Engelmanns Eigenhandel: Hüpfendes Komma für Kapital und Kredit

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Hüpfendes Komma für Kapital und Kredit

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Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte bei der Citi

Die Kreditwürdigkeit Deutschlands zu erhalten, ohne die Europakarte zu verspielen, ist für die Politik ein schwieriges Unterfangen.

Grämen Sie sich nicht, sollten auch Sie "Tomas Tranströmer" bislang für eine schwedische Kajak-Marke gehalten haben. Wenn selbst der belesene Literaturkritiker und Publizist Marcel Reich-Ranicki zu Protokoll gibt, bis letzte Woche noch nie vom diesjährigen Nobelpreisträger für Literatur gehört zu haben, müssen wir, in deren Bücherregalen sich die Werke Karl Mays, John Grishams und Dan Browns stapeln, uns keineswegs intellektuell unterbelichtet vorkommen.

Es scheint über die Jahre zum Prinzip des Nobel-Komitees geworden zu sein, nur noch Schriftsteller auszuzeichnen, deren Werke lediglich einer kleinen Zahl vergeistigter Pen-Club Mitglieder bekannt sind und die sich vor allem dadurch auszeichnen, jedem "normalen" Leser nahezu vollkommen unverständlich zu bleiben. "Höchstmögliche Verdichtung von Sprachbildern", "Vielfalt der Assoziationen", "Lakonie der Rede": Das sind - neben "kühnen Metaphern", "freien Rhythmen" und "sapphischen Stanzen" - die Begriffe, die Tranströmers Sprache und Werk charakterisieren. Dabei geht es auch einfacher. Und vor allem für jedermann verständlich.

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Ein schönes Beispiel, wie man mit einfachsten, sprachlichen Mitteln größtmögliche Wirkung erzielen kann, lieferte kürzlich Kanzleramtsminister Ronald Pofalla. Seine Formulierung "Ich kann Deine Fresse nicht mehr sehen", mit der er eine gewisse Abneigung gegenüber seinem CDU-Fraktionskollegen Wolfgang Bosbach zum Ausdruck bringen wollte, besticht durch ihre schlichte, doch zugleich kraftvolle Form. Hier spricht einer, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Authentisch! Auch der sogleich nachgestellte Satz "Du redest ja doch nur Scheiße!" lässt durch das Stilmittel des bewussten Einsatzes von Fäkalsprache die Botschaft nur noch deutlicher hervortreten.

Schade, dass Pofalla seine Alltagspoesie nicht in Form eines Gedichtbandes veröffentlicht hat. Sonst hätte er große Chancen, in Transtömers Fußstapfen zu treten, sollte sich das Nobel-Komitee eines Tages dazu entscheiden, einen Schriftsteller zu ehren, dessen Stilmittel die kraftvolle, einfache Sprache ist.

Die Bemerkungen Ronald Pofallas gegenüber Wolfgang Bosbach, der im Bundestag gegen eine Ausweitung der European Financial Stability Facility (EFSF) gestimmt hat, zeigen deutlich, dass man angesichts der ausweglos scheinenden Krise in der Euro-Zone auch und gerade in der Politik zunehmend dünnhäutig wird. Vieles wurde in den vergangenen Wochen und Monaten beschlossen, um der Krise Herr zu werden; nichts hat bislang gewirkt. Die Renditeabstände zwischen Anleihen aus Krisen-Staaten wie Griechenland und finanzstarken Ländern wie Deutschland verharren unverändert auf hohem Niveau oder weiten sich sogar aus.

Spagat für Deutschland

Während die Hellenen nach wie vor am Abgrund hangeln, gilt es für die deutsche Politik, einen besonderen Spagat zu vollführen: Europa zu helfen und dabei die eigene Kreditwürdigkeit am Kapitalmarkt nicht zu gefährden. Während bislang die uneingeschränkte Solidarität mit Europa im Vordergrund der deutschen Überlegungen stand, mehren sich inzwischen Stimmen, die davor warnen, den Bogen zu überspannen. So wie die Wolfgang Bosbachs, dem man kaum wird nachsagen können, ein Vertreter rein nationalistischer Interessen oder Nachplapperer dumpf-doofer Stammtischparolen zu sein. Die Frage zu stellen, wem damit gedient wäre, wenn auch noch die deutschen Staatsanleihen am Kapitalmarkt unter Druck gerieten, ist legitim.

Am Markt für Kreditausfallversicherungen, sogenannten Credit Default Swaps (CDS), scheint es bereits Befürchtungen zu geben, dass auch die Bonität Deutschlands unter den zahlreichen Garantien und anderen Verpflichtungen im Rahmen der Hilfe für notleidende Staaten der Euro-Zone leiden könnte. Schon seit geraumer Zeit steigen die Prämien für Versicherungen, mit denen man sich gegen einen Zahlungsausfall der Bundesrepublik schützen kann.

Beim Blick auf die Kursentwicklung der Anleihen des Bundes ergibt sich allerdings ein ganz anderes Bild: Für Kapitalanleger sind Bundesanleihen nach wie vor ein Hort der Stabilität und Sicherheit. Die Renditen deutscher Staatsanleihen sind so niedrig wie nie zuvor - Zeichen einer unvermindert großen Nachfrage. So werfen zehnjährige Titel beispielsweise nur noch zwei Prozent Rendite ab - streckenweise sogar weniger. Damit liegt die Verzinsung unterhalb der Inflation, Anlagen sind also eigentlich ein Verlustgeschäft. Doch geht es denen, die Bundesanleihen kaufen und halten, gar nicht mehr darum, eine Rendite nach Inflation und Steuern zu erwirtschaften.

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