Engelmanns Eigenhandel: Wiederholt sich die Geschichte?

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Wiederholt sich die Geschichte?

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Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte bei der Citi

Das Inflationsgespenst verliert an Schrecken, die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank könnte ein einmaliges Ereignis gewesen sein, meint unser Kolumnist, und zieht beängstigende Parallelen zum Jahr 2008.

Wie haben wir früher eigentlich ohne "Google" gelebt? Wie sind wir nur zurechtgekommen ohne jenen allwissenden, stummen Butler, der zwar keine Zeitungen bügelt, dafür aber deren Inhalt kennt? Und noch so manches mehr! Haben wir etwa unsere Mutter angerufen, wenn wir nicht sicher waren, ob das neue Designerstück aus Erwin Lindemanns Wuppertaler Herren-Boutique bei 30, 60 oder 90 Grad gewaschen werden darf? Haben wir Omas altes Rezeptbuch zu Rate gezogen, um beim Besuch einer angebeteten Flamme mit einem feurigen ungarischen Gulasch aufwarten zu können? Immer nach dem Motto "Man nehme...", in diesem Fall 1,5 Kilo Beinscheibe vom Rind, 8 Knoblauchzehen, 3 Zwiebel, 200 Gramm Spitzpaprika, 200 Gramm Tomaten, 1 Kilo Kartoffeln, 150 Gramm Möhren, 100 Gramm Sellerie, Öl und 1,5 Liter Wasser. Nur um hinterher festzustellen, dass Großmutters Rezept für 10 Personen ausgelegt war und sich die italienische Küche bei jungen Damen ohnehin größerer Beliebtheit erfreut? Diese Gedanken schossen mir durch den Kopf, als ich am Wochenende in Vorbereitung meiner heutigen Kolumne nach einer Antwort auf die Frage suchte, ob sich Geschichte wiederholt. Denn wo anders als bei "Google" hätte ich als moderner Zeitgenosse schneller und umfangreicher das geballte Wissen der Menschheit in Bezug auf diese Frage abrufen können?    

  "Die Geschichte wiederholt sich, wenn auch nicht so oft wie das Fernsehen." - dieses, einem gewissen Lothar Schmidt zugeschriebene Bonmot, das sich auf der Webseite "Message of the day" findet und das den zumindest mir gänzlich unbekannten Schmidt in eine Reihe mit Geistesgrößen wie Goethe, Konfuzius und Marx stellt, sorgte zwar für ein Schmunzeln, nicht aber für die gewünschte philosophische Erleuchtung. Auch fand sich kein "Wikipedia"-Eintrag, der mich der Beantwortung der Frage hätte näher bringen können - zumindest nicht unter den ersten 10 von 3.520.000 Ergebnissen meiner Suchanfrage. Eines wurde mir allerdings schnell klar: Nirgendwo scheint man eine fundierte Antwort auf jene Frage mehr zu suchen als an der Börse. So trägt ein Artikel aus der Zeitschrift "Die Welt" vom 9.Oktober 2008 die Überschrift "Wiederholt sich die Geschichte?" und prophezeit "weitere Kursverluste trotz Zinssenkungen". Das "Handelsblatt" fragt am 30. April 2009 in der Rubrik "Bulle & Bär" unter der gleichen Überschrift, ob die aktuelle Wirtschaftskrise mit der Großen Depression der 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts vergleichbar sei. Und auch der "Focus", bei dem ja bekanntermaßen "Fakten, Fakten, Fakten" im Vordergrund stehen, spürt der Frage am 20. Mai 2009 nach und vergleicht den 35-prozentigen Aufschwung, den der Deutsche Aktienindex vom März 2009 bis zum Tage der Veröffentlichung jenes Artikels genommen hatte, mit einer "Zwischenrallye" des Jahres 2002.    

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Volkswirte erwarten steigenden Zins

Große Einmütigkeit herrscht dieser Tage unter den Volkswirten der Banken: Fast alle sagen in ihren Studien und Analysen weitere Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) voraus. Ihr Credo: Ein drohender Anstieg der Inflation sollte die Notenbank dazu veranlassen, den Kurs der Geldpolitik auf absehbare Zeit restriktiv zu gestalten. Hebt die Zentralbank die Leitzinsen an, so sollten gemäß der volkswirtschaftlichen Lehre auch die Zinsen am Kapitalmarkt steigen. Das Verwunderliche: Seit mehr als vier Wochen fallen die Renditen deutscher Bundesanleihen kontinuierlich. Rentierten Anleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit am 11. April 2011 noch bei 3.50 Prozent, so werfen sie mittlerweile weniger als 3 Prozent ab.

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