Engelmanns Eigenhandel: Segeln Anleger schon bald wieder aus sicheren Häfen?

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Segeln Anleger schon bald wieder aus sicheren Häfen?

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Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte bei der Citi

Unser Kolumnist macht sich Gedanken über die zuletzt wieder gesunkenen Renditen der Bundesanleihen. Der Reflex, dass große Krisen zu einer Flucht in Sicherheit führen, funktionierte zuletzt wieder. Inflationsängste könnten das Zinsniveau aber bald schon wieder steigen lassen. Anleihe-Investoren sollten Vorsicht walten lassen.

"Kaufen Sie einfach immer unter pari, dann kann Ihnen nichts passieren! Renten werden schließlich stets zu 100 zurückgezahlt." Mit diesem väterlichen Rat entließ der langjährige Leiter des Wertpapierbereichs einer traditionsreichen deutschen Bank dereinst den neuen Chef seines Rentenhandels in den täglichen Kampf um viertel-, achtel- und sechzehntel Prozentpunkte. Der fand diese Bemerkung so ungemein erheiternd, dass er sie noch Jahre später in geselliger Runde unter seinesgleichen zum Besten gab - ein echter Schenkelklopfer.  

Damals - vor über 25 Jahren - steckte der Rentenhandel in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Zu den aktivsten Emittenten gehörten die deutschen Hypothekenbanken - noch heute erinnern sich viele an das berühmte Motto von der "verbrieften Sicherheit"-, ausstehende Industrieanleihen konnte man an fünf Fingern abzählen und Anleihen ausländischer Schuldner, sogenannte "Eurobonds", galten noch als etwas Exotisches. Agenturen, die die Kreditwürdigkeit von Schuldner mit einem gepfefferten Buchstabensalat bewerteten, brauchte man damals nicht - Bankrott gingen schließlich nur Bananenrepubliken in Südamerika oder dubiose "Corporates" aus anderen Teilen der Welt.    

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Die ganze Aufmerksamkeit der Akteure richtete sich auf die Zinstendenz - ganz anders als heute, wo jeder Rentenhändler vor Aufnahme seiner eigentlichen Tätigkeit am Besten schon einmal im Kreditbereich seines Instituts hospitiert haben sollte. Die Frage, in welche Richtung sich die Zinsen bewegen, gerät mehr und mehr in den Hintergrund; sie wird überdeckt von Fragen nach der Entwicklung von Zinsabständen ("Spreads") und nach der Kreditwürdigkeit ("Rating") einzelner Schuldner. Natürlich ist das vor dem Hintergrund der (Kredit-)Krise, in der sich Teile des Rentenmarktes seit nunmehr vier Jahren befinden, nur allzu verständlich. Trotzdem bleibt die Vorhersage des allgemeinen Zinsniveaus für alle, die festverzinsliche Wertpapiere verwalten oder in den eigenen Depots halten, unabdingbar.    

Groß wurde gegen Ende des vergangenen Jahres die "Zinswende" in Presse, Funk und Fernsehen ausgerufen. Ich mag den Begriff nicht sonderlich - er ist mir zu radikal. Mit dem Begriff der "Wende" verbinde ich einschneidendere Ereignisse, so wie die friedliche Revolution, die 1989 das sozialistische System in der Deutschen Demokratischen Republik zum Einsturz brachte. Nichtsdestotrotz muss man konstatieren: Die Zinsen steigen!    

Schon Mitte des vergangenen Jahres hatte ich an dieser Stelle vor der Gefahr eines Kursrutsches am Rentenmarkt gewarnt, musste dann aber wahre Höllenqualen leiden. Denn Bundesanleihen, Gradmesser des allgemeinen Zinsniveaus, haussierten im Spätsommer noch einmal kräftig und markierten mit einer Rendite von knapp oberhalb 2 Prozent für zehnjährige Fälligkeiten ein neues, noch nie dagewesenes Tief. So mancher sprach damals schon vom Beginn eines neuen Zeitalters, sah die Renditen am langen Ende kurzfristig gar unter 2 Prozent rutschen. Seitdem hat der Markt kräftig Federn lassen müssen und selbst die psychologisch wichtige Marke von 3 Prozent hielt dem Ansturm der Bären nur kurze Zeit stand.    

Bunds als sicherer Hafen

Ursächlich für den starken Anstieg der Renditen war das robuste Wachstum in Deutschland und anderen Ländern der Euro-Zone und im Gefolge eine veränderte Einschätzung in Bezug auf die künftigen Inflationsraten und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), von der man mittlerweile annimmt, sie werde die Zinsen in diesem Jahr sogar mehrfach anheben. Zwischenzeitlich scheint der Anstieg der Renditen aber ins Stocken geraten zu sein. Schon seit einigen Wochen tendieren Bundesanleihen über das gesamte Laufzeitenspektrum eher seitwärts. Während das makroökonomische Umfeld derzeit weiter für steigende Renditen spricht, sind es wieder einmal Krisen in aller Welt, die Bundesanleihen zum sicheren Hafen für die Gelder verunsicherter Anleger machen.    

An erster Stelle zu nennen ist in diesem Zusammenhang der politische Umbruch im Norden Afrikas und im Nahen Osten. Ob in Tunesien, Ägypten, Libyen, Bahrain, dem Jemen oder Syrien: Überall herrscht Unruhe, im Falle Libyens allem Anschein nach bereits Bürgerkrieg. Nichts hasst das einem scheuen Reh gleiche Kapital mehr als Unruhe und so verwundert es nicht, dass es am Markt zu massiven Umschichtungen aus "riskanten" Anlageklassen in die Sicherheit deutscher Staatsanleihen gekommen ist. Dabei ist das eigentlich - gerade mit Blick auf Libyen - ein nahezu paradox zu nennendes Verhalten. Denn der Aufstand der libyschen Bevölkerung gegen den Machthaber Gaddafi schürt Ängste, der Erdölexport aus dem nordafrikanischen Land könne kurz- bis mittelfristig komplett zum Erliegen kommen. Diese Ängste wiederum beflügeln den Ölpreis. Und der wiederum treibt die Inflation in Europa und lässt Anlagen in festverzinslichen Wertpapieren alles andere als sinnvoll erscheinen.      

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