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Börsenmakler Dirk Müller: "Die Schweinehunde bestimmen, wo es langgeht"

von Jörg Hackhausen Handelsblatt

Der Börsenmakler und Bestsellerautor Dirk Müller wettert gegen die Banken. Im zweiten Teil des Interviews erklärt er, was schief läuft, warum Banken nicht gerettet werden dürfen und worauf sich Anleger einstellen müssen.

Autor und Makler Dirk Müller Quelle: REUTERS
Autor und Makler Dirk Müller Quelle: REUTERS

Herr Müller, Griechenland steht vor der Pleite. Davon sind reihenweise europäische Banken betroffen. Sollten die Wackelkandidaten im Notfall gestützt werden?

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Dirk Müller: Das grenzt aus meiner Sicht an Veruntreuung von Steuergeldern. Man versucht, zu lavieren, zu verschleppen und das Unabwendbare hinauszuzögern. Der Leidensweg wird dadurch immer länger. Bereits vor anderthalb Jahren hätte man Griechenland in die geordnete Insolvenz gehen lassen müssen. Das wäre mit Sicherheit billiger geworden, als Milliarden und Abermilliarden nach Griechenland zu schieben und am Ende doch den Schuldenschnitt zu machen und die Banken zu stützen.

Wollen Sie, dass Banken pleitegehen?

Was ist daran so dramatisch? Die Banken wussten doch, auf was sie sich einlassen. Die haben griechische Bonds gekauft, weil sie dabei etwas mehr Rendite als bei Bundesanleihen bekamen.

Wenn die Banken wackeln, stünden Tausende Sparer vor den Filialen, um ihr Geld abzuheben. Das hätte katastrophale Folgen.

Der Staat kann sich an den Banken beteiligen, aber nur an dem Teil, der für die Realwirtschaft wichtig ist und wo die Konten der Bürger liegen, also der Geschäftsbank. Die Zockerabteilung der Banken, die soll ruhig den Bach runtergehen. Und wenn sich der Staat an den Banken beteiligt, dann soll er bitteschön auch hinterher am Gewinn beteiligt werden; nicht wie bei der Commerzbank, wo sich der Staat über den Tisch ziehen lassen hat. Die Commerzbank sorgt mit Bilanztricks dafür, dass sie von ihren Gewinnen nichts an den Steuerzahler zahlen muss.

Was haben Sie eigentlich gegen die Banken?

Die Banken sind offenkundig gar nicht mehr in der Lage, ihre Funktion für die Realwirtschaft zu erfüllen. Wir hören von EADS, dass die französischen Banken nicht mehr in der Lage sind, Flugzeuge zu finanzieren, weil sie sich auf allen möglichen Märkten verzockt haben. Mittlerweile hat der Großteil des Geschäfts gar nichts mehr mit der Realwirtschaft zu tun, sondern liegt im spekulativen Bereich. Damit haben die Banken lange extrem gut verdient. Aber jetzt, wo es schiefgeht, da soll bitteschön der Steuerzahler einspringen. Das ist nicht in Ordnung.

Sind Banker nicht lernfähig?

Wir haben nichts aus dem ersten Teil der Finanzkrise gelernt, es geht so weiter wie vorher. Niemand sollte darauf hoffen, dass die Finanzwelt eine Selbstregulierung einführt. Das wäre ja schlecht für das Geschäft. Die Politik ist in der Verantwortung, Grenzen zu ziehen.

Verstehen die Politiker überhaupt die Zusammenhänge?

Ich kenne Politiker, die ausgesprochen gut informiert sind. Aber das sind nur wenige. Die meisten haben überhaupt keine Ahnung, was passiert. Die Konsequenz ist, dass diese Leute mit einem Ackermann die Finanzkrise diskutieren sollen. Da spielen Leichtmatrosen mit Konteradmirälen Schiffe versenken. Wenn Ackermann dabei nicht die Interessen seines Hauses vertreten würde, wäre das fahrlässig. Das kann man ihm nicht vorwerfen. Der Politik werfe ich vor, dass sie sich so leicht beeinflussen lässt und sich das Know-how von den Banken holt. Man fragt die Wölfe, wie man die Schafe schützen soll. Das kann nicht funktionieren.

Was kann denn funktionieren?

Die Politik muss sich emanzipieren von den Banken. Es gibt riesige Apparate, riesige Ministerien. Da muss das Know-how hin. Das heißt aber auch, dass die Mitarbeiter besser bezahlt werden als bisher. Für Regionalliga-Gehälter bekomme ich keine Champions-League-Spieler. Wenn die Politik das nicht schafft, muss das auf Druck der Straße geschehen. Ich hoffe nur, dass das friedlich abgeht. Die Menschen spüren, dass etwas gewaltig schiefläuft. Die Proteste gehen gerade erst los, sie sind noch zaghaft, aber das kann sich schnell ändern. Auch die Montagsdemonstrationen in der DDR haben klein angefangen, auch auf dem Tahrir-Platz in Kairo haben wenige angefangen.

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18 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.10.2011, 09:59 Uhrzockerfein

    Müller überzeichnet bewusst, um den Kern des Übels herauszuarbeiten.
    bin auch der Meinung, dass Zockerbanken vom Markt verschwinden sollten, genauso wie Hedgefonds und privat-equity-Gesellschaften.
    Die bewegen den Markt in die Richtung, wo sie ihn haben wollen.
    Falschmeldungen lancieren, dagegen wetten und sich tot lachen.
    banken sind für die Realwirtschaft da und nicht für das Spielcasino.
    Die Händlerbanker müssen verschwinden.

  • 20.10.2011, 22:51 UhrUnsinn des FIXEN EUROS ohne Abwertungsmögl. :)

    Europa hat bestens mit fixflexiblen Währungswechselkursen vor dem Euro funktioniert und funktioniert bestens für Polen oder Schweden ohne Euro.

    Wie pervers das Festzurren der EWU-Wechselkurse ist, sieht man an GR und TR: vor 10 Jahren in etwa gleich stark bzw. schwach ;)

    GR hat in EWU sich rein konsumptiv vollgesogen und Lohstückkosten um ca. 70% hochgejagt (gerechterweise sei erwähnt analog den Lebenshaltungskosten dort, womit im innenverhältnis für Durchschnittsgriechen auch Kaufkraft "seines" Euro gleich blieb).

    TR hat statt dessen 2001-2011 fast auf Prozent genau und LiNEAR ohne Zwischenpeaks die TRY um 300% also auf 1/4 abgewertet und kann vor Kraft fast nicht mehr laufen, während für die Durchschnittstürken im inneren wohl zwar das Leben bunter, aber mit 25% Kaufkraft auch spannend blieb! Ohne massiv unterstützende Euroimporte über breite Verwandschaftsverhältnisse in der ganzen EWU wäre sicher das Leben der inländer dort noch spannender ;)

    "Krisenstar" Polen hat übrigens in 6 Monaten ab 08/2008 auf EUR 50% und $ 65% mal eben abgewertet, bei 25% der PL-Exporte nach DE :)

    Soviel zum Thema EURO-Sinnhaftigkeit, "Krisenstars", "TR-Wirtschaftswunder" und "GR soll bloß nicht aus EWU raus!" (sonst kann es sich in 3 Jahren wieder selbst ernähren ;)

    Siehe dazu: oanda.com, historische Wechselkurse!

  • 20.10.2011, 19:30 UhrBANKAKTIVA 30.000 Mrd, BANKHILFE 4.600 Mrd (1-2)

    Dass v.a. deutsche banken mehr als unterkapitalisiert sind (real 1-2%), das ist breitem Publikum kein Geheimniss mehr!
    Nun schlusszufolgern, wie z.Zt. überall geschickt lanziert, jetzt eine neue Runde der "banken-Rekapitalisierung" deshalb zu starten, statt wie in USA endlich kartellrechtlich zu zerschlagen und abzuwickeln wenn überschuldet oder ohne tragfähiges KONSERVATiVES Geschäftsmodell, das wäre neuer offener Verfassungsbruch der geschworenen Fürsorgepflicht allein an der Allgemeinheit gegenüber!

    in USA wurden seit 2008 fast 500 banken abgewicklet und 700 Mrd $ Hilfen fast vollständig eingetrieben!
    Hier haben fremdbestimmte Politauthisten nur "undemokratisch" für mind. 500+ Mrd Euro alles an PRiVATEN Wettschulden was nicht schnell genug auf dem baum war dem Steuerzahler für Generationen vermacht!

    Und s.g. "unsere" banken (PRiVAT-Unternehmen!) haben nun 4 Jahre lang nicht ihre heisse Luft der "Fair-Value"-Eigenkapitalcharade absprachetreu in reales und krisenfähiges Eigenkapital mit laufenden Gewinnen gewandelt, sondern zur dreisten Weitererhaltung eigenen "systemischen" "Kreditklemme"-Status alle Gewinne als Dividenden / leistungsfreie boni mit hunderten Milliarden PRiVAT ausgeschüttet!

    Das seit der Finanzderegulierung bewußt in "insolvenzgeiselhaft" genommene Spar-/Einlagengeschäft haben sie immer noch nicht "antisystemisch" von konkursverschleppend vermengten monströsen Risikoinvestment abgekoppelt!

    Sie WARNEN dafür wieder mal Politik wg. "Kreditklemme" nicht zu zögern weitere Steuergeld-billionen auszuschütten, "sonst beule"!
    Dabei hat EU-barroso gerade bei "Rede zur Lage der Union" hochoffiziös "bisherige EU-Hilfen an banken in Höhe von 4.600 Mrd Euro seit 2007" bescheinigt!!!
    Das ist das 45-fache des weltdrittgrößten Goldschatzes Deutscher bundesbank, 2,5-Fache DE-Staatsschulden oder 8-Faches der EU-Geldumlaufmenge!

    Dabei sitzen lt. biZ und FTD/"Das Kapital" EU-banken z.Zt. auf weit über 30 biLL Eur AKTiVA!
    ..

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