Engelmanns Eigenhandel: Inflation am Käsestand

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Inflation am Käsestand

Die Inflation in Schach zu halten, den Wert der Gemeinschaftswährung zu erhalten und dabei gleichzeitig Europa beim Weg aus der Krise zu unterstützen, erfordert einen geldpolitischen Spagat erster Güte. Kein leichter Job für den Nachfolger von EZB-Chef Jean Claude Trichet.

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Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte bei der Citi

In einer meiner ersten Kolumnen für die Wirtschaftswoche berichtete ich Ihnen im vergangenen Jahr von einem trockenen Brötchen, das ein Frankfurter Bäcker zum stolzen Preis von einem Euro und dreißig Cent feilbot. Zählte der italienische Parmesan nicht zu den Hartkäsen, die man nur gerieben verzehren kann (weil man sonst Gefahr läuft, sich einen Zacken aus den im Mundraum verbauten Kronen zu brechen), dann hätte ich am Wochenende fast den passenden Belag zu jener Edelbackware gefunden. Wie viele Frankfurter war ich am Samstag zum wöchentlichen Besuch der Kleinmarkthalle aufgebrochen.  Exkurs: Was zum Teufel ist die Kleinmarkthalle?

Zu Erklärung für Ortsunkundige: Die 1954 erbaute und seitdem gefühlt auch nicht mehr renovierte Kleinmarkthalle gilt unter Frankfurtern als Heimstatt aller Freunde guten Essens, beherbergt sie doch über 60 Händler, die von der lebenden Forelle bis zur nach Omas Rezept gebratenen Frikadelle so gut wie alles anbieten, was dem Gaumen Freude bereitet. Am Schönsten beschrieb der Frankfurter Heimatdichter Friedrich Stoltze das Angebot in der Kleinmarkthalle: "Gemieß, Kardoffel und was noch all, des kriecht mer hier in dere Hall. Und owwe uff der Galerie, da möpselts nach Fromaasch de Brie." Zwar bezog sich des Dichters schwärmerische Begeisterung noch auf die alte, 1877 bis 1879 erbaute und im Krieg zerstörte Vorgängerin der heutigen Halle, doch lebte Stoltze heute noch, so würde er kaum andere Worte wählen.

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Ein stolzer Preis

In jenem Tempel der Genüsse schritt ich nun also am Wochenende zum Käsehändler, um für das Abendessen etwas Parmesan zu kaufen. Als der dann den Preis für ein nicht mal faustgroßes Stück jenes italienischen Käses nannte, da war die Erinnerung an das teure, trockene Brötchen des esoterisch angehauchten Bäckermeisters sofort wieder präsent. 13 Euro (!) musste ich dafür berappen, am Abend nicht den Parmesan aus der Tüte über meine Spaghetti Miracoli zu streuen, sondern das ansonsten eher günstige Gericht mit frischem Käse geschmacklich etwas aufzuwerten. Ein stolzer Preis - Vorbote der Zukunft?  

Die Lebensmittelpreise steigen weltweit an. Wissenschaftler rechnen in absehbarer Zeit mit zweistelligen prozentualen Steigerungsraten bei den Preisen wichtiger Grundnahrungsmittel. Und auch die Europäische Zentralbank(EZB) schlägt mittlerweile Alarm. Die Notenbank erwartet laut ihrem aktuellen Monatsbericht, dass die Preise für Lebensmittel bedingt durch die stetig wachsende globale Nachfrage dauerhaft ansteigen könnten. 

Weniger Essen?

Natürlich kann man - zumindest, wenn man wie ich mit einem Body-Maß-Index von über 30 gesegnet ist und damit bereits an einer leichten Adipositas leidet - dieser Entwicklung auch etwas Positives abgewinnen: Wenn die Preise steigen, dann isst man halt einfach weniger. Die Kosten für Lebensmittel bleiben so gleich und man nimmt auch noch ab! Allerdings fühlt man sich sofort an jenen nur scheinbar lustig gemeinten Ausspruch erinnert, mit dem mancher Autofahrer die ständig steigenden Benzinpreise kommentiert: "Was? Die Benzinpreise steigen? Mir egal: Ich tank' immer für 10 Euro!"  

Angesichts der im Dezember auf 2,2 Prozent und damit über die Zielmarke der EZB angestiegenen Teuerungsrate rechnet die Zentralbank nun insgesamt mit einem vorübergehenden, generellen Anstieg der Preise in den kommenden Monaten. Kein Wunder also, dass deren Präsident auf seiner letzten Pressekonferenz für einen Zentralbanker ungewöhnlich klare Worte fand. 

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