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Engelmanns Eigenhandel: Virtuell und niedrig - über Renditen im Zinstal

Der Bund-Future, das Derivate-Barometer des Rentenmarkts, eilt von einem Hoch zum nächsten, es drohen dauerhaft niedrige Anleiherenditen. Unser Kolumnist hält Liquidität vor, um bei einem erneuten, deutlichen Börseneinbruch am Aktienmarkt zuschlagen zu können - und bezweifelt die Existenz intelligenten Lebens an der Börse.

Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte bei der Citi
Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte bei der Citi

 "Beam mich hoch, Scotty!" so heißt der wohl berühmteste Satz aus der Fernsehserie über die Abenteuer des "Raumschiff Enterprise", der zwar gefühlt in jeder Folge, faktisch  in diesem genauen Wortlaut  aber nie ausgesprochen wurde und der damit das gleiche Schicksal teilt wie Stephan Derricks "Harry, hol schon mal den Wagen!" und Richard Blaines "Play it again, Sam!". Seit dem Jungfernflug der Enterprise am 8. September 1966 hat sich die Technik rasant entwickelt . Selbst  wenn Menschen sich noch nicht nach Lust und Laune aus Materie in Strahlen und andernorts wieder zurück verwandeln können, ist unsere Gesellschaft dem Zustand reiner Virtualität näher denn je zuvor. Wie selbstverständlich telefonieren wir mobil, senden und empfangen elektronische Post und lassen uns im Auto von der freundlichen Dame aus dem Off von A nach B leiten - letzteres übrigens eine technische Errungenschaft, die schon so manche Ehe vor dem endgültigen Aus bewahrt haben dürfte.

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Virtueller Raum voll Geld

Auch unser Umgang mit Geld hat sich verändert, seit Computer und Internet ihren Siegeszug angetreten haben. "Nur Bares ist Wahres" pflegte man früher zu sagen; heute hat Geld zumeist rein virtuellen Charakter und so manches Mal fragt man sich bang, was wohl passieren würde, brächen die Computer der Banken mit ebenso steter Regelmäßigkeit zusammen wie der heimische Billig-PC aus dem Supermarkt. Das Chaos, das herrschen würde, gingen die Festplatten aller Kreditinstitute weltweit zur gleichen Zeit ins Nirwana über, möchte man sich schon gar nicht vorstellen. Viel realer als solche Szenarien sind jedoch die Gefahren des "phishing", jener Form der Internetkriminalität, bei der sich dunkle Elemente unrechtmäßig Zugang zu den Konten von Privatleuten verschaffen und diese dann abräumen. Ein Alptraum.   

Elektronik beraubt uns der Sinnlichkeit

Doch das Internet birgt nicht nur Gefahren für den Anleger, es raubt ihm auch wertvolle, sinnliche Erfahrungen. Wenn Onkel Dagobert in Carl Barks Comics in seinem Geldspeicher badet, spürt man dessen unbändige Vitalität und Lebensfreude. Und wiewohl jedermann weiß, das Geld (allein) nicht glücklich macht, steht der planschende Erpel wie kein anderer für die euphorisierende Wirkung von Talern, Kreuzern und physischem Gold. Heutzutage werden Gehälter und Renten bargeldlos überwiesen, Vermögen elektronisch verwaltet - Geld wird mehr und mehr zur reinen Rechnungseinheit. Die Besitzer von Wertpapieren sind seit der Einführung der Girosammelverwahrung des sinnlichen Erlebnisses beraubt, ihre effektiven Stücke und damit ihr Vermögen in Händen zu halten. So mancher hat früher das alljährliche Abtrennen der Zinskupons und deren Einlösung in der örtlichen Bankfiliale geradezu zelebriert. Effektive Stücke hatten in der Vergangenheit auch noch den Vorteil, dass man sich - im Falle des Konkurses des Emittenten - mit ihnen die Wände im Wohnzimmer tapezieren oder zumindest noch die Hoffnung haben konnte, jene Papiere eines schönen Tages als "non-valeurs" - also als historische Wertpapiere - verkaufen zu können.

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1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 03.09.2010, 12:43 UhrAnonymer Benutzer: Unterwasserexplosion

    Heute hast DU mich hochgebeamt, Oliver! Als Rentenexperte der
    Citi bist auch DU ein Cyborg!

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