Engelmanns Eigenhandel: Bundesbank-Spitze: Weidmannsheil!

Engelmanns Eigenhandel: Bundesbank-Spitze: Weidmannsheil!

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Jens Weidmann

Jens Weidmann, bislang wirtschaftspolitischer Berater von Kanzlerin Angela Merkel, soll die Nachfolge Axel Webers antreten und das Amt des Präsidenten der Deutschen Bundesbank übernehmen. Unser Kolumnist Oliver Engelmann bricht eine Lanze für den neuen Bundesbank-Chef.

Für gewöhnlich ist ja Johnnie Walker der Mann, der kommt, wenn andere gehen. Doch in der vergangenen Woche schlüpfte ein der breiten Öffentlichkeit bislang völlig Unbekannter in die Rolle des smarten Schotten: Jens Weidmann, 42 , bislang Leiter der "Abteilung IV Wirtschafts- und Finanzpolitik" des Bundeskanzleramts. Axel Weber geht, Jens Weidmann kommt. Ab Mai dieses Jahres soll der bisherige wirtschaftspolitische Berater von Kanzlerin Angela Merkel die Nachfolge Axel Webers antreten und das Amt des Präsidenten der Deutschen Bundesbank übernehmen.   

Wie bei derlei Beförderungen in Deutschland üblich, erhob sich sogleich ein kräftiger Proteststurm mehr oder minder qualifizierter Meinungsäußerungen zu dieser Personalie. Die große Gemeinde der Hobby-Kommentatoren, die glaubt, im "World Wide Web" ihren Senf zu allem und jedem dazugeben zu müssen, echauffierte sich dabei wieder einmal besonders. So mancher, stets nur aus der Anonymität des Netzes heraus seine Standpunkte vertretende Zeitgenosse offenbarte dabei, dass Neid und Missgunst nach wie vor die wesentlichsten Triebfedern vieler sind, die zwar vorgeben, in der Sache zu argumentieren, in Wahrheit aber nur anderen keinen Erfolg gönnen. Zumeist handelt es sich dabei um Menschen, die allem Anschein nach zu erregt sind, um sich über Inhalt und Form ihrer Auslassungen Gedanken zu machen, bevor sie sie zu Papier bringen beziehungsweise als Bits und Bytes verschlüsselt in den elektronischen Äther senden. Da werden Christian Wulff, Peter Müller und Jens Weidmann gerne schon einmal als "Jasager" und "Abnicker" tituliert, natürlich nicht, ohne im gleichen Atemzug auch noch als "fürstlich entlohnt" und "innerlich korrumpiert durch die 10-fache Apanage" diffamiert zu werden. Das Ganze mit derartig vielen Rechtschreibfehlern, dass Konrad Duden in seinem Grab wohl mittlerweile rotieren dürfte wie eine Zentrifuge in einem Forschungslabor der amerikanischen Weltraumbehörde NASA. Man kann nur hoffen, dass derlei Anfeindungen dem stillen Herrn Weidmann die Freude an seiner Berufung nicht verderben.    

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Führungserfahrung vorhanden

Doch auch bekannte Persönlichkeiten kritisierten in der vergangenen Woche die Personalentscheidung der Bundeskanzlerin - manchmal mit merkwürdigen Argumenten. So gab der vormalige Bundesbank-Präsident Ernst Welteke zu Protokoll, eine Schwäche Jens Weidmanns sei, noch nie einen so großen Apparat mit so vielen Mitarbeitern wie die Bundesbank geführt zu haben. Soll das allen "Ernstes" ein Argument gegen die Ernennung eines ausgewiesenen geldpolitischen Fachmanns wie Jens Weidmann sein? Nicht nur hat der bis zur Bekanntgabe seines Wechsels an die Spitze der Bundesbank eine Abteilung im Bundeskanzleramt geleitet; zuvor war Weidmann bereits Abteilungsleiter in der Behörde, der er zukünftig vorstehen soll. Führungserfahrung darf man dem zukünftigen Bundesbank-Präsidenten also durchaus unterstellen. Im Übrigen gilt in diesem Fall, was auch sonst im Leben gilt: Der Mensch wächst mit den Herausforderungen.    

Akademische Eignung

Etwas befremdlich wirkt auch, was der Münchener Ökonom Prof. Dr. Gerhard Illing, seines Zeichens Inhaber eines Lehrstuhls der Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität, über Herrn Weidmanns Qualifikation zum Besten gab. Über Bande spielend erklärte er, es hätte durchaus Anwärter mit ausgeprägterem akademischen Hintergrund gegeben. Gewiss: eine grandiose, Formulierung, die Illings beißende Kritik in ein elegantes, diplomatisches Gewand hüllt. Doch sollten sich in Weidmanns Doktorarbeit nicht noch Passagen aus der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" finden, die nicht per Fußnote als solche kenntlich gemacht wurden, dürfte die akademische Eignung des Kandidaten für das hohe Amt wohl außer Zweifel stehen. Oder glaubt Prof. Illing ernsthaft, dass jemand zum Leiter der für die Bundesbank so überaus wichtigen Abteilung "Geldpolitik und monetäre Analyse" hätte avancieren können, der im Zeichnen von Angebots- und Nachfragekurven und in der dritten Ableitung von Funktionen im n-dimensionalen Raum nicht firm wäre? Außerdem: Wenn der neue Bundesbank-Präsident zu einem großen Teil auch ein Mann der Praxis und kein Wissenschaftler aus dem Elfenbeinturm ist, scheint mir das angesichts der großen Herausforderungen, vor denen Bundesbank und Europäische Zentralbank (EZB) stehen, eher von Vorteil. Für viele der derzeitigen Probleme finden sich in den Nachschlagewerken der Volkswirtschaftslehre keine Patentrezepte.   

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