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China: Banker und Unternehmer gehen hohe Risiken ein

von matthias.kamp@wiwo.de

Chinas Banken und Unternehmen fahren eine immer riskantere Kreditpolitik. Die Staatsführung hat eine Reform des Finanzsektors angemahnt. Die Behörden sind in Alarmbereitschaft. Auch im Immobilienmarkt lauern Gefahren.

Hafen von Shanghai: China könnte 2008 Deutschland als Exportweltmeister ablösen,  Reuters
Hafen von Shanghai: China könnte 2008 Deutschland als Exportweltmeister ablösen, Foto: Reuters

Hu Jintao klang besorgt, als er sich vor wenigen Tagen erstmals öffentlich zu den Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten äußerte. „Ein gesunder Kapitalmarkt und angemessene Schutzmaßnahmen gegen finanzielle Risiken“, so Chinas Staats- und Parteichef an die Adresse der heimischen Finanzbranche, „sind Voraussetzungen für eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung“. Die Reformen im chinesischen Finanzsektor, mahnte Hu eindringlich, müssten noch schneller vorangetrieben, die Aufsicht in Unternehmen und Banken deutlich verbessert werden. Die Unruhe der chinesischen Führung ist verständlich. Trotz aller Reformen bei Banken und Börsen, trotz der massiven Rekapitalisierung der chinesischen Kreditinstitute in den letzten Jahren, ist die Branche bei weitem nicht frei von Risiken. Vor allem beim Risikomanagement und der Bankenaufsicht hapert es noch gewaltig. Was die chinesische Regierung derzeit in besondere Alarmbereitschaft versetzt, ist der immer stärker zunehmende Missbrauch von Geschäftskrediten. Zwischen 10 und 20 Prozent aller Kredite, schätzen chinesische Behörden, verwenden die Unternehmen nicht, wie vertraglich mit der Bank vereinbart, für Erweiterungsinvestitionen oder die Anschaffung neuer Machinen, sondern um schnellen Profit zu machen: Die Firmen spekulieren mit den Krediten an der Börse. „Um den Schein zu wahren, gießen sie mit einem Drittel des Geldes irgendwo auf der Wiese ein neues Fundament“, skizziert ein deutscher Finanzexperte in Peking einen typischen Fall, „der Rest wandert in Aktien.“ Die Verlockung auf seiten der Firmen ist groß, hat doch der Index der wichtigsten chinesischen Aktien im laufenden Jahr bereits um mehr als 150 Prozent zugelegt. Ursache für die steigende Zunahme des Kreditmissbrauchs ist aber auch das noch immer mangelhaft ausgeprägte Risikomanagement bei den Banken. Nur in seltenen Fällen schaut sich ein Banker ein Unternehmen von innen an. Darüber hinaus sehen sich viele Kreditinstitute einem wachsenden Gewinndruck ausgesetzt, seit sie in den vergangenen Jahren teilprivatisiert wurden. Erschwert wird die Lage der Banken zudem durch das derzeitige Zinsniveau: Die Zinsen für Einlagen liegen höher als die Kreditzinsen.

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