Brasilien: Wachsender Staatseinfluss bei Petrobras

KommentarBrasilien: Wachsender Staatseinfluss bei Petrobras

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Ein Arbeiter von Petrobras stellt an einer Tankstelle die Preise um. Von dem sonst in Deutschland so ruhigen Kursverlauf ist nichts mehr zu spüren

von Alexander Busch

Brasiliens Börse grenzt sich gern von anderen Schwellenländern ab: Verlässlicher und leichter durchschaubar gehe es hier zu. Bei der Kapitalerhöhung von Petrobras ist davon nichts zu spüren.

Der halbstaatliche Öl- und Energiekonzern Petrobras bereitet die weltweit größte Kapitalerhöhung aller Zeiten vor. Rund 70 Milliarden Dollar könnte der Kapitalwert von Petrobras zulegen. Private Investoren sollen bis zu 30 Milliarden Dollar Cash zuschießen, die der Konzern für Investitionen braucht.

Doch bei der Vorbereitung der komplizierten Prozedur ging es schlampig und verschlungen zu wie an einer Provinzbörse. Energiebehörde, Börsenaufsicht und der Konzern selbst buckelten vor Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. Der will am Ende seiner Präsidentschaft noch durchsetzen, dass Petrobras größer wird – und wieder stärker staatlich kontrolliert. Weil dem Staat die Mittel fehlen, um sich bei Petrobras einzukaufen, werden dem Konzern als Gegenwert für Aktien fünf Milliarden Fass Öl an Reserven zugeschanzt. Dadurch bleiben die privaten Investoren bei der Stange, denn diese schlucken – so das Kalkül – wegen der um 40 Prozent gewachsenen Reserven des Konzerns die hässliche Kröte des höheren Staatseinflusses.

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Einigung auf politisch genehmen Mittelwert

Börsenregeln und Rechte von Minderheitsaktionären werden dabei ausgehebelt. Er glaube, dass das Fass Öl in 7000 Metern unter der Wasseroberfläche mehr als zehn Dollar wert sei, erklärt Lula forsch – und machte den Gutachtern so klar, dass er einen hohen Gegenwert für die Ölreserven erwarte, damit der Staat seinen Anteil bei Petrobras stark ausweiten kann. Der Chef der Börsenaufsicht hatte es zwar versäumt, externe Gutachten in Auftrag zu geben, schloss sich aber dennoch Lulas Meinung an. Die Gutachter verstanden die Signale und einigten sich trotz weit auseinander liegender Ergebnisse schnell auf einen politisch genehmen Mittelwert, sie wollen ja weiter im Ölgeschäft in Brasilien aktiv bleiben. Der Fasspreis wurde auf 8,50 Dollar festgelegt. Auch sonst bog die Regierung hin, was nicht passte: Der erste Termin wurde flugs um zwei Monate verschoben – nah an die Wahlen, bei denen Lulas Nachfolger bestimmt wird. Per Dekret erklärte die Regierung zudem, dass Staatsbanken bei der Kapitalerhöhung mitmachen können.

Wegen der vielen Ungereimtheiten hat die Petrobras-Aktie in zwölf Monaten 15 Prozent gleich 22 Milliarden Dollar Börsenwert verloren. Doch aus Finanzkreisen kommt null Kritik. Der Grund: Börse, Banken und Management profitieren von dem Mega-Deal. Die Einzigen, die einen Nachteil erleiden, ohne sich wehren zu können, sind die Minderheitsaktionäre: Ihre Anteile werden verwässert, Dividenden müssen sie mit einem Drittel mehr an Aktienbesitzern teilen. Die ersten Gewinne aus den anstehenden Investitionen aber werden erst in fünf Jahren in die Bilanzen sprudeln – frühestens.

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