Branchen und Unternehmen: Von cool bis aufgeregt

Branchen und Unternehmen: Von cool bis aufgeregt

Die Weltwirtschaft verliert an Schwung – und der Exportweltmeister bekommt es zu spüren. Wie Branchen und Unternehmen von der Finanzkrise und dem Börsencrash betroffen sind.

Logistik: Eine Rezession in den USA träfe die Deutsche Post an ihrer empfindlichsten Stelle – dem Expressgeschäft in den Vereinigten Staaten. Das trug 2006 zwar schätzungsweise nur etwa fünf Prozent zum Konzernumsatz bei. Doch im zermürbenden Wettbewerb mit den Marktführern UPS und Fed-Ex fuhr Post-Chef Klaus Zumwinkel bisher nur Hunderte von Millionen Euro Verluste ein. Jetzt muss er sogar noch 600 Millionen Euro auf den Wert des US-Anlagevermögens abschreiben. Das mindert die Hoffnung, 2009 endlich die Gewinnzone zu erreichen.

Telekommunikation: Ein Standbein der Deutschen Telekom ist seit Jahren das amerikanische Mobilfunkgeschäft. Bereits vor zwei Wochen schockte AT&T, wichtigster Wettbewerber von T-Mobile USA, die Märkte: Zahlreichen Privatkunden wurden wegen unbezahlter Rechnungen die Anschlüsse gekappt. Im Fall einer handfesten Rezession wäre auch die Telekom von Forderungsausfällen in den USA betroffen. Dort hat sie derzeit rund 28 Millionen Mobilfunkkunden.

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High Tech: Noch geben sich die Unternehmen gelassen. Zwar erwirtschaftet der Walldorfer Softwarekonzern SAP fast 30 Prozent seines Umsatzes in den USA, dem weltweit wichtigsten Markt für Unternehmenssoft-ware. Doch nur fünf bis sechs Prozent des Umsatzes entfallen auf Kunden aus dem Finanzsektor; ein Rückgang der Nachfrage bei Banken würde das Unternehmen daher wenig treffen. Auch ein Abgleiten der US-Konjunktur in die Rezession sieht der Konzern gelassen: „Wenn Unternehmen wirtschaftliche Schwierigkeiten haben, sind sie gezwungen, Effizienzreserven auszuschöpfen. Das tun sie oft mithilfe von Software“, heißt es in Walldorf.

Pharma und Chemie: Für BASF und Bayer ist das Nordamerika-Geschäft durchaus entscheidend: Diese Unternehmen erwirtschaften dort jeweils etwa ein Viertel ihrer Umsätze. Auf härtere Zeiten haben sich beide Unternehmen bereits eingestellt. Doch gleichzeitig gibt es die Hoffnung, das anhaltend starke Asiengeschäft könne eventuelle Abschwünge in Nordamerika ausgleichen.

Reisen: „Wir sind zwar nicht direkt betroffen, können uns von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung aber nicht abkoppeln“, sagt Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV). Zur Panik sehen Reiseveranstalter und Reisebüros allerdings vorerst keinen Anlass. Die Buchungen für das laufende Wintergeschäft und den kommenden Sommer laufen hervorragend, und dank guter Geschäfte in den vergangenen Jahren sind die Veranstalter weniger anfällig für kurzfristige Nachfragedellen. Dazu kommt: Die Kerosinpreise sind unter die bisherige Höchstmarke von 90 US-Dollar pro Barrel gefallen – ein gutes Zeichen´.

Luftfahrt: Marktführer Air Berlin und die Lufthansa haben Kapitalerhöhungen hinter sich und daher keinen Bedarf, sich in fallenden Märkten frisches Kapital besorgen zu müssen. Auch restriktivere Kreditbedingungen seitens der Banken schrecken die Unternehmen nicht, denn beide Linien verfügen über ausreichend Liquidität. Sie verkaufen Tickets bis zu einem Jahr vor dem Flug, während sie Kerosin oder Flughafengebühren erst nach der Landung zahlen. Das spart klassische Betriebsmittelkredite. Und erst wenn die US-Wirtschaft um mehr als fünf Prozent schrumpft, könnte die Lufthansa den Rückgang wohl nicht mehr durch ihr starkes Asiengeschäft ausgleichen.

Handel: Eine Rezession in den USA schreckt die großen Ketten nicht. Ob Metro, Arcandor, Rewe, Edeka oder die Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland) – keiner verkauft Lebensmittel oder Non-Food in den USA. Einzige Ausnahme: Aldi Süd betreibt dort rund 900 Aldi-Filialen, Aldi Nord ist mit rund 290 Läden des Edel-Discounters Trader Joe’s vor Ort. Die deutschstämmigen Discounter könnten sogar von einer konjunkturellen Delle profitieren. Problematischer wäre eine nachhaltige Konsumschwäche in Deutschland. Die Margen im Einzelhandel sind ohnehin schwach bis kaum vorhanden, viele Unternehmen, wie etwa der Essener Warenhaus- und Versandhandelskonzern Arcandor oder die Real-SB-Warenhäuser der Düsseldorfer Metro Group, sind angeschlagen oder befinden sich im Umbau. Wird also auch in Deutschland wieder richtig geknausert, profitieren wieder nur die Discounter – allen voran Aldi und Lidl.

Maschinenbau: Die Branche teilt sich in zwei Fraktionen – die Coolen und die Aufgeregten. Die kühlen Denker verweisen auf ihre langfristigen Aufträge bei Kunden und hoffen, die Krise einfach aussitzen zu können. Die andere Fraktion argumentiert, eine derart schlechte Stimmung an der Börse habe bislang immer einen Einbruch der Realwirtschaft vorweggenommen.

Stahl: Die Unternehmen treibt die Sorge um, der Nervenkrieg auf dem Börsenparkett könnte das Ende eines nun fast siebenjährigen weltweiten Stahlbooms einläuten. „Die erste Tonne Stahl, die auf der Welt unverkäuflich herumvagabundiert, lässt die Hochkonjunktur über Nacht einbrechen“, warnt ein Stahlmanager.

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