
Unbegrenzt Geld für nur 1,0 Prozent Zins! Erstmalig für ein ganzes Jahr! Das Angebot der Europäischen Zentralbank (EZB) am 24. Juni stieß bei den Banken auf großes Interesse. Sie besorgten sich 442 Milliarden Euro frisches Geld, das entspricht nahezu fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Euro-Zone im Jahr 2008. Doch einen großen Teil der neuen Gelder deponierten die Banken sofort wieder bei der EZB – obwohl dies für sie bei 0,25 Prozent Einlagezins ein Verlustgeschäft ist.
Manche Politiker und Experten klagen daher einmal mehr, das Geld komme bei Unternehmen nicht an. Man müsse mehr Druck auf die Banken ausüben oder sie umgehen und weiteres Geld direkt in die Wirtschaft pumpen. Gleichzeitig werden aber auch Stimmen laut, dass die aktuelle Liquiditätsschwemme bereits das Risiko einer neuen Spekulationsblase in sich trage. Einige beschwören eine hohe Inflationsgefahr und fordern den Ausstieg aus der unkonventionellen Geldpolitik. Was ist nun richtig? Benötigt Euroland noch mehr Liquidität als Schmiermittel, sodass das Wirtschaftsgetriebe wieder rund läuft? Oder muss die EZB die Liquidität wieder abschöpfen, damit Aktien-, Immobilien- und Güterpreise nicht erneut die Bodenhaftung verlieren?
Spielraum ist begrenzt
Wichtig ist, klar zwischen der akuten Krisenbekämpfung heute und Maßnahmen zur Krisenvermeidung in der Zukunft zu unterscheiden. Auf die Verschärfung der Finanzkrise im Herbst 2008 und den dramatischen Konjunktureinbruch reagierten die Notenbanken weltweit mit drastischen Leitzinssenkungen. Dieser Spielraum ist jedoch begrenzt. Geldmarktzinsen fallen nicht unter null, sonst würden Anleger lieber Bargeld horten. Für Unternehmer, die neue Projekte finanzieren wollen, zählt die reale Verzinsung. Wenn sie wegen der Nachfrageschwäche mit fallenden Absatzpreisen rechnen müssen, können sie auch den scheinbar günstigen Kredit nicht mehr zurückzahlen. Ihr Investitionsverzicht verstärkt die Rezession und den Preisverfall. Die Notenbank muss dem deflationären Druck mit zusätzlichen Maßnahmen entgegenwirken.
Der jüngste Vorstoß der EZB ist ein Beispiel dafür. Längerfristige Geldmarktzinsen liegen in der Regel über dem Tagesgeldsatz und damit weiter weg von der Nullzinsgrenze. Die EZB hat diesen Spielraum genutzt, um die längerfristigen Zinsen nach unten zu drücken. Inzwischen liegt sogar der Euribor-Zins, also der Preis für nicht besichertes Einjahresgeld am Geldmarkt, unter dem vergleichbaren US-Zins. Am Geldmarkt sind die Risikoprämien seit Herbst deutlich zurückgegangen. Seit März haben auch die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen stark nachgegeben.








