
ATHEN. Eine mögliche Herabstufung der griechischen Banken durch die internationalen Ratingagenturen könnte die Kurse weiter drücken. Die Ratingagentur Moody?s hat bereits eine Überprüfung ihrer Bewertung der Athener Geldinstitute angekündigt. Moody?s gibt den griechischen Banken bisher höhere Bonitätsnoten als dem Staat Griechenland - eine Diskrepanz, die nicht von Dauer sein wird und schon bald zu einer Herabstufung der Banken führen könnte.
Auch die Ratingagentur Fitch äußerte sich skeptisch zu den Aussichten der griechischen Banken. Bisher haben sich die Institute bei der Geldbeschaffung in erheblichem Umfang auf die billigen Kredite der Europäischen Zentralbank (EZB) verlassen. Sie haben sich bei der EZB rund doppelt so viel Geld geliehen, wie es dem wirtschaftlichen Gewicht Griechenlands in der Euro-Zone entspräche. Die Institute hätten deshalb keine unmittelbaren Liquiditätsprobleme, stellt das Finanzhaus Fitch in einer Studie fest; die griechischen Banken müssten sich jedoch rechtzeitig nach anderen Quellen umsehen, mahnt Fitch. Noch akzeptiert die EZB krisenbedingt Bonds bis zu Bewertung "BBB" als Sicherheiten. Voraussichtlich Ende dieses Jahres will die EZB aber wieder zu der früheren Regelung zurückkehren, wonach nur Staatspapiere mit einem "A"-Rating als Sicherheit taugen. Derzeit bewertet nur noch Moody?s griechische Bonds mit "A2". Eine weitere Herabstufung ist aber nicht ausgeschlossen. Die anderen beiden Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor?s haben Griechenland bereits aus der A-Kategorie verbannt und mit dem Ausblick "negativ" weitere Herabstufungen angedeutet.
So ist es für die Banken schwierig, neue Geldquellen zu erschließen. Die Konditionen für eigene Anleihen der Geldhäuser leiden unter der allgemeinen Schuldenkrise des Landes. Die Einlagen ließen sich nur über einen für die ganze Branche ruinösen Zinswettbewerb steigern. Die Hoffnung auf eine Initiative der Regierung zur Repatriierung von Fluchtgeldern ist eher gering: eine solche Amnestie hatte schon 2004 keinen Erfolg.
Ein weiterer Anlass zur Sorge für den Bankensektor sind die Pläne der Athener Wirtschaftsministerin Louka Katseli, private Haushalte, die ihre Verbraucherkredite und Hypotheken nicht mehr bedienen können, stärker zu schützen. In der Finanzbranche gibt es erheblichen Widerstand gegen die Pläne der Ministerin. Auch Fitch sieht die Gefahr, dass die geplante Regelung zu einem starken Anstieg der faulen Kredite führen und die Bank-Bilanzen erheblich belasten würde. Angesichts dieser Ungewissheiten sind die griechischen Banken jetzt bei der Kreditvergabe übervorsichtig. Aktuell ist nach Informationen aus Branchenkreisen bereits etwa jedes zehnte Darlehen notleidend. Bei den Kreditkarten liege die Ausfallquote sogar doppelt so hoch, berichten Insider. Die Zurückhaltung bei der Kreditvergabe bremst die ohnehin schwache griechische Konjunktur, die in diesem Jahr allenfalls stagnieren dürfte.
Die Liquiditätsprobleme der Banken werden so lange im Raum stehen, wie der Druck auf die griechischen Staatsleihen anhalte, meint der Athener Börsenhändler Andreas Kontogouris. Schon vom EU-Sondergipfel diesen Donnerstag und vom Finanzministertreffen in der kommenden Woche könnten aber Impulse zu einer Beruhigung der Märkte ausgehen, meint Kontogouris.








