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Börsenmakler Dirk Müller: "Die Schweinehunde bestimmen, wo es langgeht"

19. Oktober 2011
Autor und Makler Dirk Müller Quelle: REUTERSBild vergrößern
Autor und Makler Dirk Müller Quelle: REUTERS
von Jörg Hackhausen Handelsblatt

Der Börsenmakler und Bestsellerautor Dirk Müller wettert gegen die Banken. Im zweiten Teil des Interviews erklärt er, was schief läuft, warum Banken nicht gerettet werden dürfen und worauf sich Anleger einstellen müssen.

Herr Müller, Griechenland steht vor der Pleite. Davon sind reihenweise europäische Banken betroffen. Sollten die Wackelkandidaten im Notfall gestützt werden?

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Dirk Müller: Das grenzt aus meiner Sicht an Veruntreuung von Steuergeldern. Man versucht, zu lavieren, zu verschleppen und das Unabwendbare hinauszuzögern. Der Leidensweg wird dadurch immer länger. Bereits vor anderthalb Jahren hätte man Griechenland in die geordnete Insolvenz gehen lassen müssen. Das wäre mit Sicherheit billiger geworden, als Milliarden und Abermilliarden nach Griechenland zu schieben und am Ende doch den Schuldenschnitt zu machen und die Banken zu stützen.

Wollen Sie, dass Banken pleitegehen?

Was ist daran so dramatisch? Die Banken wussten doch, auf was sie sich einlassen. Die haben griechische Bonds gekauft, weil sie dabei etwas mehr Rendite als bei Bundesanleihen bekamen.

Wenn die Banken wackeln, stünden Tausende Sparer vor den Filialen, um ihr Geld abzuheben. Das hätte katastrophale Folgen.

Der Staat kann sich an den Banken beteiligen, aber nur an dem Teil, der für die Realwirtschaft wichtig ist und wo die Konten der Bürger liegen, also der Geschäftsbank. Die Zockerabteilung der Banken, die soll ruhig den Bach runtergehen. Und wenn sich der Staat an den Banken beteiligt, dann soll er bitteschön auch hinterher am Gewinn beteiligt werden; nicht wie bei der Commerzbank, wo sich der Staat über den Tisch ziehen lassen hat. Die Commerzbank sorgt mit Bilanztricks dafür, dass sie von ihren Gewinnen nichts an den Steuerzahler zahlen muss.

Was haben Sie eigentlich gegen die Banken?

Die Banken sind offenkundig gar nicht mehr in der Lage, ihre Funktion für die Realwirtschaft zu erfüllen. Wir hören von EADS, dass die französischen Banken nicht mehr in der Lage sind, Flugzeuge zu finanzieren, weil sie sich auf allen möglichen Märkten verzockt haben. Mittlerweile hat der Großteil des Geschäfts gar nichts mehr mit der Realwirtschaft zu tun, sondern liegt im spekulativen Bereich. Damit haben die Banken lange extrem gut verdient. Aber jetzt, wo es schiefgeht, da soll bitteschön der Steuerzahler einspringen. Das ist nicht in Ordnung.

Sind Banker nicht lernfähig?

Wir haben nichts aus dem ersten Teil der Finanzkrise gelernt, es geht so weiter wie vorher. Niemand sollte darauf hoffen, dass die Finanzwelt eine Selbstregulierung einführt. Das wäre ja schlecht für das Geschäft. Die Politik ist in der Verantwortung, Grenzen zu ziehen.

Verstehen die Politiker überhaupt die Zusammenhänge?

Ich kenne Politiker, die ausgesprochen gut informiert sind. Aber das sind nur wenige. Die meisten haben überhaupt keine Ahnung, was passiert. Die Konsequenz ist, dass diese Leute mit einem Ackermann die Finanzkrise diskutieren sollen. Da spielen Leichtmatrosen mit Konteradmirälen Schiffe versenken. Wenn Ackermann dabei nicht die Interessen seines Hauses vertreten würde, wäre das fahrlässig. Das kann man ihm nicht vorwerfen. Der Politik werfe ich vor, dass sie sich so leicht beeinflussen lässt und sich das Know-how von den Banken holt. Man fragt die Wölfe, wie man die Schafe schützen soll. Das kann nicht funktionieren.

Was kann denn funktionieren?

Die Politik muss sich emanzipieren von den Banken. Es gibt riesige Apparate, riesige Ministerien. Da muss das Know-how hin. Das heißt aber auch, dass die Mitarbeiter besser bezahlt werden als bisher. Für Regionalliga-Gehälter bekomme ich keine Champions-League-Spieler. Wenn die Politik das nicht schafft, muss das auf Druck der Straße geschehen. Ich hoffe nur, dass das friedlich abgeht. Die Menschen spüren, dass etwas gewaltig schiefläuft. Die Proteste gehen gerade erst los, sie sind noch zaghaft, aber das kann sich schnell ändern. Auch die Montagsdemonstrationen in der DDR haben klein angefangen, auch auf dem Tahrir-Platz in Kairo haben wenige angefangen.

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Kommentare | 18Alle Kommentare
  • 19.10.2011, 19:30 UhrHans-Werner Söhn

    Müller hat recht! Das ganze System basiert nicht mehr auf realer Wertschöpfung, sondern auf Stories. Und letztlich ist es wirklich nicht einsehbar , dass diejenigen , die schon immer mit ihrem Geld haushalten mussten, für die haften sollen, die mit dem Geld was man ihnen gibt nicht haften wollen - die Spekulationsbanker. Warum Menschen die bewusst Geld verzocken nicht dafür haften müssen, nur weil sie für banken arbeiten ist mir nicht verständlich. Jeder kleine Handwerker oder Gewerbetreibende muss für das was er tut meist persönlich einstehen - die Spekulatius - Gangster müssen das nicht - offensichtlich überaus legal. zur Rechenschaft gezogen werden nur die Jungs doch kaum - die wenigen Fälle , die in der Presse waren - waren aus meiner Sicht bauernopfer. Die, die heute das mehrfache von denen verzocken ( oder legal umschichten -irgend jamand hat die Kohle ja ....) machen das mit deutlich größeren beträgen und sind "clean".

  • 19.10.2011, 20:47 Uhrweihnachtsmann

    naiv oder märchenerzähler? die dummen politiker die sich von den bösen banken über den tisch ziehen lassen. und alles passiert zufällig, nicht vorhersehbar und "plan"los. halt "freie" markwirtschaft wo der bürger "frei" wählen darf.
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=5354

  • 19.10.2011, 21:27 UhrEUdSSR: "KÖNIG bin ich": EU der Staatschefs [6]

    ..
    Um doch Anschein einer demokratischen Legitimation bei diesem quasi "Staatstreich" (da weiter ohne beitrittreferenden, Wahlen, Volksbefragung und Vertragsänderungen!) von Parlamenten doch zu bekommen, sollen diese zu nur "informellen beteiligung" Fraktionschefs in eine "Euro-beiratskammer" senden, damit diese passiv und stimmlos als Faktotums der o.g. "EU-Protektoren" miteinander wirkungsfrei palavern, um dann den kastrierten nationalen Parlamenten ohne budgetkontrollrecht die Erlasse der EU-Staatschefs zum postdemokratischen Abnicken, wie unter Honecker oder Ceausescu, rückübermitteln!

    (!) Das soll wg. des zu erwartenden "Geschreis und Gezetters von innen" nur ohne Parlamente, wie das erst später nachratifizierte "Schengenabkommen", mittels eines, nicht durch Parlamente vorab zu ratifizierenden aber sofort wirkungswirksamen "iNTERGOUVERMENTALEN VERTRAGS" nur der EU-Staatschefs geschehen!

    QUiNTESSENZ, wie schon öfters in deutscher Geschichte:
    (!!!) da solche ideengeber in supergloriosen Eigenreflektion per se immer "die Guten" sind, wie sicher schon auch ein "gutmeinender" LUDWiG XiV, so gilt auch hier wieder:
    "der ZWECK heiligt die MiTTEL" - wenn Schröder bei Putin mal ausgedient hat, so kann Fischer nahtlos dort als "lupenreiner Demokratielenker" anheuern!

    (!!!) EUdSSR:
    Kein Poet kann die von allen o.g. "konsequenten" "politischen Versagern", als den WAHREN KRiSENVERURSACHERN, postdemokratisch eingeschlagene *WAHRE* MARSCHRiCHTUNG zur "EUdSSR" in schöngeistigere Worte kleiden!
    SO KEiNESWEGS VON UNSEREN VERFASSUNG GEDECKT!
    Und sicher *NiCHT DEMOKRATiSCH* legitimiert!

    So naht der gloreiche Tag, wo wieder alle "Werktätigen" zum Jubelappel zu Ehren des weisen Staatsrats antreten dürften!
    Denn: "DiE PARTEi, DiE PARTEi, die hat immer, immer Recht..!"

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