Börsenkommentar: Fondsschließung dank Anlegerschutz

KommentarBörsenkommentar: Fondsschließung dank Anlegerschutz

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WirtschaftsWoche-Redakteurin Heike Schwerdtfeger

von Heike Schwerdtfeger

Schon wieder wurden zwei offene Immobilienfonds geschlossen. Diesmal trieben tollpatschige Regulierungspläne Anleger in die Flucht. Dabei sollen sie doch geschützt werden – eigentlich.

Anlegerschutz, wie er nicht sein sollte: Die Berliner Pläne sind erst eine Woche alt, schon mussten zwei weitere offene Immobilienfonds schließen: Der KanAm Grundinvest und der SEB Immoinvest können Anlegern kein Geld mehr auszahlen, weil die Liquidität knapp wurde. Anleger flüchteten, nachdem Referenten aus dem Bundesfinanzministerium ihre Reformpläne für Immobilienfonds vorstellten, die im „Gesetzentwurf zur Stärkung des Anlegerschutzes“ versteckt sind: Anleger sollen ihre Fondsanteile künftig nicht mehr täglich verkaufen können, sondern müssen eine zweijährige Haltefrist einhalten und dann auch noch 6 bis 24 Monate vor dem Ausstieg kündigen. Diese Fristen verjagen Anleger, die Immobilienfonds als Geldmarktparkplatz nutzen, schützen aber die langfristigen Sparer.

Viel gefährlicher ist der Vorschlag der Berliner Beamten, einen zehnprozentigen Abschlag auf die Immobilienwerte in den Fonds anzusetzen. Die Immobilien werden derzeit einmal jährlich von Sachverständigen bewertet. Diesen Experten trauen die Ministerialen nicht. Die Verkehrswerte aller Immobilien und weitere Zinsanlagen machen den Wert eines Fonds aus. Die Überlegung der Referenten: Eine Immobilie muss in Krisenzeiten verkauft werden.

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Liegt der dem Fonds dann zufließende Verkaufspreis unter dem Wert, zu dem er die Immobilie in den Büchern hatte, stimmte der Fondspreis in der Vergangenheit nicht. Anleger, die vor dem Immobilien-Deal ihre Anteile verkauft haben, wurden aber auf Basis des – zu hohen – bilanzierten Werts ausgezahlt. Der Abschlag von zehn Prozent soll eine Art Puffer für schlechte Zeiten sein, durch ihn würden Anleger gerechter behandelt, so denken die Ministerialbeamten.

Keiner will der Letzte sein

Die Anleger legen auf diesen Schutz aber offenbar keinen Wert und flüchten: Jeder rechnet mit dem Schlimmsten – zehn Prozent Minus eben, und keiner will der Letzte sein. Die Schließung des KanAm- und des SEB-Fonds, denen weitere folgen dürften, gibt den Schnellen recht. Damit wird die Lage selbst für Fonds dramatisch, die üppig mit Liquidität ausgestattet sind und solide Renditen bieten. Anleger, die drinbleiben, riskieren, dass sie vorübergehend nicht an ihr Geld kommen.

Dass der Entwurf ohne Änderungen Gesetz wird, ist unwahrscheinlich. Wer es verkraften kann, ein paar Monate nicht an sein Geld zu kommen, kann seinen Fonds halten. Alle anderen sollten lieber verkaufen. Ruhe in den Markt kann nur eine Klarstellung vom Bundesfinanzminister persönlich bringen. Aber Schäuble hat derzeit Wichtigeres zu tun– anderswo gehen auch Milliarden unter.

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