Engelmanns Eigenhandel: Goldene Regel für Daytrader

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Goldene Regel für Daytrader

Wer vor Veröffentlichung wichtiger Wirtschaftsdaten kurzfristige Wetten eingeht, riskiert Kopf und Kragen. Unser Kolumnist hat´s erlebt.

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Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte bei der Citi

"Having a position ahead of important economic releases is gambling, not trading!", so warnte schon vor ewigen Zeiten ein kluger Ratgeber in Sachen Handelsphilosophie. Zwar kann ich mich - altersbedingter Vergesslichkeit geschuldet - nicht mehr daran erinnern, ob diese Weisheit aus der Feder von John Murphy, Joe Ross oder Jack Schwager stammt, doch das ändert nichts an ihrer universellen Gültigkeit. Wer meint, vor der Veröffentlichung wichtiger Wirtschaftsdaten kurzfristige Handelspositionen eingehen zu müssen, kann genauso gut im örtlichen Kasino auf rot oder schwarz setzen - im Ergebnis läuft es in der Regel auf dasselbe hinaus. 

Jung, dynamisch, ahnungslos

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Dass dem so ist, kann ich Ihnen aus eigener, leidvoller Erfahrung versichern. Als ich Mitte der 90er Jahre als junger, dynamischer und aufstrebender Börsenhändler den Rentenmarkt im Allgemeinen und den Bund-Future im Besonderen im Würgegriff zu halten versuchte, da stolperte ich eines Tages über eine jener wichtigen, volkswirtschaftlichen Veröffentlichungen: die Non-Farm-Payrolls (NFP). Allmonatlich werden die von der Regierung der Vereinigten Staaten, genauer gesagt vom zuständigen Ministerium, dem "United States Department of Labour", veröffentlicht und geben der interessierten Weltöffentlichkeit Auskunft über den Zustand des amerikanischen Arbeitsmarktes außerhalb der Landwirtschaft. Ob bei einer Bevölkerung von 300 Millionen nun zehn- oder zwanzigtausend Menschen mehr oder weniger Arbeit gefunden haben, kann doch in Bezug auf die Analyse des Gesamtzustandes der Wirtschaft nur von geringer Bedeutung sein - so dachte ich damals, im Jahre 1994.

Rein in den Markt...

Nach zwei Jahren satter Kursgewinne mit deutschen Rentenwerten in scheinbarer Sicherheit gewiegt, beschloss ich deshalb, mit einem gehörigen Bestand Festverzinslicher in die Zahlen zu gehen. Und erlebte ein persönliches Waterloo galaktischer Dimension. Die NFP fielen überraschend hoch aus und kündeten damit von einem mehr als erfreulichen Zustand der amerikanischen Volkswirtschaft. Die Rentenmärkte verhielten sich in der Folge lehrbuchmäßig: In trauter Gemeinschaft mit amerikanischen Staatsanleihen sausten deutsche Bundesanleihen talwärts. Fast schien es, als gebe es kein Halten mehr, und das Jahr 1994 sollte schlussendlich auch als eines der schlechtesten in die Annalen des Rentenmarktes eingehen. Jahre später entdeckte ich dann zwischen zwei Buchdeckeln jene Weisheit, die früher zu kennen mir einen hohen Verlust erspart hätte. Aber vielleicht wird man sowieso erst so richtig aus Schaden klug. 

Arbeitsmarkt bewegt Bonds

Auch in der vergangenen Woche stand wieder einmal die Veröffentlichung amerikanischer Arbeitsmarktdaten auf dem Programm und wurde von den Börsianern mit Spannung erwartet. Es mag auf den ersten Blick verwundern, dass insbesondere die Akteure an den Rentenmärkten den NFP derartige Aufmerksamkeit schenken. Aber kaum ein anderer Wirtschaftsindikator vermag die Kurse von Anleihen kurzfristig so sehr zu bewegen. Heftige Kursschwankungen - bisweilen um über einen vollen Punkt in wenigen Minuten - sind im Umfeld der Veröffentlichung des amerikanischen Arbeitsmarktberichtes mehr die Regel als die dieselbe bestätigende Ausnahme. Viel stärker als in Deutschland schließt man in Amerika vom Zustand des Arbeitsmarktes auf den der Konjunktur.

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