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Bonusregeln: Banker an der Kandare

von Stephan Hostettler

Die neuen Bonusregeln der Europäischen Union haben ungeahnte Auswirkungen. Stephan Hostettler, Lehrbeauftragter der Universität St. Gallen für Corporate Governance, hat sich die neuen Regeln genauer angesehen.

Frankfurter Banker: Löwen, die sich gierig über die Fleischtöpfe hermachen? Quelle: Laif/Tim Wegner
Frankfurter Banker: Löwen, die sich gierig über die Fleischtöpfe hermachen? Quelle: Laif/Tim Wegner

Das EU-Parlament hat diese Woche neue strenge Regeln zu Bonuszahlungen an Bankmitarbeiter beschlossen. Kernmerkmale sind eine Beschränkung der Barauszahlungen und eine Koppelung des Bonus an das Basissalär. Das EU-Parlament prescht dadurch mit einer äußerst strikten Regulierung vor, die zu erheblichen Anpassungen in der Vergütungspolitik führen wird. Aber es ist noch unklar, ob diese Regulierungen ihre vom Gesetzgeber erwünschte Wirkung tatsächlich entfalten kann.

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Höhere Fixlöhne

Die neuen Regeln verlangen eine Koppelung des Bonus‘ an das Grundgehalt. Der variable Anteil darf dabei einen gewissen Schwellenwert nicht übersteigen. Es ist bleibt unkonkret, wie groß dieses Verhältnis maximal sein darf. Fällt dieses klein aus – wenn etwa eine paritätische Gewichtung von Fixsalär und variabler Kompensation im Gesetz festgeschrieben werden sollte –, führt dies mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Erhöhung des Fixsalärs und damit der Fixkosten einer Bank. Etliche Banken in Deutschland hatten dies bereits vor Verabschiedung der Regelung angekündigt, zum Teil auch schon umgesetzt. Dabei könnte die Anhebung der Grundgehälter beträchtlich ausfallen. Im europäischen Finanzsektor wird auf den obersten Führungsetagen 50 bis 95 Prozent des Gesamtsalärs in Form einer variablen Entlöhnung ausgerichtet. Und die Personalkosten machen den überwiegenden Teil des gesamten Aufwands von Finanzdienstleistern aus. Die neue Regelung ist somit einschneidend und dürfte von den Aktionären mit Argusaugen verfolgt werden. Erstaunlicherweise hat der europäische Bankenindex diese Woche nicht negativ auf die neuen EU-Vorgaben reagiert.

Der aktuell hohe Anteil der variablen Entschädigung ist auch bei einer weiteren neuen EU-Regelung von Belang: Neu sollen – gemäß Pressemitteilung – maximal 20 bis 30 Prozent des Bonus sofort in bar ausbezahlt werden können. 70 bis 80 Prozent sollen hingegen dem Risiko der geschäftlichen Entwicklung ausgesetzt werden. Das heißt, dass ein wesentlicher Teil der variablen Vergütung für drei bis fünf Jahre sozusagen auf einem Sperrkonto liegen und sich allenfalls bei schlechter Geschäftsentwicklung reduzieren wird. Auch diese Werte liegen deutlich über dem Status quo. Das Financial Stability Board (FSB), das Regulierungen für die G20-Staaten verbindlich vorschreibt, hat eine Spannbreite von 40 bis 60 Prozent des variablen Bonus für solch verzögerte Auszahlungen als sinnvoll taxiert.

Keine Optionen

Weitgehend unbeachtet blieb ein Absatz auf den hinteren Seiten des verabschiedeten Regulierungsberichts, wonach Optionen und ähnliche Instrumente faktisch verboten werden. Das ist starker Tobak, denn bei allen großen Unternehmen einschließlich der Finanzinstitute sind sogenannte Performance Share Pläne weit verbreitet. Solche Instrumente verbinden die Eigenheiten von einfachen Aktienplänen mit denjenigen von sophistizierteren Optionsplänen. Diese Methode ist beliebt, weil sie eine Hebelwirkung mit Malus-Effekten entfaltet, wie sie durchaus im Sinne der Aktionäre ist. Die Neuerung hat also die unerwünschte Folge, dass die Rendite-Risikoprofile von Managern schlechter angeglichen werden können.

Von den neuen Regeln sind einerseits die Topmanager der Banken betroffen. Anderseits sollen sie auch für die sogenannten Risktakers gelten. Dazu zählen zum Beispiel Händler oder Experten im Investmentbanking. Wen die EU allerdings genau im Visier hat, ist unklar und jegliche Definition wird unscharf bleiben müssen. Erfahrungsgemäß lassen sich die Risktakers in Banken weder über die Hierarchie noch über die Höhe der aktuellen Kompensation noch über das ihnen zur Verfügung gestellte Kapital verlässlich bestimmen. Die komplexe Wirklichkeit legt den Regulatoren und  vermutlich auch den betroffenen Finanzinstituten hier hohe Hürden in den Weg.

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4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 13.07.2010, 22:43 UhrAnonymer Benutzer: Harald Zinsser

    Alles viel zu schwach. banker müssen 10 Jahre lang mit ihrem Gesamten Privatvermögen haften - falls sie sich irgend auch nur eine Kleinigkeit zu schulden kommen lassen.
    Am besten gleich alle banken verstaatlichen, börsen zumachen, oder mit einer extrem hohen Spekulationssteuer belegen: Wer mit Geld spielen kann, der soll so FETT blechen, das es ihm richtig weh tut !
    Einführung einer LUXUSSTEUER speziell für banker. Wenn die irgendwas kaufen, müssen sie eine Sondersteuer von 10% auf den Kaufpreis entrichten !

  • 13.07.2010, 10:26 UhrAnonymer Benutzer: Benedikt-Gruppe

    boni oder Gehalt für banker?
    ich persönlich bin gegen boni und für gerechte Gehälter. Diese
    Gehälter müssten sich mehr an der Ertragskraft und dem Eigen-
    kapitalgewinn der banken orientieren. Die Finanzkrise hängt auch
    mit den boni zusammen. bei versicherungsähnlichen Papieren
    kann man Provisionen zahlen?

  • 12.07.2010, 14:38 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    "Das heißt, dass ein wesentlicher Teil der variablen Vergütung für drei bis fünf Jahre sozusagen auf einem Sperrkonto liegen und sich allenfalls bei schlechter Geschäftsentwicklung reduzieren wird" Das hört sich doch prima an!

    Frage 1: welche Möglichkeit haben die Angestellten (=Manager), diese beschränkung zu umgehen? (ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es da keine Lücke gibt)
    Frage 2: warum gibt es eine solche Regelung nicht für ALLE Manager sondern nur für banker?
    Frage 3: Warum gelten solche Regelungen nicht für Politiker??? DAS wäre doch das beste! Die fetten Pensionen sollten von der Entwicklung des Staatsbudgets und dem Wirtschaftswachstum variabel abhängig gemacht werden. Dafür heuern wir die Leute doch eigentlich an - doch Rechenschaft schulden sie offenbar niemandem. Das ist ein Skandal.

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