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Chartanalyse: Wohin geht die Reise am Aktienmarkt?

von Anton Riedl

Ist der Dax nach 25 Prozent Minus reif für eine Erholung? Erste Favoriten erreichen Kaufniveau.

Kursverlauf des Deutschen Aktienindex (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)
Kursverlauf des Deutschen Aktienindex (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Der erste Blick verheißt nichts Gutes: Charttechnisch läuft der Dax in einem lupenreinen Abwärtstrend. Zunächst kreuzte er die Durchschnittslinie der vergangenen 200 Börsentage (1), dann rutschte der Index durch den Boden einer Wendeformation (2) und brach schließlich den seit 2003 bestehenden Aufwärtstrendkanal (3). Mit den Tiefspitzen im Januar und März sowie dem Hoch im Mai bildet der Dax nun einen Abwärtstrendkanal (4).

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Die Rückschläge im Juli und im September verschärfen die Lage noch einmal. Erstens rutschte der Dax unter die parallele Erweiterungslinie  (5) des großen Aufwärtstrends 2003 bis 2007; hätte er die verteidigt, wäre eine weitere Phase der ursprünglichen Aufwärtsbewegung möglich gewesen. Zweitens sackte er durch die Unterstützungslinie bei 6.150 Punkten (6), bei der es seit 1998 mehrmals zu Wendepunkten im Markt gekommen ist. Dass der Dax bei seinen Zwischenerholungen im August und Anfang September nicht mehr bis an die obere Linie seines Abwärtstrends (7) vordringen konnte, ist ein weiteres Warnsignal. Damit steigt die Gefahr, dass der Index nun die untere Linie seines Abwärtskanals ansteuert (8). Die verläuft derzeit bei 5.500 Punkten und trifft im Oktober bei 5.400 Punkten auf die nächste Unterstützungslinie (9). Spätestens hier sollten die Kurse dann zu einer Gegenbewegung starten.

Am steilsten nach unten im Dax geht es derzeit mit den Finanzwerten. Fängt sich der Gesamtmarkt, sind hier zwar schnelle Erholungen möglich, ein nachhaltiger Aufwärtstrend ist aber nicht in Sicht. Etwas besser sehen zyklische Schwergewichte wie Daimler oder Siemens aus, dennoch steht auch hier die Bodenbildung aus. Dass nun selbst Defensivwerte wie E.On, RWE oder Linde angeschlagen sind, ist kein gutes Zeichen. Erster Kaufkandidat könnte ThyssenKrupp werden. Die Angst vor hohen Erzpreisen und einem Ende der Stahlkonjunktur ließ den Kurs seit Frühjahr um die Hälfte absacken. Doch selbst wenn die Gewinne im Geschäftsjahr 2008/09 etwas schwächer ausfallen sollten, wäre die Aktie mit einem KGV von dann fünf bis sechs billig. Dass Thyssen die Dividende von 1,30 Euro kürzt, ist wenig wahrscheinlich. Schon bei Kursen um 22 Euro wären das 5,9 Prozent Rendite. Wer sich zwischen 18 und 22 Euro auf die Lauer legt, bekommt einen günstigen Zykliker mit Substanz.

Schon jetzt auffallend stabil ist die Aktie von Bayer . Mit Recht. Die Zulassung des Gerinnungshemmers Xarelto ist ein Meilenstein für das Pharmageschäft, die Pflanzenschutzmittel profitieren von weltweit steigender Nachfrage. Dass Bayer als Übernahmekandidat etwa für Pfizer gehandelt wird, hilft zusätzlich.

13 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.10.2008, 15:20 UhrAnonymer Benutzer: power

    es kann nur weiter nach unten gehen. Es ist kein Geld mehr vorhanden um die Kurse nach oben zu treiben. Die investmentbranche ist am boden und jetzt geht der Fahrstuhl für die reale Wirtschaft erst richtig bergab. Put ist die einzige Alternative. Allerdings habe ich Angst, das der Herausgeber bald Pleite sein wird. Gut Nacht

  • 25.09.2008, 11:02 UhrAnonymer Benutzer: jr

    @ portfolio&klaus f.: niveauvolle diskussion, leider zu selten hier.
    @ pseudonym: jeder der geld an der börse anlegt spekuliert irgendwo, welchen grund der anleger tatsächlich angibt ist nur dann ein anderer. es gibt zwar auch ehrenamt (wo die belohnung eben eine andere ist), aber i.d.r. bedarf es einen finanziellen reiz...

    ansonsten beruht charttechnik (ct) nicht nur auf linien anlegen! die preise entstehen aus angebot und nachfrage, wenn ich mich recht entsinne. hier bieten eine reihe von indikatoren bspw. hilfe, welche seite überwiegt. und die psychologie der masse lässt sich mit der ct eben sehr gut lesbar machen. wer allerdings blind vertraut wird eines besseren belehrt. daher gibt es ja noch werkzeuge wie stop loss & stop buy. aber jeder hat sicher seine eigene philosophie... und der erfolg gibt jeweils recht. wobei wir wieder beim finanziellen anreiz sind und spekulieren.
    das mit der sonne von portfolio gefällt mir. welches konzept verfolgt also die "wallstreet"? mal schnell 700 mrd $ verdienen?

  • 24.09.2008, 19:35 UhrAnonymer Benutzer: Klaus F.

    @Portfolio :-)

    Also doch ein Glaubenskrieg!? (schmunzel)

    bleibt noch zu klären: Haben Sie sich jemals intensiv mit der Charttechnik befasst?

    Wenn ja und Sie sind für sich zu dem Schluss gekommen – alles Mumpitz – dann Finger weg! Man sollte selbstverständlich auch zu seiner Handelsstrategie stehen.

    Wenn nein, dann unterhalte ich mich gerade mit einem blinden über die Farben.

    Nichts für Ungut @Portfolio. interessante, sachliche kontroverse und vor allem eine freundlich geführte Diskussion. Selten in diesem anonymem Medium inet ;-)

    Klaus F.

    p.s.: Um irgendwelchen Vermutungen entgegen zu wirken. ich arbeite/handle nicht professionell, sondern rein privat auf eigene Kosten! Keine Veröffentlichungen und schon gar nicht gegen bezahlung! Nachfrage also zwecklos.

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