Engelmanns Eigenhandel: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist

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Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte

Steuersparmodelle, Anlagemöglichkeiten, die nur teilweise versteuert werden müssen oder bestimmte Haltefristen bei Aktien - Anleger tun viel, um keine Gelder an den Staat abgeben zu müssen. Doch manchmal lohnt es sich, nicht auf Fristen zu achten, sondern Gewinne zu realisieren, meint Oliver Engelmann.

Schon so manches Mal habe ich sie beneidet: die Cleveren, die Schlauen, die irgendwie Lebenstüchtigeren, kurzum all diejenigen, die sich noch in unserem Steuersystem auskennen und die Möglichkeiten innerhalb dieses System zu ihrem Vorteil zu nutzen wissen. Ob Sie es glauben oder nicht: Ich bin schon mit der Erstellung meiner jährlichen Einkommenssteuererklärung restlos überfordert und benötige dazu stets die Hilfe eines Steuerberaters. Und das nicht, weil irgendwelche, von mir finanzierten Containerschiffe über die Weltmeere segelten, mit meinem Kapital mehr oder minder spannende Hollywood-Schinken finanziert würden oder ich diverse, auf Kredit finanzierte Mietskasernen in der ostdeutschen Provinz mein Eigen nennen könnte.

Nichts von alledem ist der Fall. Mir reicht schon der Anblick der ganzen Formulare, die für das Finanzamt alljährlich auszufüllen sind, um mich zu fühlen, als säße ich vor der Abiturklausur eines Mathematik-Leistungskurses - chancenlos. Mein einziger Trost: Durch meine Unwissenheit leiste ich einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Steuerberater-Zunft. Und Steuerberater wollen schließlich auch leben.

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Der Deutsche spart gerne

Noch ein anderer Gedanke tröstet mich: Nicht jeder, der versucht hat, mittels findiger Abschreibungsmodelle sein zu versteuerndes Einkommen so weit herunterzurechnen, dass es der zuständige Finanzbeamte nur noch mit einer Lupe erkennen kann, ist mit seinen Investitionsentscheidungen auch glücklich geworden. Oftmals entpuppen sich die vermeintlichen "Sparmodelle" als veritable Geldvernichter - so mancher im Hafen vor sich hin dümpelnde Seelenverkäufer und viele Immobilien, die sich im Nachhinein als nicht kostendeckend vermietbar entpuppt haben, legen hiervon beredtes Zeugnis ab.

Der Deutsche liebt es zu sparen: Schnäppchen werden gerne gekauft, auch wenn man sie überhaupt nicht braucht und sie hinterher nutzlos in der Ecke stehen. Hauptsache gespart! Diesen Drang verspürt er auch in Bezug auf die Steuern, die er zu zahlen hat. Bietet sich eine Möglichkeit, dem Fiskus auf legalem Wege weniger Geld zahlen zu müssen, wird sie auch ergriffen. Dass solcherlei Steuersparmodelle oft mit nicht unerheblichen Risiken verbunden sind, wird dabei vielfach ausgeblendet.

Auch an den Börsen zählen Entscheidungen, die man in der Hauptsache aus steuerlichen Erwägungen getroffen hat, meist zu den schlechteren. So mancher dürfte in der Vergangenheit eine günstige Verkaufsgelegenheit verpasst haben, nur weil er sich über die einjährige Haltefrist retten und so einen Kursgewinn steuerfrei verbuchen wollte, der sich dann schlußendlich - ungünstigen Strömungen an den internationalen Finanzmärkten geschuldet - in einen Verlust verwandelte. Echtes Künstlerpech! Dabei hat der Gesetzgeber dem Anleger die Sache inzwischen schon etwas erleichtert, indem er die Steuerfreiheit vom Kursgewinnen aus Kapitalanlagen, die man als Privatanleger länger als ein Jahr gehalten hat, durch eine pauschale fünfundzwanzigprozentige Kapitalertragssteuer auf jegliche Form von Ertrag oder Gewinn ersetzt hat - unabhängig von der Haltedauer.

"Zinswende" ist ausgeblieben

Leider oder Gott sei Dank - je nach indivdueller Betrachtungsweise - gilt dies nicht für all die Wertpapiere, die ein Anleger noch bis zum 31.Dezember 2008 gekauft hat. Wer sich im Jahre 2008 mit Blick auf die auslaufende Steuerfreiheit von Kursgewinnen mit deutschen Aktien eingedeckt hatte, musste bis ins Frühjahr des nachfolgenden Jahres durch ein tiefes Tal der Tränen wandern. Denn in einem Crash teilweise recht dick geschnittener Salamischeiben rauschte der Deutsche Aktienindex (Dax) damals von über 8.000 Punkten auf 3.588 Zähler und trieb so vielen Steueroptimierern die Tränen in die Augen. Heute stehen all diejenigen, die damals steuerfreie Stücke erworben haben, erneut vor einem Dilemma. Zwar drehen ihre Positionen langsam ins Plus, nur müssen sie bangen, ob die positive Tendenz, die der deutsche Aktienmarkt seit dem Frühsommer des Jahres 2009 erlebt hat, noch von langer Dauer sein wird.

Soll man an der Hoffnung auf weitere Kursgewinne allein deshalb festhalten, weil solcherlei Gewinne dann steuerfrei wären? Blickt man auf die Notierungen deutscher Staatsanleihen, scheinen Zweifel an der weiteren Dauerhaftigkeit der Aktienhausse, die wir seit nunmehr zwei Jahren erleben, angebracht. Die von vielen zum Jahreswechsel ausgerufene "Zinswende" ist weitestgehend ausgeblieben. Zwar hat die Europäische Zentralbank angesichts zunehmender Inflationsgefahren den Leitzins in zwei Schritten von einem auf nunmehr 1,5 Prozent erhöht. Allerdings haben bislang nur die Renditen am kurzen Ende auf die veränderte Geldpolitik reagiert.

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