Engelmanns Eigenhandel: Trichet: Rolle vorwärts, Rolle rückwarts

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Trichet: Rolle vorwärts, Rolle rückwarts

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Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB)

Die letzten Äußerungen des Präsidenten der EZB erinnern unseren Kolumnisten an eigene Demonstrationen turnerischen Unvermögens. Zunächst signalisierte er eine frühe Zinswende, ruderte dann aber zurück. Fest steht: Zinsen können auch wieder steigen, ein Drama muss das aber nicht sein.

Dass jegliche Form von Turnen in medialer Hinsicht ein Schattendasein führt, dessen Protagonisten - mit Ausnahme von Friedrich Ludwig Jahn und Eberhard Ginger - einer weiteren Öffentlichkeit zumeist vollkommen unbekannt sind, ist ein Umstand, der mich mit größter Freude erfüllt. Denn ich kann Turnen nicht ausstehen. Seit Kindertagen ist mir das Schwingen an Ringen ebenso verhasst wie das Springen über Böcke, und wenn ich nur an jene blauen Matten denke, die in den Turnhallen meiner Schulzeit stets dann ausgelegt wurden, wenn der Kampf mit Barren, Böcken und Kästen auf dem Stundenplan stand, dann bekomme ich noch heute Hautausschlag. Regelmäßig versaute mir die Bewertung meiner turnerischen Leistungen den ansonsten guten Notendurchschnitt, weshalb der Tag, an dem ich - der Reform der Oberstufe sei Dank - das leidige Fach endlich abwählen konnte, neben dem meiner Konfirmation und dem meiner erstmaligen Beförderung zum Prokuristen zu den schönsten meines gesamten bisherigen Lebens zählt.  

Traumatische Erfahrung

Selbst jahrelange, konsequente Verdrängung konnte die traumatische Erfahrung nicht auslöschen, die ich machen musste, als ich - fünfzehnjährig - die eigene Ungelenkigkeit in einer Bodenturn-Kür vor meiner gesamten Schulklasse zur Schau zu stellen gezwungen wurde. Während andere Hand- und Kopfstände vollführten und im dreifach gezwirbeltem Flickflack über die Matten segelten, präsentierte ich die fünffache Rolle vorwärts, die von der Figur einer "Kerze" gekrönt wurde, bevor es mit fünf Rollen rückwärts wieder zum Startpunkt meiner ausdrucksstarken Kür zurückging. Jene turnerisch sicherlich ungewöhnliche, optisch aber durch ihre eigene Ästhetik bestechende Vorführung fand in den Augen des anscheinend eher dem Traditionellen verhafteten Sportlehrers allerdings keine Gnade und in der Note "mangelhaft" ihren Zensur gewordenen Ausdruck.  

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Leitzins "noch" angemessen

Merkwürdig an jene Präsentation meines turnerischen Unvermögens erinnert fühlte ich mich am Donnerstag der vergangenen Woche, als Jean-Claude Trichet, seines Zeichens Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), vor die versammelte Weltpresse trat, um die Beschlüsse der Notenbank zu erläutern. Einer Rolle vorwärts mit sich anschließender Rolle rückwärts gleicht, was Trichet auf seinen beiden letzten Pressekonferenzen zum Besten gegeben hat. Hatte der Franzose vor kurzem zahlreiche Volkswirte mit der Formulierung, der Leitzins sei "noch (!)angemessen" (Betonung auf "noch"), in helle Aufregung versetzt und dazu veranlasst, ihre Prognosen für den Zeitpunkt des ersten Zinsschrittes der EZB in dieses Jahr vorzuverlegen, präsentierte er sich am letzten Donnerstag geradezu moderat. Und sorgte damit unter Rentenhändlern erneut für Aufregung. Manch einer hatte wohl mit einer weiteren Verschärfung der Rhetorik gerechnet und wurde so vorübergehend auf dem falschen Fuß erwischt.  

Auf den mittelfristigen Inflationsdruck komme es der EZB an, so ließ Trichet wissen , und das bedeutet im Endeffekt nichts anderes, als dass eine Erhöhung des Leitzinses nicht vor dem dritten Quartal 2011 auf der Agenda stehen dürfte. Die Rendite zweijähriger Bundesanleihen - allgemein ein Gradmesser der Einschätzungen des Marktes über die Notenbankpolitik - reagierte sofort auf die sprachlichen Nuancen des EZB - Vorstehers. Von einem am Morgen erreichten Hoch bei 1,5 Prozent sanken sie  nach der Pressekonferenz um mehr als 15 Stellen - für zweijährige Anleihen eine beachtliche Bewegung. Doch die Freude der Bullen währte nur kurze Zeit. Denn schon am nächsten Morgen begannen die Renditen wieder zu steigen. Der allgemeine Trend zu höheren Zinsen scheint ungebrochen.  

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