Engelmanns Eigenhandel: Ägypten und die Märkte

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Ägypten und die Märkte

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Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte bei der Citi

Eigentlich hätten Inflationsängste die Renditen der Bundesanleihen in den vergangenen Tagen viel stärker nach oben treiben müssen. Möglicherweise hält die Flucht sicherheitsbewusster Anleger, die eine Zuspitzung der geopolitischen Lage fürchten, die Renditen unten, spekuliert unser Kolumnist - und gönnt sich zuvor ein paar nostalgische Reminiszenzen über Urlaub in Nordafrika.

In den 80er Jahren, kurzum vor ewigen Zeiten, galt Tunesien unter deutschen Urlaubern noch als Geheimtipp! Der Krake des Massentourismus hielt zu dieser Zeit schon sämtliche Strände im sonnigen Süden Europas in seinem unerbittlichen Würgegriff und hatte so auch die einst mondäne italienische Riviera, jenen malerischen Küstenstreifen zwischen Genua und San Remo, vom letzten Rückzugsgebiet sich selbst für etwas Besseres haltender Individualtouristen zur Sonnenbank himmlischer Heerscharen vergnügungssüchtiger Pauschalreisender werden lassen. Wer im ewigen Kampf ums Prestige damals seinem Nachbarn in der heimatlichen Reihenhaussiedlung ein Schnippchen schlagen wollte, der buchte vierzehn Tage Hammamet - auch auf die Gefahr hin, sich in der Ödnis Nordafrikas zu Tode zu langweilen. Hauptsache, man konnte hinterher von sich behaupten, seinen Urlaub nicht am Teutonen-Grill oder irgendeiner spanischen „Playa de So-uünd-so“, sondern auf einem anderen Kontinent verbracht zu haben.  

Touristen-Leid

Zur bemitleidenswerten Kaste der Status-Reisenden zählte in jenen Tagen auch einer meiner zahlreichen, ungeliebten Verwandten. Getreu dem Motto, wonach Schadenfreude die schönste Freude ist, muss ich noch heute über das Missgeschick lachen, das jenem Verwandten die schicke Reise ins ferne Tunesien zu einer einzigen Tortur werden ließ. Frohgemut sprang der entfernte Erbonkel gleich zu Beginn seines Urlaubs in die Fluten des Mittelmeers und verlor in schwerem Seegang sogleich seine Brille. Die versank auf Nimmerwiedersehen auf dem Boden des Mittelmeers und ließ ihren Träger für den Rest der Sommerferien mit der Sehstärke eines Maulwurfs zurück. Einziger Vorteil jenes Unglücks: Die Ödnis der Landschaft und die Tristesse der gebuchten Hotelanlage sah der Onkel über zwei Wochen lang nur wie durch einen Weichzeichner. So blieben ihm zumindest ein paar schöne Erinnerungen an einen ansonsten misslungenen Urlaub. "Die Karawane zieht weiter", so lautet der Titel eines berühmten Kölschen Karnevalsschlagers. Und auch die Touristenkarawane, die in den 80er Jahren Tunesien mit Beschlag belegte, zog weiter. Sinkende Preise ließen Individual- wie Pauschaltouristen in noch entferntere Länder reisen. Nichtsdestotrotz ist der Tourismus für das nordafrikanische Land eine wichtige Einnahmequelle und somit neben der Textilindustrie ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geblieben. Doch die großen politischen Umwälzungen, die Tunesien seit kurzem erlebt, dürften den einheimischen Hoteliers die diesjährige Saison wohl verhageln. Denn welcher Tourist fährt schon gerne in ein Land, in dem Unruhen herrschen und gewalttätige Auseinandersetzungen noch bis vor kurzem auf der Tagesordnung standen?

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Pulverfass mit Lunte

Ähnlich dürfte es den Ägyptern ergehen. Im strategisch wohl wichtigsten Land Nordafrikas liegt ein Umsturz in der Luft. Das Feuer der Revolution und der Auflehnung gegen zum Teil Jahrzehnte regierende Machthaber ist von Tunesien auf Ägypten übergesprungen und droht nun, die südlichen Anrainerstaaten des Mittelmeers in einer Art Flächenbrand in eine politisch instabile Region zu verwandeln. Der stets in bunte Phantasieuniformen gehüllte Führer Libyens, Muammar al Gaddafi, dürfte sich wohl auch schon Gedanken darüber machen, wie er seine Macht erhalten kann.Doch nicht nur der Norden Afrikas könnte in Zukunft politisch instabil werden. Auch der Nahe Osten - ohnehin schon kein Hort geordneter Verhältnisse - droht durch einen Sturz des ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak zu einem Pulverfass mit brennender Lunte zu werden. 1979 schloss Mubaraks Vorgänger, Anwar El Sadat, einen Friedensvertrag mit Israel. Dafür wurde er zwar mit dem Friedensnobelpreis geehrt, zwei Jahre später aber auch ermordet. Seitdem regiert Husni Mubarak das Land. Die Vereinigten Staaten unterstützen dessen Regierung schon seit Jahrzehnten. Die ägyptische Armee gehört wohl auch deshalb zu einer der schlagkräftigsten und am besten ausgerüsteten der ganzen Region. Bang fragt sich so mancher politische Beobachter, wie es wohl in Zukunft um Israels Sicherheit bestellt sein wird, sollte Ägypten und damit auch seine Armee in die Hände israelfeindlicher Kräfte gelangen. Auch die Frage, wer in Zukunft die Hoheit über den Suez-Kanal hat, gehört zum Katalog der Probleme, die ein Machtwechsel in Kairo nach sich ziehen könnte. Mit Konsequenzen nicht nur für die Region, sondern für die gesamte Welt(wirtschaft).  

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