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Börsenkommentar: Hilfe, es gibt wieder Hoffnung

von Mark Böschen

Anleger sind so optimistisch wie seit Beginn der Finanzkrise nicht mehr. Das ist ein Warnsignal erster Güte. Sogar alte Bekannte aus Neuen-Markt-Zeiten wittern Morgenluft.

Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen
Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen
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Das Geld der Kunden ist nach den Dax-Verlusten 2008 weg, der eigene Arbeitsplatz gefährdet, aber immerhin: Die Stimmung ist positiv. So könnte man das Ergebnis einer Umfrage des Datenanbieters Sentix bei 831 europäischen Investoren zusammenfassen. Erstmals seit Beginn der Finanzkrise vor 22 Monaten erwarten die Teilnehmer wieder eine Verbesserung der Konjunktur.

Was gut klingt, ist gleich aus zwei Gründen ein Warnsignal: An der Börse wird aus Optimismus oft ein gefährlicher Herdentrieb, auf den meist ein Absturz folgt — wie schon nach dem letzten optimistischen Umfragewert im August 2007. Noch dazu gibt es diesmal wenig Greifbares, was den Optimismus stützt. Im Gegenteil: Die aktuelle Lage sehen die Investoren immer noch sehr negativ. Die Kluft zwischen schlechter Lage und hoffnungsfroher Erwartung ist so groß wie noch nie, seit Sentix vor sechs Jahren seine monatliche Umfrage begonnen hat. Kein Wunder, denn die Wirtschaft bietet anstatt Hoffnungszeichen nur Horrornachrichten, zuletzt die Arcandor-Insolvenz und die einbrechenden Industrieaufträge. Der Dax hält sich trotzdem bei 5000 Punkten, mehr als ein Drittel über dem Krisen-Tief bei 3666 Punkten von Anfang März.

Zeichen für einen Wechsel bei den Aktienkäufern

Doch mehren sich die Zeichen für einen Wechsel bei den Aktienkäufern – von smarten Anlegern, die im März früh in die Rally eingestiegen sind, zu weniger smarten Anlegern, die zu spät kamen und jetzt nachkaufen müssen. Ein Indiz liefert Börsen-Guru Marc Faber. Der hatte Anfang März — als der Pessimismus am größten war — starke Kursgewinne vorhergesagt und dies mit den gewaltigen Rettungsmaßnahmen der Regierungen weltweit begründet. Ende Mai warnte Faber dann, dass schon zu viel Geld in die Börsen geflossen sei. Denn nichts ist Dr. Doom, wie er wegen seiner oft eintreffenden Börsenuntergangsprognosen auch genannt wird, so verdächtig wie gute Stimmung.

Verdächtig ist auch, dass sich ein Prominenter des Neuen Markts zurückmeldet: Bernd Förtsch, besser bekannt als „Mr Dausend“, seit der Franke dem Biotech-Wert Morphosys (aktuell für unter 15 Euro zu haben) beim Kurs von 92 Euro „Potenzial bis 1000 Euro“ bescheinigte. Nun bringt seine Gesellschaft für Börsenkommunikation den Online-Broker Flatex an Frankfurts Börse, 8,6 Prozent der Aktien sollen bis zu drei Millionen Euro einspielen. Riskant: Weitere Aktien, darunter auch welche der Förtsch-Firma Artus Capital, können ohne die zum Schutz neuer Aktionäre übliche Haltefrist auf den Markt geworfen werden. Sollte Flatex dennoch genug Optimisten als Abnehmer findet, wäre das noch ein Alarmsignal mehr.

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.06.2009, 15:23 UhrAnonymer Benutzer: AJ

    @laotse
    Durch die Abgeltungssteuer sind die letzten langfristig denkenden Anleger verprellt worden. Die zarte Pflanze der Aktienkultur in Deutschland wurde nach dem "Neue-Markt-Desater" und der "Volksaktie" der letzte Tritt versetzt. Mein Anlagehorizont bei Aktien hat sich auf 6 Stunden bis 6 Monate reduziert. Aber auch das funktioniert! Es ärgert mich nur, weil ich das ethisch nicht gut heiße.

  • 18.06.2009, 03:35 UhrAnonymer Benutzer: laotse

    Seit 01.01.2009 gelten für den langfristig orientierten privaten deutschen Kleinanleger neben verdoppelter Dividendensteuer zusätzlich die Kursgewinnsteuer in Abgeltungsform. Da ist für "Hoffnung" zu wenig Platz geblieben. Stattdessen wird die (ohne "Hoffnung" arbeitende) schnelle Spekulation mit hire and fire über die Pauschalisierung begünstigt. Also in D jetzt immer bei der Alarmglocke schlafen, Null Solidarität bei Schwierigkeiten zeigen und mit andauernden Deinvestitionen nationaler Kleinanleger rechnen.

  • 17.06.2009, 20:39 UhrAnonymer Benutzer: nur tote fische

    schwimmen mit dem Strom, habe ich in einem anderen Kontext gelesen...
    wenn das auch für die börse gilt, wo doch Ströme das alles Entscheidende sind, dann sollte man jetzt besser aufpassen,
    wenn die Masse anfängt los-zu-stampeden
    Warren buffet und andere Große entscheiden jedenfalls oft gegen den Trend und lagen damit häufig richtig - wie sonst wären sie recih geworden?

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