Engelmanns Eigenhandel: Gute Vorsätze und Zinsprognosen

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Gute Vorsätze und Zinsprognosen

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Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte bei der Citi

Sicher, Prognostiker können daneben liegen. Aber: in allen Prognosen steckt eine Menge harter Arbeit kluger Köpfe, weshalb man sie sich zu Nutzen machen sollte. Man sollte sie als Diskussionsgrundlage ansehen, die hilft, sich eine Meinung über den künftigen Verlauf von Konjunktur und Börse zu bilden. Sie haben deshalb durchaus ihre berechtigung - genau so, wie die immer wieder zu Silvester gefassten guten Vorsätze.

Gute Vorsätze und volkswirtschaftliche Prognosen haben eines gemeinsam: Beide taugen nichts. Mit dieser kernigen Behauptung wollte ich eigentlich meine heutige Grußbotschaft zum neuen Jahr beginnen und damit sogleich zu einem Tiefflug über die Stammtische ansetzen. Doch als ich am Silvesterabend einsam auf der heimischen Couch saß und mich gehörig langweilte, weil ich meinen Fernseher – in voraus eilendem Gehorsam gegenüber meinen guten Vorsätzen für das neue Jahr - bereits tags zuvor in den Keller getragen und so Andy Borg und seine lustigen Musikanten ausgesperrt hatte, da kam ich gehörig ins Grübeln: über die guten Vorsätze und die Prognosen über den künftigen Verlauf von Wirtschaft und Börse. Sollte man beides wirklich so einfach in Bausch und Bogen verwerfen? 

Deprimierender Blick auf die Waage

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Gewiss: Dass gute Vorsätze nur bedingt geeignet scheinen, seinem Leben eine andere, gehofft bessere Richtung zu geben, kann ich in meinem besonderen Fall leicht erkennen. Ein Blick herab am eigenen Körper und auf die Waage beweist, dass die alljährlichen, hehren Versprechungen in der Silvesternacht, man wolle im neuen Jahr gesünder leben und auf eine ausgewogene Ernährung achten, Makulatur geblieben sind. Auch um Kraft und Kondition ist es nicht gut bestellt: Als ich im vergangenen Sommer den Gipfel eines Berges in den österreichischen Alpen erstürmen wollte, da glich dieser Gipfelsturm eher dem Versuch, den Mount Everest ohne Sauerstoffmaske zu erklimmen. Läppische 1000 Höhenmeter brachten mich vollends ans Limit! Eigentlich aber auch kein Wunder, hatte ich den guten Vorsatz vom Vorjahr, regelmässig Sport zu treiben, schon mit Beginn der Karnevalssaison auf den Schrottplatz illusionärer Maximen verabschiedet. 

"Mehr Sport!"

Doch warum scheitert man eigentlich an dem Vorhaben, seine guten Vorsätze in die Tat umzusetzen? Es liegt an den solchen Vorhaben innewohnenden Zwang. "Gesünder ernähren!", "Weniger rauchen!", "Mehr Sport treiben!" - all diese in Form zackiger Befehle erteilten Handlungsanweisungen wecken im Menschen keine positiven Gefühle und so wundert es nicht, dass eine erste "Ausnahme" vom strengen Regiment der an Silvester feierlich gelobten guten Vorsätze schon bald als Begründung dafür herhalten muss, warum man sich überhaupt nicht mehr an ihnen orientiert. Die Vorstellung, man müsse von heute auf morgen einem der Askese verschriebenen Guru im Himalya gleich leben, überfordert die meisten von uns. 

Tiefes inneres Verlangen

Trotzdem sollte man gute Vorsätze nicht ganz verwerfen, schließlich sind sie Ausdruck eines tieferen, inneren Verlangens nach Veränderung zum Besseren. Man sollte sie vielleicht nur anders interpretieren und handhaben. Wer die lange Liste seiner guten Vorsätze um ein lebendiges Bild von eben jener besseren Zukunft ergänzt, die ihre Einhaltung hervorbringen soll, der dürfte um einiges erfolgreicher sein in dem Bestreben, seine Ziele zu erreichen. Ebenso der, der gute Vorsätze dann nicht als hinfällig betrachtet, wenn er sie einmal gebrochen hat. Eine "Ausnahme" nicht gleich als nicht mehr zu reparierenden "Rückschlag" zu betrachten, sondern bewusst zu erleben und anschließend beherzt an der Umsetzung seiner guten Vorsätze in die Tat weiter zu arbeiten und damit an der Verwirklichung seiner Ziele, darin scheint mir die Kunst zu liegen.

Prognosen für den Papierkorb?

Ebenso wenig wie die guten Vorsätze sind auch die volkswirtschaftlichen Prognosen, die uns dieser Tage aus Wirtschaft und Wissenschaft erreichen, per se nutzlos. Gewiss: Oft genug lagen Volkswirte und Strategen in Banken und wissenschaftlichen Forschungsinstituten in der Vergangenheit mit ihren Vorhersagen schief. Auch zu Beginn des vergangenen Jahres dürften nur wenige die rasante Erholung der deutschen Wirtschaft korrekt prognostiziert haben, ebenso wenig wie den erschütternden Kursverfall der Anleihen mancher Staaten der Euro-Zone. Dass der Deutsche Aktienindex (DAX) phasenweise über 7.000 Punkten handelte, deutsche Staatsanleihen sogar kurzzeitig an der Marke von 2 Prozent kratzten  und die Europäische Union gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds ein 750 Milliarden Euro schweres Hilfspaket für Griechenland und Irland schnüren mussten - auch das waren Entwicklungen, die nicht unbedingt zu erwarten waren und nur von wenigen vorhergesagt worden sein dürften. Doch reicht dieses Verfehlen der Prognosen, um deren Nutzen insgesamt in Frage zu stellen? 

Harte Arbeit kluger Köpfe

Auch hier gilt es - ähnlich den guten Vorsätzen - Prognosen anders zu interpretieren. Volkswirtschaftliche Prognosen sind keine Versprechungen. Und erheben auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Der wäre in einer immer komplexer werdenden Welt, in der viele, oft auch zu Jahresbeginn noch unbekannte Faktoren auf die Entwicklung der Wirtschaft und der Börsen einwirken, auch gar nicht zu gewährleisten. Ganz abgesehen davon, dass unter Volkswirten wohl auch die These, der Mensch verhalte sich stets als "homo oeconomicus", mittlerweile in Zweifel gezogen und an neuen Modellen gearbeitet wird, die diese Theorie in die Vorhersage der wirtschaftlichen Zukunft miteinfließen lassen sollen. Fakt ist: In allen volkswirtschaftlichen Prognosen steckt eine Menge harter Arbeit kluger Köpfe, weshalb man sie sich zu Nutzen machen sollte. Man sollte sie als Diskussionsgrundlage ansehen, als Anregungen, die einem helfen können, sich eine eigene Meinung über den künftigen Verlauf von Konjunktur und Börse zu bilden.

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