Engelmanns Eigenhandel: US-Staatsanleihenkäufe: Das Ende bleibt erstmal aus

kolumneEngelmanns Eigenhandel: US-Staatsanleihenkäufe: Das Ende bleibt erstmal aus

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Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte bei der Citi

Weil die US-Konjunktur nicht läuft wie erhofft, dürfte die US-Notenbank auch nach dem 30. Juni weiter Staatsanleihen ankaufen. Ein neues Programm dafür braucht sie nicht. Ende 2011 könnte die Fed die Käufe beenden und 2012 dann Teile des Portfolios wieder in den Markt geben.

Als ich kürzlich wieder einmal das heimische Bücherregal von Staub und Spinnweben befreite, da erinnerten mich zwei Ausgaben von Thomas Manns "Der Zauberberg" an die eng gezogenen Grenzen meiner eigenen Bildung. Bereits zu Schulzeiten - damals immerhin Teilnehmer eines Deutsch-Leistungskurses - hatte ich versucht, des gebürtigen Lübeckers epochales Werk zu lesen und vor allem zu verstehen. Vergeblich! Und auch Jahre später, als ich mir Manns Zauberberg noch einmal kaufte - in der stillen, aber vollkommen widersinnigen Hoffnung, ein neues Exemplar jenes Romans könne sich mir besser erschließen als das schon seit über zwei Jahrzehnten im heimischen Regal vor sich hin gilbende -, blieb das Ergebnis dasselbe: Verdruss. Ohne eine auf breitem Fundament fußende Bildung kann man dieses Buch nicht verstehen, umso mehr aber die Frustration seines Autors, als der den Nobelpreis für Literatur nicht für den Zauberberg, sondern für das in seinen Augen im Vergleich doch eher profane Werk "Die Buddenbrooks" erhielt.  

Googeln statt wissen 

Doch ist Bildung nicht ohnehin ein Relikt vergangener Tage? Ein Überbleibsel aus einer Zeit, in der die Computer der Welt noch nicht miteinander vernetzt waren und Informationen nicht auf einen Tastendruck zur Verfügung standen? Heutzutage weiß man nicht, man "googelt"!

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Und erfährt dabei bisweilen Erstaunliches. So zum Beispiel, dass der Begriff "Soma" vielerlei bezeichnen kann: den Körper einer Zelle, den Leib oder Körper des Menschen im Gegensatz zu dessen Psyche oder Seele, den amerikanischen Handelsnamen für das Muskel entspannende Mittel Carisoprodol, Städte in Japan, Gambia und der Türkei, einen Nebenfluss des Belaja Cholunzia in Russland, einen spanischen Adelstitel, eine alte deutsche Maßeinheit, einen Internetradiosender, ein schottisches Plattenlabel, ein Knobelspiel, eine fiktive Droge in Aldous Huxelys Roman "Schöne neue Welt", eine von einem gewissen Ian Graham entwickelte Modellierungssprache oder ein ehemaliges Montagewerk des Renault Konzerns in Kanada. Jede Wette: Das alles hätte selbst ein Thomas Mann nicht gewusst. 

Das Soma-Portfolio der Fed 

Doch die Recherche im Internet kann Bildung wohl auf Dauer nicht ersetzen. Und so gilt es, viele Definitionen auch weiterhin im hirneigenen "Handbuch des nutzlosen Wissens" zu speichern, um sie bei Bedarf abrufen zu können. Denn was der umfangreiche Artikel in der Internet Enzyklopädie "Wikipedia" in Bezug auf den Begriff "Soma" zu erwähnen vergisst und was man erst erfährt, wenn man nach "Soma portfolio" googelt und damit bereits ein gewisses Vorwissen mitbringt, ist, dass jener Begriff die Abkürzung für das sogenannte "System Open Market Account" darstellt, jenes Portfolio also, in dem die amerikanische Notenbank (Federal Reserve System, kurz Fed) all die Wertpapiere verwaltet, die sie am "offenen Markt" kauft. Dieses Portfolio, das von der Federal Reserve Bank of New York stellvertretend für das gesamt Federal Reserve System verwaltet wird, dient der Umsetzung der Geldpolitik der amerikanischen Notenbank, weshalb ihm eine nicht unerhebliche Bedeutung zukommt - zumal in Zeiten des sogenannten "Quantative Easing", der Lockerung der Geldpolitik durch den Ankauf von U.S. Staatsanleihen und anderen Wertpapieren.  

Fed wird weiter kaufen

Eine solche Lockerung der Geldpolitik wird von der amerikanischen Notenbank bereits seit dem Jahre 2009 betrieben, und mit Spannung blickt der Markt auf den 30. Juni, den Tag, an dem das zweite Programm des "Quantative Easing" (QE2) beendet werden soll. Bedeutet das offizielle Ende jenes Programms auch das Ende jeglicher Wertpapierkäufe durch die Fed? Mitnichten. Die US-Analysten unseres Hauses glauben, dass es auch nach dem 30. Juni am "offenen Markt" zu Wertpapierkäufen durch die Fed kommen wird. Wenn am 22. Juni das "Federal Open Market Committee"(FOMC), jenes Gremium innerhalb der Notenbank also, das über die Geldpolitik entscheidet, tagen wird, könnte am Ende jener Tagung eine Verlautbarung stehen, der zu Folge das QE2-Programm zwar abgeschlossen ist, nichtsdestotrotz aber weiterhin Wertpapiere gekauft werden. Kupon- und Rückzahlungen der Festverzinslichen, die die Fed bereits im Bestand hält, könnten am Markt reinvestiert werden, um das Portfolio insgesamt in seiner am 30. Juni bestehenden Größe zu erhalten. Schätzungen zufolge könnten diese Investments eine Größenordnung von 15 Milliarden US-Dollar erreichen. Pro Monat!  

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