
Trost spendet den Liebhabern effektiver Stücke einzig die Tatsache, dass die Zinsen, die dieser Tage auf festverzinsliche Wertpapiere bezahlt werden, sowieso so niedrig sind, dass man schon dankbar dafür ist, daran nicht an jedem Kupontermin erinnert zu werden. Anleger, die ihr Geld auf fünf Jahre sicher anlegen wollen, müssen mit Zinsen deutlich unter zwei Prozent vorlieb nehmen , Der Traum, mit einem Investment in Anleihen über den Lauf der Zeit ein stattliches Vermögen aufzubauen, war nie weiter von der Realität entfernt als heute. Aus 20.000 Euro - zu anderthalb Prozent fünf Jahre angelegt - werden - vor Steuern(!) - gerade mal 21.545,68 Euro. Und das auch nur unter der Prämisse, dass die Zinsen nicht noch weiter sinken und so eine Wiederanlage der Kupons zur ursprünglichen Rendite überhaupt möglich ist. Nach Abzug der Kapitalertragssteuer sieht die Rechnung noch mickriger aus. Und die Inflation nagt auch noch an den ohnehin schon dürftigen Erträgen, ebenso wie am Kapital.
Vermögen bilden mit Anleihen - unmöglich!
Da fragt man sich ernsthaft, ob es sich überhaupt noch lohnt, in Anleihen zu investieren. Sollte man also warten und darauf hoffen, dass die Zinsen wieder ansteigen? Viele Rentenhändler halten das mittlerweile für eine vergebliche Hoffnung. Sie prophezeien "japanische Verhältnisse", also dauerhaft niedrige Zinsen . Blickt man auf die Renditen der Bundesanleihen, dann könnte man durchaus den Eintritt in ein neues Zeitalter vermuten. Auch in der vergangenen Woche eilte der Bund-Future, das derivate Barometer des Rentenmarktes, von einem Hoch zum nächsten - bis auf eine kurzfristige Schwäche im freitäglichen Geschäft von Korrektur keine Spur. Selbst der Vorsteher der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, sieht mittlerweile die größte makroökonomische Herausforderung der kommenden zehn Jahre darin, dass diese nicht zu einer "verlorenen Dekade" werden. Wird es so schlimm kommen? Oder werden doch eher die recht behalten, die Deutschland ein "goldenes Jahrzehnt" vorhersagen? Und damit dann ja wohl auch steigende Zinsen und steigende Aktienkurse!
Egal, welcher Meinung man anhängt: Sein Geld für 1,5 Prozent fünf Jahre lang zu binden, scheint keine gute Idee zu sein. Vor allem, wenn man bedenkt, dass manche Direktbank für Festgelder Zinsen über 2 Prozent bietet. Nach den Erfahrungen der vergangenen drei Jahre sollte jeder Anleger allerdings genau prüfen, wem er sein Geld anvertraut und wie es im Notfall abgesichert ist. Etwas mehr Zins um den Preis eines Totalverlustes macht noch weniger Sinn als die langfristige Anlage zu Minizinsen. Ich persönlich halte Liquidität vor, um bei einem erneuten, deutlichen Rückschlag am Aktienmarkt zuschlagen zu können. Ob das langfristig sinnvoll ist, wird die Zukunft erweisen. Eine andere, mit hoher Wahrscheinlichkeit sinnvollere Alternative wäre, vorhandenes Vermögen als Eigenkapital in den Kauf einer eigengenutzten Immobilie zu investieren und aus der Not der niedrigen Zinsen eine Tugend zu machen. Hypothekendarlehen sind so günstig wie nie zuvor und in den eigenen vier Wänden zu leben, ist ein Traum, den viele ohnehin träumen. Das eigene Häuschen im Grünen oder die Eigentumswohnung in der Stadt sind darüber hinaus, im Gegensatz zu vielen anderen Vermögenswerten , auch kein virtueller, sondern ein sehr realer Besitz.
Ob wir es am Rentenmarkt mit der nächsten großen Blase oder dem Beginn eines neuen Zeitalters ewig niedriger Zinsen zu tun haben, dürften wohl nur fünfköpfige, außerirdische Lebewesen mit vierstelligen Intelligenzquotienten mit absoluter Sicherheit sagen können. Und die gibt es an der Börse nicht. Hier gilt eher, was Captain Kirk nach der Erkundung einer fremden Planetenoberfläche (sinngemäß) zu sagen pflegte: "Beam mich hoch, Scotty. Hier gibt es kein intelligentes Leben."
Hinweis: Herr Engelmann ist Mitarbeiter der Citigroup in Deutschland. Der von ihm verfasste Artikel gibt allein seine persönliche Meinung wider und ist kenie Analyse, Beratung oder Empfehlung der Citigroup.









- als Spam melden
- antworten
Alle Kommentare lesen03.09.2010, 12:43 UhrAnonymer Benutzer: Unterwasserexplosion
Heute hast DU mich hochgebeamt, Oliver! Als Rentenexperte der
Citi bist auch DU ein Cyborg!