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Deutsche Börse-Nyse Euronext: Die Sieger und Verlierer der neuen Megabörse

von Hauke Reimer, Christof Schürmann, Angela Hennersdorf, Niklas Hoyer, Gerhard Bläske und Yvonne Esterházy

Die Börsen in Frankfurt und New York wollen zusammengehen. Warum beide die Fusion brauchen, welche Hürden noch zu meistern sind, wer bei der Fusion gewinnt und wer verliert.

Der Vorstandsvorsitzende der Quelle: dpa
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Reto Francioni Quelle: dpa

Frankfurts Börsenchef Reto Francioni hatte sich auf einen beschaulichen Mittwoch eingestellt. Auf dem Terminkalender stand unter anderem ein Fototermin – für ein neues Porträt, das den Geschäftsbericht der Deutschen Börse schmücken soll. Doch am Nachmittag sickerten auf den Aktienmärkten erste Gerüchte über „Projekt Gamma“ durch, die geplante Fusion zwischen Deutscher Börse und der transatlantischen Nyse Euronext. Bei der Börse liefen die Telefone heiß, der Handel in beiden Aktien musste unterbrochen werden, Francionis Fototermin wurde abgesagt. Frankfurt und New York veröffentlichten hastig eine Erklärung: „Deutsche Börse und Nyse Euronext bestätigen fortgeschrittene Gespräche über Zusammenschluss.“

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Gamma ist der dritte Buchstabe des griechischen Alphabets, und es ist der dritte Versuch der Deutschen Börse, eine Fusion mit Nyse Euronext hinzubekommen. 2008 und 2009 war Francioni abgeblitzt. Diesmal muss es klappen.

Aktionäre der Deutschen Börse sehen den jovialen Schweizer gleich doppelt unter Druck: Zum einen musste die Börse insgesamt rund 870 Millionen Euro auf die von Francioni viel zu teuer in den USA eingekaufte Terminbörse ISE abschreiben, zum anderen wuchs die Börse zuletzt nur noch schwach. In den ersten neun Monaten 2010 fiel der Gewinn vor Steuern und Zinsen sogar, von 804 Millionen Euro im Vorjahr auf 747 Millionen Euro. „Früher oder später wäre die Börse zum Übernahmeziel geworden, das könnte Francioni nun abwenden“, sagt ein Londoner Hedge-fonds-Manager. Auch persönlich wäre der Deal für ihn wichtig. Er, der in Frankfurt den Ruf eines beschaulichen Verwalters hat, wäre plötzlich der große Deal-maker und Visionär.

Vermögensbildung in Asien

Francioni hatte schon im vergangenen Sommer persönlich seinem New Yorker Gegenüber Duncan Niederauer, Chef der Nyse Euronext, eine Fusion schmackhaft gemacht. Mit einem Marktwert von 19 Milliarden Euro entstünde die wertvollste Börse der Welt. „Zusammen verstärkt sich ihre Schlagkraft enorm. Alles geht in ein Handelssystem, das hat Vorteile für beide Seiten“, sagt Michael Vinciquerra, Analyst bei BMO Capital Markets in Atlanta. Chris Turner, Analyst von Goldman Sachs in London, schätzt, dass der neue Börsenriese 10,8 Prozent weniger an IT-, Verwaltungs- und Technologie-Aufwendungen für seine Geschäfte haben wird. Das kombinierte Unternehmen würde inklusive dieser Synergien 2012 geschätzte 2,4 Milliarden Dollar Nettogewinn erzielen.

Gemessen am aktuellen gemeinsamen Börsenwert, läge das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012 bei moderaten 10,7. „Neben der günstigeren Kostenbasis dürften Nyse und Deutsche Börse gemeinsam auch höhere Umsätze erzielen, insbesondere im globalen Clearing“, sagt Roland Pfänder, Analyst bei der Commerzbank. Clearingstellen wie die Luxemburger Deutsche-Börse-Tochter Clearstream verrechnen Wertpapiertransaktionen und sichern Ausfallrisiken aus Börsengeschäften ab.

Vor allem in China will das vorerst noch New Co. genannte Gebilde – auf einen Namen muss man sich noch einigen – punkten. Die großen chinesischen Börsen dürften bei ihrer Suche nach Partnern wohl kaum an der dann größten Börse der Welt vorbeikommen. „Asien ist der Platz, an dem derzeit Vermögen gebildet wird“, sagt Klaus Kaldemorgen, Chef des Aktienfondsmanagements bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS. „Eine größere Einheit ist in der Lage, dort einfacher Fuß zu fassen. Die Börsenbetreiber finden dort ein Wachstum, das es in ihren Heimatmärkten nicht mehr in dem Maße gibt.“

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11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.02.2011, 21:42 UhrAnonymer Benutzer: shadow dancer

    Wenn unsere beklppten banken mal anstatt PiGS-Staatsanleihen mehr deutsche Aktien kaufen würden, müßten wir auch keine Angst haben !!!! Deswegen ist mir die WEST Lb auch egal !

  • 14.02.2011, 21:42 UhrAnonymer Benutzer: shadow dancer

    Wenn unsere beklppten banken mal anstatt PiGS-Staatsanleihen mehr deutsche Aktien kaufen würden, müßten wir auch keine Angst haben !!!! Deswegen ist mir die WEST Lb auch egal !

  • 14.02.2011, 19:20 UhrAnonymer Benutzer: Charly

    " Eine Hochzeit die im Himmel gefeiert wird " - würde dem Daimler-Chrysler sein Jürgen formulierern !

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