Engelmanns Eigenhandel: Ist Irlands Ex-Premier an allem schuld?

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Ist Irlands Ex-Premier an allem schuld?

Bild vergrößern

Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte bei der Citi

Inspiriert von dem chaotisch anmutrenden hessischen Kommunalwahlkampf macht sich unser Kolumnist Gedanken um das irische Wahlergebnis - und um die Probleme, die Irland, der als Bettvorleger gelandete "keltische Tiger, der Euro-Zone noch bereiten könnte.

Am 27. März 2011 finden in Hessen Kommunalwahlen statt und diese Wahlen dürften die stimmberechtigten Einwohner Frankfurts vor eine größere logistische Herausforderung stellen als die für den ordnungsgemäßen Ablauf der Stimmabgabe verantwortlichen Mitarbeiter des Magistrats. Denn in der Abgeschiedenheit und Enge der Wahlkabine muss der Bürger zunächst einen Stimmzettel entfalten, der mit einer Größe von 118 x 62,5 Zentimetern bereits an das Format von  "Bravo "- Starschnitt - Postern heranreicht. Auf 18 Listen buhlen sage und schreibe 1830 Kandidaten um die Gunst der Wähler. Und die dürfen sich so richtig austoben. Denn in der Folge des Gesetzes zur Stärkung der Bürgerbeteiligung und kommunalen Selbstverwaltung darf jeder Wahlberechtigte für die Wahl der Stadtverordnetenversammlung bis zu 93 Stimmen und für die der Ortsbeiräte bis zu 19 Stimmen abgeben - da behaupte noch einer, der Bürger habe nicht genug Einfluss in unserem Staat.  

Hessen sucht den Super-Politiker

Oder zumindest in unserer Stadt. Interessant sind auch die Möglichkeiten zum "Panaschieren" und "Kumulieren": Diese entbinden den Bürger zum einen von dem Zwang, sich für eine Partei entscheiden zu müssen, und verwandeln zum anderen durch die Option, einem Kandidaten bis zu drei Stimmen geben zu können, die an sich doch recht trockene Wahlentscheidung zu einer Miniaturausgabe von "Deutschland sucht den Superstar". Mein Problem: Ich kenne keinen einzigen der 1830 Kandidaten und auch von vielen der Parteien und Listen, die sich zur Wahl stellen, habe ich bislang noch nie etwas gehört. Ob "FAG - Flughafenausbaugegner", "ÖkoLinX-Antirassistische Liste", "Muslimische Union", "FFM hoch 2 - Frankfurt für morgen" oder "Internationale Einwanderinnen Liste": für mich alles böhmische Dörfer.

Anzeige

Doch auch die "etablierten" Parteien scheinen im Rennen um die Wählergunst mit gebremstem Schaum zu agieren. Zumindest im Rennen um meine Gunst. Vielleicht liegt es an dem grimmigen Blick, den ich jedes Mal beim Passieren eines Wahlkampfstandes zur Schau stelle, seit mir kürzlich die Vertreterin einer Bürgerinitiative das Motto ihrer Organisation schmackhaft zu machen versuchte: "Mehr Atomkraft, weniger Banker"! Eine kuriose Forderung, die mich bedauern ließ, dass man als Wähler zwar panaschieren und kumulieren, leider aber nicht kujonieren darf. Vielleicht liegt die Zurückhaltung der Wahlkämpfer mir gegenüber aber auch an meinem an den Wochenenden stets reichlich abgerissenen Äußeren, das beispielsweise einen Vertreter der örtlichen FDP, der am Samstag vor der Frankfurter Kleinmarkthalle gelbe Tulpen verteilte, mich zwar kritisch beäugen ließ, ihn aber davon abhielt, in mir den künftigen Wähler seiner Partei zu sehen. Doch bis zum Wahltag ist ja noch ein bisschen Zeit und vielleicht überwindet sich ja noch jemand, mir seine Pläne zur Zukunft unserer kleinen Kaufmannsstadt am Main zu erläutern.

Staatschuldenkrise kippt ersten Regierungschef

Die Iren haben derweil bereits gewählt. Zwar weiß man nicht, ob das irische Wahlrecht den Bürgern der grünen Insel ähnlich große gestalterische Freiheiten gewährt wie das hessische Kommunalwahlrecht, dafür aber ist das Ergebnis der Wahl bekannt: Der neue Regierungschef in Dublin wird Enda Kenny heißen. Dass sich seine Partei "Fine Gael" überzeugend gegen die des amtierenden Ministerpräsidenten Brian Cowen, Fianna Fail, durchsetzen konnte, überrascht dabei niemanden mehr. Zu deutlich hatte sich in Meinungsumfragen die Wechselstimmung der Bevölkerung bereits abgezeichnet. Brian Cowen wird damit als der erste europäische Regierungschef in die Geschichte eingehen, der im Gefolge der Staatsschuldenkrise seinen Hut nehmen musste. Im Gegensatz zu seinem griechischen Amtskollegen, Georgios Papandreou, dessen drastischer Sparkurs noch im November die Billigung der Bevölkerung fand - wenn auch nur indirekt ausgedrückt durch Stimmenzuwächse der regierenden Pasok Partei bei den Kommunalwahlen -, wurde Cowen von seinen Landsleute derb abgestraft. 

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%