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Engelmanns Eigenhandel: Wie der "Alte Fritz" die Kreditklemme bekämpfte

Hätten sich die USA an Friedrich II. von Preußen, gehalten - er gilt als Erfinder des Pfandbriefs - wäre ihnen und uns die Subprime-Krise erspart geblieben. Hypothekarkredite sollten nicht mit einer Spekulation auf die zukünftige Entwicklung der Zinsen verbunden werden. Ähnlich gefährlich sind Immobilienschulden in Fremdwährungen.

Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte bei der Citi
Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte bei der Citi

"Ich bin der erste Diener meines Staates!", so erklärte Friedrich II., von 1740 bis 1772 König in und danach von Preußen sowie Kürfürst von Brandenburg, dereinst sein Staatsverständnis. Und während sich so mancher seiner Untertanen noch darum stritt, wer denn nun der zweite, dritte oder vierte Bürger jenes Staates sei, der rund zwei Jahrhunderte später durch Beschluss der Alliierten als Keimzelle des deutschen Militarismus abgeschafft werden sollte, kümmerte sich Friedrich II. bereits um das Gemeinwesen seines Landes.

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Der "Alte Fritz" polarisiert wie kaum ein anderer. Die einen halten ihn trotz seines Bekenntnisses zur "Dienerschaft am Staat" für einen absolutistischen Despoten und angesichts der zahlreichen von ihm geführten Kriege für einen Militaristen ersten Ranges; die anderen sehen in ihm den Philosophen, den Freund der Künste, den nimmermüden Staatenlenker, der die Lebensumstände seiner Untertanen wo immer möglich verbessern wollte. Und der sich wohl heute noch in seiner kühlen Gruft umdrehen dürfte, wüsste er, welch' grausamen Diktator der deutschen Geschichte er im Laufe der Zeit als Vorbild gedient hat.  

Fakt ist: Das Lebenswerk Friedrich II. ist mehr als beeindruckend. Obwohl er in jungen Jahren durchlebte, was Psychiater heutzutage eine "schwere Kindheit" nennen würden - der eigene Vater züchtigte ihn brutal, ließ ihn zu Festungshaft verurteilen und seinen besten Freund vor seinen Augen hinrichten -, mutierte er nicht zum einzig an kriegerischen Auseinandersetzung interessierten Tyrannen. Der Förderung des Gemeinwesens galt - insbesondere in den späten Jahren seiner Herrschaft - seine volle Aufmerksamkeit und Spuren seines Wirkens sind noch heute sichtbar: In den Rechtswissenschaften, die er mit der Entwicklung des "Allgemeinen Landrechts" förderte, ebenso wie in der Landwirtschaft, die seit des Königs "Kartoffelbefehl" bevorzugt jene merkwürdige Knolle aus Übersee anbaut. Auch dass "ein jeder nach seiner Facon selig werden solle", ist eine Direktive des Königs, die in Deutschland heute noch - umfassender als zu dessen Lebzeiten - Gültigkeit hat. Zum Glück!

Dass sich der Monarch auch als Troubleshooter in kniffligen Finanzfragen einen Namen machte, daran musste ich wieder einmal denken, als ich kürzlich im Garten eines jener unzähligen kleinen Schlösser südlich Berlins saß, die noch heute stummes Zeugnis von der feudalen Lebensführung ihrer einstigen Erbauer und Bewohner ablegen. Denn wie sehr sich der "Alte Fritz" auch wünschte, das Leben möge "sans souci", also sorgenfrei, verlaufen, gestaltete sich die Realität doch zumeist anders.

Troubleshooter in Finanzfragen

Wer glaubt, Finanzkrisen seien ein Phänomen unserer Zeit, einzig der Globalisierung und dem "Turbo-Kapitalismus" geschuldet, den belehrt ein Blick ins Geschichtsbuch eines Besseren. So herrschte in Deutschland Mitte der 60er Jahre des 18. Jahrhunderts schon einmal das, was man heute als "Kreditklemme" bezeichnen würde. Insbesondere in den durch den  Siebenjährigen Krieg (1756-1763) arg gebeutelten schlesischen Gebieten mangelte es den Großgrundbesitzern an Geld: Es herrschte Kreditnot. Nun mag Friedrich II. kein ausgewiesener Finanzexperte gewesen sein, aber er war klug genug, sich die richtigen Berater zu suchen und deren Empfehlungen umzusetzen. Eine Denkschrift des Berliner Kaufmanns Diederich Ernst Bühring zur "Behebung der Kreditnot in der Landwirtschaft" gilt als Auslöser jener "Cabinetts-ordre" vom 28. Juni 1769, in der der König in blumigen Worten die "Abhelffung des Geldmangels unter dem Land-Adel" zu seiner eigenen Sache machte.

An den "Etats-Ministre von Carmer" schrieb Friedrich II.: "Da ich … den Credit des Adels, so wie in den hiesigen Provinzen durch Etablirung der Landschaft geschehen, erweitert und auf einen sichern Fus gebracht sehen möchte, so wird mir lieb seyn, wenn Ihr Eure Gedanken davon in einem ordentlichen detaillirten Plan entwerffen und mir solchen zu meiner weitern Einsicht und Entschliessung zuschicken werdet. Ich bin Euer wohlaffektionirter König. Friedrich" Den verschiedenen Rechtschreibreformen der vergangenen Jahre ist es zu danken, dass wir des Königs Worte auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch ohne Lexikon verstehen.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.07.2010, 12:06 UhrAnonymer Benutzer: Kauz

    @ Ein guter Artikel

    Sie sollten bei Gelegenheit mal ihre brille putzen! ;-)

  • 30.06.2010, 10:36 UhrAnonymer Benutzer: Ein guter Artikel

    Ergänzen könnte man noch einige andere, fundamentale Leistungen Preußens für die Menschheit: Die Abschaffung der Folter oder die Einführung der Schulpflicht.

    Davon sind vor allem diejenigen, die das Märchen vom preußischen Militarismus verbreiten, um von ihren bei weitem viel zahlreicheren Kriegen und Greueltaten abzulenken, heute noch weit entfernt. Seit Jahrhunderten überziehen manche von ihnen bis heute nahezu die ganze Welt mit Kriegen und foltern sogar wieder. ihre Kindern müssen in Schulen gehen, die an unseren Maßstäben gemessen den Namen nicht verdienen. All das war in Preußen schon vor ca. 300 Jahren überwunden.

    Das Märchen vom preußischen Militarismus hat vor allem auch der Kommunismus verbreitet, der selbst außerhalb von Kriegen über 100 Millionen Menschen umgebracht hat und der selbst das militaristischste System aller Zeiten war bis hin zu betriebskampfgruppen, betriebsgefängnissen sowie von Kindern fahrbaren Panzern für Kindergärten.

    Die Menschen in der Welt wissen das natürlich alles und fallen nicht auf diese primitive Preußenhetze herein, sonst wäre unser Ansehen in der Welt nicht so hoch und das Ansehen derjenigen, die solche Geschichten immer wieder verbreiten, nicht so unglaublich tief.

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