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Direktbank: NIBC sammelt deutsches Spargeld

von Von Nicole Bastian Quelle: Handelsblatt Online

Mit Zinssätzen von fünf Prozent für Tages- und Termingeldkonten woll das niederländische Finanzinstitut NIBC in Deutschland auf Kundenfang gehen. Die Direktbank startet in einem schwierigen Marktumfeld und hofft dennoch das Vertrauen der Deutschen in ausländische Banke wieder herzustellen.

FRANKFURT. Mitten in der Finanzkrise drängt mit der niederländischen Bank NIBC ein neuer Spieler auf den deutschen Sparermarkt. Seit gestern bietet die auf Mittelstands- und Spezialfinanzierung fokussierte Bank über das Internet Tages- und Termingeldkonten an. Mit Zinssätzen ab fünf Prozent hofft das Institut, deutsche Spareinlagen zu sammeln. Diese sollen dazu beitragen, die Refinanzierungsbasis der Bank zu verbreitern, sagte der stellvertretende Vorstandschef der NIBC, Jan van Nieuwenhuizen, dem Handelsblatt.

Im September hatte NIBC auf dem niederländischen Heimatmarkt ein ähnliches Angebot gestartet und nach eigenen Angaben rund eine Mrd. Euro an Einlagen eingesammelt. Zum Vergleich: Die Bilanzsumme des Instituts beträgt knapp 27 Mrd. Euro. "Wir hoffen, in Deutschland ein ähnlich gutes Ergebnis zu erzielen", sagte Franz Plesser, der das Deutschlandgeschäft verantwortet. Bisher hat sich die Bank, die einem Konsortium aus mehreren Investoren wie Santander oder ABN Amro unter Führung von J.C. Flowers gehört, in Deutschland auf die Finanzierung von Unternehmen, Immobilien und Infrastrukturprojekten spezialisiert.

NIBC startet in schwierigen Zeiten, denn angesichts der Probleme der isländischen Direktbank Kaupthing Edge, deren gut 30 000 deutsche Kunden seit der Verstaatlichung des Mutterkonzerns im Oktober auf die Rückzahlung ihrer Einlagen warten, ist das Vertrauen vieler Deutscher in ausländische Banken angekratzt. NIBC hatte den Deutschlandstart der Direktbank deshalb auch von Ende vergangenes auf dieses Jahr verschoben.

Doch mittlerweile scheint sich die Verunsicherung zumindest teilweise gelegt zu haben. Zusätzliche Einlagenabsicherungen, die einige Staaten im Herbst verkündeten, haben dazu beigetragen. Eine Sprecherin der niederländischen Credit Europe Bank in Deutschland, die ebenfalls über das Internet Spargelder sammelt, berichtet, es habe im Herbst "für wenige Wochen eine deutliche Delle" gegeben. Mittlerweile aber sehe die Bank wieder "starke Zuwächse" der Einlagen, sogar über dem Vorherbstniveau. Auch der Leiter des Deutschlandgeschäfts der indischen ICICI, Hitesh Sethia, beobachtet nach den Verunsicherungen der Kunden im Herbst in den vergangenen Wochen wieder deutlich steigende Einlagen. Konkrete Volumina nennen beide nicht.

Den Anlegern seien die Unterschiede zwischen einzelnen Instituten und Ländern in der Absicherung ihrer Einlagen jetzt klarer, meint Hans-Joachim Michel, der das NIBC-Direktbankengeschäft in Deutschland verantwortet. So verweist NIBC darauf, dass die Niederlande ihren Einlagensicherungsschutz im Oktober für ein Jahr auf 100 000 Euro angehoben haben. Die isländische Entschädigungseinrichtung hingegen deckt weniger als 21 000 Euro ab.

"Der Verbraucher sollte genau darauf achten, für wie lange und in welcher Höhe die Beträge, die er anlegt, abgesichert sind", rät Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale-Bundesverband. "Gleichzeitig sollte er die Risiken vielleicht auf mehrere Institute oder sogar Systeme verteilen, also nicht alles auf eine Karte setzen, um im Sicherungsfall durch eine verzögerte Auszahlung keinen Schaden zu nehmen." In der Europäischen Union wird derzeit eine EU-weite Anhebung des Mindest-Einlagenschutzes diskutiert.

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