Dennis Snower (IfW): "Ursachen der Finanzkrise nicht bereinigt"

InterviewDennis Snower (IfW): "Ursachen der Finanzkrise nicht bereinigt"

Bild vergrößern

Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower

von Mark Fehr

Der US-Ökonom und Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, sieht ein erhöhtes Risiko für eine neue Krise. Dabei räche sich, das die Ursachen des zurückliegenden Finanzcrashs nicht beseitigt wurden.

Die weltweiten Börsen haben einen Schwarzen Freitag erlebt. Stürzen die Märkte nun in eine neue Finanzkrise?

Snower: Das Risiko für eine neue Krise hat sich tatsächlich erhöht. Dabei rächt sich jetzt, dass die Ursachen der vergangenen Finanz- und Wirtschaftskrise nicht bereinigt wurden. Immer noch existieren systemrelevante Banken - also besonders große und global verflochtene Institute - deren Absturz das gesamte internationale Finanzsystem mitreißen könnte. Zudem lagern nach wie vor zahlreiche faule US-Immobilienkredite in den Bilanzen.

Anzeige

Europas Banken sind beim jüngsten Stresstest glimpflich davon gekommen. Können die europäischen und deutschen Kreditinstitute einer neuen Vertrauenskrise widerstehen?

Snower: Der diesjährige Stresstest hat eine ebenso geringe Aussagekraft wie der des vergangenen Jahres. Er hat den Märkten deshalb kein Vertrauen in die Widerstandsfähigkeit des europäischen Bankensektors geschenkt. Wenn das Misstrauen der Investoren gegenüber Griechenland und Portugal nun auch Spanien und Italien ansteckt, dürfte der jetzige europäische Rettungsschirm nicht ausreichen.

Die Europäische Zentralbank saugt weiter kriselnde Staatsanleihen vom Markt. Kann Trichet damit das Vertrauen der Investoren wieder herstellen?

Snower: Die EZB kann das Problem nicht alleine lösen, die Regierungen der Krisenstaaten müssen ebenfalls handeln. Zwar kann die Zentralbank Märkte und Staaten mit Liquidität versorgen, doch das löst die Ursache der Euro-Krise nicht - nämlich die Zweifel an der Solvenz und Zahlungsfähigkeit von Regierungen. Diese Zweifel können die Politiker nur ausräumen, indem sie ihre Etats konsolidieren und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf Wachstum ausrichten.

Steht eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft bevor?

Snower: In China schwächt sich das hohe Wachstum ab, eine harte Landung ist derzeit aber nicht zu befürchten. Gefährlich könnte es allerdings werden, wenn sich Peking in großem Stil von seinen Dollarreserven trennt, was den Greeback in die Tiefe rauschen lassen könnte.

Der Sparkurs in den USA könnte die Weltwirtschaft abwürgen. Was wären die Folgen für Deutschland - und wie robust ist die globale Konjunktur?

Snower: Wenn die Amerikaner ihren Staatshaushalt konsolidieren wollen, müssten sie eigentlich 4 Billionen Dollar sparen, statt wie bisher geplant nur 1,2 Billionen Dollar. Angesichts der aktuellen Lage kann man es allerdings als einen Glücksfall für die Weltkonjunktur bezeichnen, dass der amerikanische Sparkurs nicht so streng gefahren wird. Auswirkungen auf die deutsche Konjunktur sind nur zu erwarten, wenn sich die schrumpfende US-Nachfrage in Form eines Schneeballeffekts auch auf andere wichtige Handelspartner Deutschlands auswirkt.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%