schwerdtfeger

von Heike Schwerdtfeger

Schon wieder gibt’s Ärger bei offenen Immobilienfonds. Die Commerz Real wirft zwei völlig verschiedene Milliarden-Portfolios zusammen. Einfach so. Die Anleger wurden nicht gefragt.

Stellen Sie sich vor, Sie wollen in Immobilien investieren – und Sie sind optimistisch für Europa. Sie kaufen also einen Europa-Immobilienfonds. Dafür bezahlen Sie fünf Prozent Ausgabeaufschlag und jedes Jahr eine nette Verwaltungsgebühr. Dann aber kommt die Fondsgesellschaft und wirft – schwupp – Ihren Europafonds mit einem Welt-Immobilienfonds zusammen. Ihre Europa-Wette läuft auf einmal über Moskau, New York und Singapur. Das darf die Fondsgesellschaft nicht so einfach, sagen Sie? Stimmt nicht.

Commerz Real, die Immobilientochter der Commerzbank, lässt gerade ihren international anlegenden Immobilienfonds in ihrem Europa-Fonds aufgehen. Es entsteht ein neuer Fondsgigant, über zwölf Milliarden Euro schwer, mit 125 Immobilien in 19 Ländern, der zwar den alten Namen Hausinvest Europa behält, aber jetzt eben ein Welt-Portfolio zu verdauen hat. 2009 tat die Sparkassen-Gesellschaft Deka Ähnliches: Sie warf ihren Europafonds mit einem Deutschlandportfolio zusammen.

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Anleger haben jetzt Immobilien, die sie nicht wollen

Für die Fondsgesellschaft mag es ja ganz nett sein, hinfort den größten Fonds zu haben, womöglich senkt das auch ihre Kosten. Was aber haben die Anleger davon?

Sie ahnen es schon: wenig. Die Besitzer des geschluckten Weltfonds könnten sich womöglich freuen, denn ihr Produkt war nicht gerade erfolgreich: Der Hausinvest Global schaffte im Einjahresvergleich statt der anvisierten fünf nur müde zwei Prozent Plus. Der wesentlich größere Europafonds brachte immerhin 3,6 Prozent. Die Finanzkrise, man ahnt es schon, hat den Commerz-Real-Managern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ihr Weltfonds Hausinvest Global blieb mit 1,6 Milliarden Euro auch größenmäßig hinter den Erwartungen des Hauses zurück, das auf drei bis vier Milliarden spekuliert hatte.

Nachdem der Weltfonds eines Wettbewerbers, der Degi Global Business, kürzlich Abwertungen von über 20 Prozent bekanntgegeben hatte, flüchteten Anleger auch aus dem Commerz-Real-Produkt. Also zog das Fondshaus die Notbremse. Es packte die Eier, die niemand haben wollte, flott in einen anderen Korb – in den Europafonds eben. Gedient ist damit keinem Anleger. Europa-Anleger haben jetzt US-Immobilien, die sie nicht wollten, und Welt-Anleger schleppen zu viel Europa mit sich herum, was ihre Gewinne verwässern dürfte, falls sich zum Beispiel der US-Markt rapide erholen sollte.

Mission nicht erfüllt, also wird umgeschwenkt: In einem Markt, in dem immer noch sechs Immobilienfonds kein Geld an Anleger zurückzahlen können, weil liquide Mittel fehlen, schüren solche Aktionen Misstrauen und bringen weitere Unruhe. Ein klassisches Eigentor – wieder mal.

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