Emirat Abu Dhabi: Die neuen Mächtigen bitten Daimler zur Kasse

KommentarEmirat Abu Dhabi: Die neuen Mächtigen bitten Daimler zur Kasse

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Stern auf dem Kühlergrill eines Mercedes: Der von der Absatzkrise gebeutelte Autobauer Daimler hat sich das Emirat Abu Dhabi als Großaktionär ins Haus geholt.

Wer jetzt noch Geld hat, ist König. Neuerdings kassieren daher nicht nur die Banken, sondern Großinvestoren bei Kapitalerhöhungen. So wie das Emirat Abu Dhabi, das beim Daimler-Einstieg einen satten Rabatt einstreicht.

Das hat sich erstmal gelohnt: Die Investmentbesellschaft Aabar des Emirats Abu Dhabi steigt im Rahmen einer Kapitalerhöhung bei Daimler ein, für 20,27 Euro pro Aktie. Das entspricht einem Rabatt von fünf Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag. Allerdings sind die Papiere nicht dividendenberechtigt, was den Rabatt auf gut zwei Prozent reduziert. Montagmorgen sprang der Daimler-Kurs um sechs Prozent in die Höhe. Die investierten 1,95 Milliarden Euro der Araber für neun Prozent an Daimler haben über das Wochenende 230 Millionen Euro an Börsenwert gewonnen. Nicht schlecht für den Anfang, auch dank des Einstiegs-Rabatts für den Großinvestor.

Derzeit ist wegen großer Kapitalerhöhungen wie bei Daimler von ersten Hoffnungszeichen für Investmentbanker die Rede. Denn Daimler ist mit der Milliardenspritze nicht allein: Der Bankkonzern HSBC zum Beispiel genehmigt sich umgerechnet 13,6 Milliarden Euro, das ist die größte Kapitalerhöhung der britischen Wirtschaftsgeschichte. Die Betreuer von Aktienemissionen verdienen gut daran: Die 4,4 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung des Minenbetreibers Xstrata kostete zum Beispiel Gebühren von umgerechnet 135 Millionen Euro.

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Allein in London werden in den kommenden Wochen Kapitalerhöhungen von 32 Milliarden Euro erwartet. Bei Gebühren von drei Prozent des Emissionsvolumens ist demnach eine Milliarde Euro zu verdienen. Strategen wittern Morgenluft für die angeschlagenen Banken.

Finanzinvestoren mit Geld können in der Krise abkassieren

Doch für die Banken gibt es ein Problem: Die Gebühren gehen oft nicht komplett an sie – sondern zu einem großen Teil an Finanzinvestoren und Unternehmen, die trotz der Krise noch Geld haben. „Großinvestoren, die bei Kapitalerhöhungen die Abnahme der Aktien garantieren, erhalten dafür eine Gebühr von zwei bis drei Prozent des Emissionsvolumens“, sagt Stephan Hutter, Partner und Leiter der Kapitalmarktpraxis bei der Wirtschaftskanzlei Shearman & Sterling in Frankfurt. „Dadurch hat die begleitende Bank kein Risiko, selbst Aktien übernehmen zu müssen.“

Solche sogenannten Backstop-Transaktionen seien ohne Prospekt möglich, wenn die Kapitalerhöhung unter zehn Prozent bleibe. „Das ist eine Notoperation“, sagt Hutter. Die übrigen Aktionäre leiden zwar unter der Verwässerung ihres Anteils und kommen nicht in den Genuss der Gebühren. Dafür, so die Rechtfertigung der Notaktion, profitierten aber auch sie davon, wenn das Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital verbessert wird.

Die Macht hat, wer trotz der Krise noch Milliarden investieren kann. Daher sind es oft diese Großaktionäre, die abkassieren, wenn ein angeschlagenes Unternehmen dringend frisches Eigenkapital braucht.

Banken sind machtlos gegen neue Konkurrenz

Die neuen Mächtigen herrschen auch diesseits des Ärmelkanals: So garantierte der indische Großaktionär Bajaj Auto die Kapitalerhöhung des österreichischen Motorrad-Herstellers KTM Power Sports.

Den Banken passt die neue Konkurrenz gar nicht – aber sie sind machtlos. „Wenn Banken kein Risiko mehr auf der Bilanz tragen können, die Aktionäre aber schon, dann muss es leider so sein, dass die Aktionäre sich das bezahlen lassen“, sagt ein hochrangiger Aktienemissionsbanker in London.

Eines hat sich nicht geändert: Privatanleger bleiben bei dem Gebührenspiel außen vor. Sie sollen schon froh sein, dass überhaupt jemand frisches Eigenkapital zur Verfügung stellt.

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