Engelmanns Eigenhandel: Etwas mehr Vernunft, bitte!

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Brüssel

Ihr Haushaltsdefizit haben die Belgier weitgehend im Griff, dennoch fordern Investoren immer höhere Renditeaufschläge gegenüber Bundesanleihen: Die Märkte fürchten eine Spaltung unseres westlichen Nachbarlandes, das Land dürfte bald länger ohne Regierung sein als der Irak.

Wer je schon einmal pompejanische Wandinschriften übersetzt hat, der weiß, dass die alten Römer keine Kinder von Traurigkeit waren. Ganz im Gegenteil: So mancher flotte Spruch, der nur durch den Ausbruch des Vesuvs konserviert und so in die Neuzeit gerettet wurde, treibt einem die Schamesröte ins Gesicht und kann durchaus als jugendgefährdend eingestuft werden. Daher ist es auch kein Wunder, dass die Lateinlehrer an unseren Gymnasien ihren Schülern weiterhin lieber jenes berühmte Werk des Gaius Julius Caesar zur Übersetzung vorlegen, das schon Generationen junger Menschen an den Rand der Verzweifelung gebracht hat: "De bello Gallico". Hierbei handelt es sich nicht, wie man als Nicht-Lateiner, aber Italien affiner Sprachenforscher vermuten könnte, um die Beschreibung eines gallischen Schönlings vom Schlage eines Asterix oder Obelix, sondern um das Kriegstagebuch des römischen Feldherren Caesar, der die Gallier von 58 - 50 vor Christus durch die Mangel drehte.   

An den ersten Satz aus "Über den gallischen Krieg" können sich selbst Lateinschüler noch erinnern, deren Schulzeit schon zwanzig Jahre zurückliegt und die den "ablativus absolutus" inzwischen für einen Wurmfortsatz des Zwölffingerdarms halten: "Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur." Zu gut deutsch: "Ganz Gallien ist in drei Teile geteilt, deren einen die Belger bewohnen, den anderen die Aquitaner, den dritten, die in eigener Sprache Kelten genannt werden, in unserer Gallier." Dem römischen Feldherrn und Autoren des Historienschinkens "Vom gallischen Krieg", Gaius Julius Caesar, sei an dieser Stelle ausdrücklich für jenen ersten Satz gedankt. Und den Lateinlehrern, die den Text heute noch übersetzen lassen, ebenso. Die  Beschreibung der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen des unwirtlichen Barbarenlandes, das zu erobern sich Caesar damals auf die Fahnen geschrieben hatte, ruft uns allen nämlich eines wieder deutlich ins Bewusstsein: Belgien ist mehr als Pommes, Pralinen und beleuchtete Autobahnen. Belgien ist ein Land mit Wurzeln, die bis in die Römerzeit zurückreichen, und damit ein wesentlicher und unersetzlicher Teil der europäischen Kultur.   

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Die Kenntnis der Geschichte ist generell hilfreich, wenn es gilt, die Gegenwart zu verstehen. Das gilt auch und gerade in Bezug auf Belgien! Dessen politische Gegenwart sorgt unter den Anleihegläubigern des kleinen Landes schon seit geraumer Zeit für Aufregung. Sorgenvoll blicken sie nach Brüssel, wo das Kabinett unter Ministerpräsident Yves Leterme seit nunmehr neun Monaten nur noch kommissarisch im Amt ist. Seit dem Auseinanderbrechen der Regierung Letermes im April des vergangenen Jahres und den sich im Juni anschließenden Neuwahlen verfügt keine der zahlreichen Parteien Belgiens über eine Mehrheit zur Regierungsbildung; auch zur Bildung einer Koalition ist es bislang nicht gekommen. Schon bald dürfte das kleine Königreich deshalb den traurigen Rekord des Irak einstellen, in dem die Menschen nur wenig länger auf die Bildung einer ordentlichen Regierung warten mussten. Als außenstehender Beobachter der politischen Szene Belgiens wundert man sich zunächst einmal, dass die Regierungsbildung in einem solch kleinen Land so schwierig sein soll. Doch die aktuellen Probleme sind nur Ausdruck eines viel tiefer verwurzelten, historischen Streites: dem zwischen zwei Bevölkerungsgruppen, den Flamen und den Wallonen. Belgien ist ein gespaltenes Land. Und das schon seit seiner "offiziellen" Gründung im Gefolge der Revolution von 1830.    

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