Dieter Manz im Interview: "Wir galten als Spinner"

Dieter Manz im Interview: "Wir galten als Spinner"

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Der Chef des Solar-Anlagenherstellers Manz, Dieter Manz

Dieter Manz führt den Solar-Anlagenhersteller Manz, der jetzt in den TecDax startet. Die zuletzt gefallene Gewinnmarge will er 2009 auf 15 Prozent heben.

WirtschaftsWoche: Herr Manz, am 22. September kommt Ihr Solar- und LCD-Anlagenbauer Manz Automation in den TecDax – genau zwei Jahre nach dem Börsengang. Den Börsenwert haben sie seitdem verfünffacht. Doch im ersten Halbjahr 2008 sank die Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern von rund 15 auf 11,8 Prozent. Ist das Beste schon vorbei?

Manz: Die TecDax-Aufnahme ist für uns ein Riesenerfolg, und für unser Geschäft sind wir weiter optimistisch. Der Rückgang der Marge liegt an den drei Übernahmen, die wir zum Ausbau der Kapazität getätigt haben. Wir haben das Ziel, bis Ende 2009 unsere alte Marge wiederherzustellen.

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Der Kauf des taiwanischen LCD- und Chipanlagenbauers Intech, der slowakischen Firma Böhm und des kleinen deutschen Anbieters Majer brachten 20 Millionen Euro Umsatz pro Quartal, aber kaum Gewinn. Wozu das Ganze?

Wir werden 2008 den Umsatz mehr als verdreifachen, auf 235 bis 240 Millionen Euro. Der Kapazitätsausbau ist für uns oberstes Thema, daher waren die Übernahmen notwendig. Die Firmen waren teils in weniger profitablen Geschäften tätig. Die wollen wir zurückfahren, um die Produktionskapazität für das Solar- und LCD-Geschäft zu nutzen.

Wie kommen Sie voran und wie groß soll die Auslastung mit Ihrem Stammgeschäft bei den übernommenen Firmen 2009 sein?

In der Slowakei rechne ich für das kommende Jahr mit 90 Prozent Solargeschäft. In Taiwan werden wir nicht zu 100 Prozent Solarmaschinen fertigen, weil das LCD-Geschäft auch attraktiv ist. Hier gibt es große Synergien zu Maschinen für Dünnschicht-Solarzellen, die dieses Jahr vielleicht bereits einen größeren Teil unseres Solargeschäfts ausmachen als die Maschinen für herkömmliche Solarzellen. Hier sind wir weltweit führend mit 60 Prozent Marktanteil bei einem der Hauptgeräte.

Was bedeutet die Zunahme der Dünnschicht-Technik für Ihren Gewinn?

Die Margen im Dünnschicht-Geschäft sind höher als beim Kristallsolargeschäft. Branchenbeobachter erwarten zudem in den kommenden Jahren 70 bis 80 Prozent Marktwachstum.

Derzeit brechen große US-Broker zusammen, andere Banken werden ihre Kreditvergabe einschränken. Das müssten die Käufer Ihrer Produktionsanlagen doch spüren. Rücken Sie angesichts dieser Lage von Ihrer Umsatzprognose ab?

Überhaupt nicht. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Kunden Aufträge stornieren oder verzögern. Auch für 2009 sind wir trotz der Finanzkrise optimistisch. Viele Kunden können Investitionen abseits von Bankkrediten finanzieren, sie sind teils selbst an der Börse. Daher wird das Kapitalmarktumfeld eine gewisse Rolle spielen. Wir machen im laufenden Jahr mehr als die Hälfte unseres Umsatzes in Asien: Hier sind viele Kunden große Konzerne, die ausreichend Geld haben.

Wie lange reicht das Geld aus der Kapitalerhöhung vom Juni, angesichts Ihrer Ausbaupläne?

Wir haben einen Teil der Kapitalerhöhung für Akquisitionen verwendet, halten aber den größten Teil noch als Cash. Wir haben weitere Übernahmeziele und reden mit Unternehmen, die uns technologische Vorteile im Solargeschäft verschaffen. Hier wird es in absehbarer Zeit eine weitere Akquisition von uns geben, aber nicht unbedingt im laufenden Jahr.

Zusammen mit Ihrer Frau und einem Vorstandsmitglied, das 3,35 Prozent der Aktien hält, besitzen Sie die Mehrheit an Manz. Können Sie sich vorstellen, die Mehrheit abzugeben?

Für die nächsten Jahre ist es für mich undenkbar, aus dem operativen Geschäft auszusteigen. Daher werde ich nicht an einen Mehrheitseigner verkaufen.

Ihre Anteile sind fast 250 Millionen Euro wert. Warum stehen Sie morgens noch früh auf?

Mir geht es nicht nur um Geld, sondern auch darum, etwas Sinnvolles zu tun. Als ich vor 20 Jahren anfing, hat uns keiner ernst genommen, wir galten als grüne Spinner. Heute ist Solarstrom fast ohne Subventionen wettbewerbsfähig. Jetzt wo es richtig losgeht, sehe ich keinen Grund, auf den Golfplatz zu wechseln.

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