Denkfabrik: Unmittelbare Gefahr

Denkfabrik: Unmittelbare Gefahr

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Stefan Schilbe, 39, ist Chefvolkswirt des Bankhauses Trinkaus und Mitglied im Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bundesverbands deutscher Banken

Treibt die Finanzkrise die Inflation weiter in die Höhe? Nein, sagt Stefan Schilbe. Stattdessen droht in den USA eine verschärfte Asset-Preis-Deflation, die den Konsum abwürgt.

Die Finanzkrise und die radikalen Umwälzungen im US-Bankensystem haben ein zentrales Problem der US-Wirtschaft vorübergehend in den Hintergrund treten lassen – die hohe Inflation. Nicht wenige Experten erwarten, dass das milliardenschwere Rettungspaket der US-Regierung das Inflationsklima in den USA noch ungemütlicher machen könnte, als es ohnehin schon ist. Im Juli stiegen die Verbraucherpreise mit 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr so stark wie zuletzt Anfang 1991.

Im August lag die Teuerungsrate mit 5,4 Prozent nicht viel niedriger. Das weckt unangenehme Erinnerungen an die Siebzigerjahre. Müssen wir uns in der größten Volkswirtschaft der Welt dauerhaft auf hohe Inflationsraten einrichten – mit all ihren negativen Konsequenzen für die Konjunktur?

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Ich bezweifle dies. Zunächst ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass der Ölpreis vorerst seinen zyklischen Höhepunkt überschritten hat. Zusammen mit dem Preisrutsch bei anderen Rohstoffen sollte dies für einen Rückgang der Jahresteuerung sorgen. Entscheidender ist die Tatsache, dass in den USA bislang Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale wie in den Siebzigerjahren fehlen.

Die Stundenlöhne wachsen derzeit mit 3,4 Prozent gegenüber Vorjahr deutlich unterhalb der Inflationsrate. Auf Sicht der nächsten Monate dürfte sich der Verhandlungsspielraum der Arbeitnehmer für Lohnsteigerungen eher verschlechtern, da die Arbeitslosenquote – ohnehin schon von 4,4 auf 6,1 Prozent gestiegen – angesichts der aktuellen Krise bis Ende 2009 weiter klettern dürfte.

Darüber hinaus ist das gegenwärtige Umfeld nicht gerade charakteristisch für einen nachfrageinduzierten Teuerungsschub. Auf dem Aktienmarkt lösten sich seit dem Höhepunkt 2007 gut drei Billionen US-Dollar in Luft auf. Noch schwerer wiegt der fast 20-prozentige Rückgang der Hauspreise, der einem Vermögensverlust von rund 3,6 Billionen Dollar entspricht.

Inzwischen liegen auf Basis des Case/Shiller-Hauspreisindikators im Schnitt alle Hausbesitzer, die nach dem zweiten Quartal 2004 gekauft haben, im Minus. Käufer, die 2005 und 2006 die populären Vollfinanzierungen genutzt haben, sehen sich nun mit einem negativen Beleihungswert konfrontiert: Der Wert ihrer Immobilie ist mittlerweile geringer als der geschuldete Kreditbetrag.

Ein Ende des Preisverfalls ist nicht in Sicht: Die Anzahl an unverkauften Häusern und Apartments hat sich seit 2005 trotz des bereits eingetretenen Preisrückgangs auf 4,7 Millionen Einheiten mehr als verdoppelt. Der Rekordbestand trifft auf einen rapide schrumpfenden Pool an kaufwilligen und vor allem -fähigen Interessenten.

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